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1998 wurde der Nobelpreis für Medizin für die Erforschung der wichtigen Aminosäure L-Arginin verliehen. In unserem Körper zerfällt Arginin in Stickoxid (NO), welches viele positive Wirkungen entfaltet – zum Beispiel als natürlicher Blutdrucksenker.

Arginin beziehungsweise NO dringt in die Gefäßwand ein, senkt den Blutdruck und verbessert die Durchblutung. Das macht sich auch die Pharmaindustrie zunutze: Der stärkste Blutdrucksenker ist das Nitrospray, das jeder Herzkranke in der Hosentasche mit sich trägt. Wenn ein

Engegefühl im Brustkorb entsteht – meist verursacht durch eine schlechte Durchblutung der Herzkranzgefäße –, helfen zwei oder drei Hübe Nitrospray unter die Zunge schnell und effektiv, die Herzgefäße zu weiten, den Blutdruck zu senken und so die Sauerstoffversorgung des Herzens zu verbessern. Ahnen Sie, woraus das Nitrospray besteht? Aus Stickoxid. Arginin wäre die natürliche Variante.

Durchblutung, Gehirnleistung, Libido

Die Aminosäure ist wichtig für die optimale Durchblutung des ganzen Körpers, nicht nur des Herzens. Auch die Sauerstoffversorgung des Gehirns wird optimiert und die Gehirnleistung wird verbessert. Ebenso werden die Beckengefäße geweitet. Besonders profitieren hier Männer mit der sogenannten erektilen Dysfunktion, sprich mit Erektionsstörungen. Aber auch Frauen verhilft Arginin über eine verstärkte Beckendurchblutung zu erhöhter Libido.

 Zur Person

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.

Arginin weitet aber nicht nur die Blutgefäße, es repariert sie auch. Die Blutgefäße sind mit einer extrem feinen, spiegelglatten Gefäßinnenhaut ausgekleidet, dem sogenannten Endothel. Ist das Endothel intakt, können sich keine Blutfette an der inneren Gefäßwand ablagern, da diese am unversehrten Endothel einfach keinen Halt finden. Das Endothel hat aber Feinde: Erhöhter Blutdruck führt über Scherkräfte zu Verletzungen des Endothels. Erhöhte Harnsäure kann nicht nur die äußerst schmerzhafte Gichtzehe verursachen. Viel gefährlicher ist der unbemerkte „Sandstrahleffekt“ der Harnsäurekristalle in den Blutgefäßen, wobei die scharfkantigen Kristalle das sensible Endothel aufrauen. Bildlich gesprochen: der Spiegel wird stumpf. Jeder Maler weiß, er muss erst den Untergrund behandeln, damit die neue Farbe hält. Genauso ist es in den Blutgefäßen: Nur am verletzten Endothel können Blutfette andocken und zu der gefährlichen Plaquebildung führen.

Wichtig für die Selbstheilung

Und genau das verhindert Arginin. Gemeinsam mit einer anderen Aminosäure (Threonin) repariert Arginin Schäden an der Gefäßwand. Darum wird Arginin auch das „Penicillin des Endothels“ genannt. Wenn ich bei einem Patienten einen Mangel bei diesen beiden Aminosäuren messe, dann weiß ich sofort, dass seine Selbstheilungskräfte gegen Arteriosklerose erschöpft sind. Folglich erhält er dann diese beiden natürlichen Aminosäuren als Gefäßschutz auf Rezept.

Und last but not least ist bewiesen, dass Arginin das gefährliche Stresshormon Cortisol abbaut. Dessen Konzentration ist in der heutigen Zeit bei vielen Menschen erhöht und kann durch ausreichende Dosen an Arginin abgebaut werden.

Vor allem Eiweiß liefert Arginin

Natürliche Argininquellen sind alle Eiweißspender wie Hühnerbrustfilet, Lachs, Thunfisch, Eier, Erbsen, Nüsse (besonders Erd-, Wal-, Hasel- und Cashewnüsse). Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann Arginin auch über Kapseln zuführen. Zwischen 3.000 und 5.000 Milligramm täglich ist die empfohlene Dosierung, um einen erhöhten Blutdruck zu senken, der Arteriosklerose vorzubeugen, eine erektile Dysfunktion zu beheben und Stresshormone abzubauen.