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Creditreform

Cholesterin ist ein unverzichtbarer Bestandteil aller Zellmembranen. Es bildet das Grundgerüst zur Bildung der Gallensäuren sowie mehrerer Hormone, wie Cortisol, Östrogen und Testosteron. Auch Vitamin D wird aus dem Grundgerüst Cholesterin gebildet. Ohne Cholesterin geht’s also nicht. Nur eine Überdosis kann – sie muss nicht – zur Gefäßverkalkung führen.

Als oberer Grenzwert gilt allgemein der Normwert bis 200 Milligramm pro Deziliter (bis fünf Millimol pro Liter). Wie fast schon allgemein bekannt, muss man aber zwischen dem „guten“ HDL- (Eselsbrücke: „Hab Dich Lieb.“) und dem „schlechten“ LDL-Cholesterin unterscheiden. Wichtiger noch als das Gesamtcholesterin ist der Quotient aus Gesamt-Cholesterin geteilt durch HDL-Cholesterin: je niedriger dieser Wert, desto besser. Werte über fünf gelten als bedenklich. Nicht dass man gleich tot umfallen würde. Langfristig ist das Risiko für Gefäßverkalkung mit den Folgekrankheiten Herzinfarkt, Schlaganfall und allmähliche Verblödung aber signifikant erhöht. Liegt der Quotient dagegen bei zwei, dann wird man wohl nicht an der Volkskrankheit Arteriosklerose sterben und muss sich etwas anderes aussuchen.

Zur Person
Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.

Individuelle Grenzwerte beachten

Das meiste Cholesterin produziert der Körper selbst. Daher gibt es enorme individuelle Unterschiede. In manchen Familien kommt es auch zu einer genetisch bedingten erhöhten Cholesterinbildung. Andere Individuen nehmen mehr Cholesterin mit zu fetter Nahrung auf. Um das zu differenzieren, muss man immer auch die Triglyceride, das sind die nahrungsabhängigen Fette, mit bestimmen. Sind sie erhöht (über 100 Milligramm pro Deziliter), liegt meist ein Diätfehler vor. Wird dieser korrigiert, sinkt meist auch das Cholesterin. Bei niedrigen Triglyceriden bringen Diäten nichts, um ein erhöhtes Cholesterin zu senken. Da hilft nur Bewegung. Moderates aerobes Ausdauertraining bewirkt, dass die Muskeln Fett statt Zucker verbrennen – und das rund um die Uhr, selbst wenn man im Bett liegt und schläft.

Trick für Bewegungsmuffel

Es gibt noch einen Trick, um die ständige Fettverbrennung anzukurbeln: Kohlenhydrate reduzieren oder möglichst ganz weglassen. Wer mit jeder Mahlzeit auch Kohlenhydrate zuführt, verursacht dadurch die regelmäßige Ausschüttung des Masthormons Insulin. Dieses sorgt dafür, dass immer erst der Zucker aus dem Kohlenhydrat verbrannt wird. Wenn der Zucker dann weg ist, kommt zwangsläufig ein neues Hungergefühl auf. Ohne Kohlenhydrate und Insulinfalle verspürt man dagegen sehr viel weniger Hunger und unterstützt dabei ganz nebenbei die Fettverbrennung. Merke: Mit Insulin im Blut lässt sich kein Fett verbrennen.

Ballaststoffe reduzieren ebenfalls das Cholesterin, und zwar über einen Umweg. Flohsamen (Indischer Hanf, den gibt es im Reformhaus) quillt im Darm um das 20-Fache auf und bindet dadurch viele Gallensäuren, die dem Körper so entzogen werden. Dann muss die Leber neue Gallensäuren produzieren, wobei freies Cholesterin aus dem Blut verbraucht wird. Leider verordnen viele Ärzte bei erhöhtem Cholesterin reflexartig Blutfettsenker, die außer vielen Nebenwirkungen praktisch keine Wirkung haben. Kosmetisch sinkt zwar der Cholesterinspiegel im Blut – nicht aber das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Fünf Milliarden Euro geben wir allein in Deutschland für diese sinnlosen, aber gefährlichen Medikamente aus.