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Creditreform

© Julian Rentzsch

Das Gewicht der Menschen ist in den vergangenen drei Jahrzehnten weltweit massiv angestiegen. Mit schwerwiegenden Folgen.

 

Das renommierte britische Wissenschaftsmagazin „The Lancet“ schlägt Alarm: Die Weltbevölkerung wird immer schwerer – und dadurch immer kranker. Denn Übergewicht zieht etliche Folgekrankheiten nach sich. Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung leidet etwa an einer sogenannten nicht-alkoholischen Fettleber.

 

„Nicht die Fette machen fett, sondern Kohlenhydrate und vor allem Zucker.“

Die Gefahr bei der Fettleber: Sie tut nicht weh. Man selber merkt es nicht direkt. Doch eine Fettleber ist der häufigste Grund für chronische Müdigkeit. Merke also: Müdigkeit ist der Schmerz der Leber. Außerdem kann eine Fettleber ihre Hauptaufgabe, nämlich die Entgiftung, schlechter bewältigen. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt, ebenso wie das Risiko, an Darm- oder Leberkrebs zu erkranken. Langfristig kann sich die reversible Fettleber auch in eine irreversible Leberzirrhose umwandeln.

Angesichts dieses immensen Anstiegs fordern Mediziner Politik und Industrie zum Handeln auf. Gefragt sind keine neuen Medikamente, sondern eine Verhaltensänderung. Die Ärzte wissen: Das Problem ist medizinisch nicht zu lösen. Doch selbst wenn Politik und Nahrungsmittelindustrie gegensteuern – wissen Sie was sich dadurch ändern wird? Gar nichts! Ich bin überzeugt: Hier funktioniert nur Eigeninitiative.

 

Zuckersüße Äpfel

Nicht die Fette machen fett, sondern Kohlenhydrate und vor allem Zucker – auch in vermeintlich gesunden Lebensmitteln wie Obst. In den USA ist gerade eine neue Apfelzüchtung geglückt, die doppelt so süß schmeckt wie andere Äpfel. Gewöhnt sich der Gaumen aber erst einmal an das Süße, schmecken die gesünderen – weniger süßen – Nahrungsmittel nicht mehr.

Das fängt schon bei Kindern an. Sie haben eine vierfach höhere Süßschwelle im Vergleich zu Erwachsenen. Das bedeutet: Erst bei der vierfachen Zuckerdosis empfindet ein kindlicher Gaumen einen Geschmack als süß. Je früher Kinder in die Zuckerfalle tappen, desto öfter wird gesundes Essen verweigert.

Während ich diese Zeilen schreibe, befinde ich mich auf der wunderschönen Insel Oahu, Hawaii. Auf diesen Inseln wie auch im benachbarten Polynesien wohnen die meisten dicken Menschen der Welt. Der Grund: Völker, die sich Jahrtausende lang von Meeresfrüchten, Gemüse und Obst ernährt haben, werden plötzlich mit komplexen Kohlenhydraten und viel Zucker konfrontiert.

Nur: Kohlenhydrate, die nicht sofort als Energie verbraucht werden, speichert der Körper als Fett – auch in der Leber. Mein Tipp: Gewöhnen Sie sich (und Ihren Kindern) den Zucker ab. Schon nach kurzer Zeit wird sich Ihr Geschmack umstellen.

 

Der Autor:

 

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt und Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.