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Wie sich mit einer natürlichen Substanz Krankheiten verhindern oder sogar heilen lassen – und wie sich so ganz nebenbei das Energieniveau verdoppelt.

Im Falklandkrieg erhielten die Piloten vor ihrer Mission größere Dosen der natürlichen Aminosäure Tyrosin verabreicht, da dieser Eiweißbaustein den Geist hellwach macht, Müdigkeit verhindert, Stressresistenz fördert und Entscheidungsprozesse beschleunigt. Schon im Zweiten Weltkrieg experimentierte die Kriegsmedizin mit „Fliegerschokolade“.

Doch damals bekamen die Piloten ohne ihr Wissen mit Amphetaminen, also künstlichen Aufputschmitteln, versetzte Schokolade für die Nachtflüge. Und hier gab es, wie bei Drogen üblich, reichlich Nebenwirkungen – ebenso einen signifikanten Anstieg der Selbstmordrate unter den Piloten, als der Krieg vorbei war. Denn ohne die gewohnte „Schokolade“ verfielen die Soldaten in Depressionen. Das ist bei jeder Droge so: Auf künstlich erzeugte Hochstimmung folgt das Tief.

Anders beim Tyrosin: Aus diesem Eiweißbaustein entstehen in unserem Gehirn das Antriebshormon Dopamin sowie das Noradrenalin, welches uns wach und unternehmungslustig macht. Insgesamt versetzt uns Tyrosin in einen freudigen Spannungszustand. Die Dosis dieser Hormone, die unser Gehirn produzieren kann, hängt dabei von der Menge der Ausgangssubstanz Tyrosin ab. Und noch eine wichtige Aufgabe wird erfüllt: Zusammen mit Jod wird aus Tyrosin in unserer Schilddrüse das Schilddrüsenhormon Thyroxin.

Es gilt als das einfachste Hormon im ganzen Körper, das nur aus diesen beiden Zutaten Tyrosin und Jod besteht. Besteht ein Mangel an einer dieser beiden Zutaten, kommt es zwangsläufig zur Schilddrüsenunterfunktion. Dann verordnet der Arzt reflexartig Thyroxin als Tablette – immerhin die am meisten verschriebene Tablette in Deutschland überhaupt. Bei meinen Patienten messe ich bei einer Unterfunktion immer erst einmal nach, ob nicht ein Mangel an Jod oder Tyrosin vorliegt. Denn wenn man die häufig bestehenden unerkannten Defizite behebt, kann man auf das künstliche Hormon verzichten.

Zur Person
Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.

Tyrosin stimuliert also unseren Wachzustand, erhöht unsere Leistung, vertreibt Depressionen, stellt Energie zur Verfügung und stimuliert gemeinsam mit Jod unseren Stoffwechsel. Sogar bei Parkinson vermindert Tyrosin die typischen Symptome des Dopaminmangels. Allerdings muss man sich hier trauen, das Tyrosin ausreichend hoch zu substituieren. Tyrosin ist kein Medikament, kann also frei verkauft werden, im Gegensatz zu den Parkinsonmitteln. Bei meinen Patienten konnte ich schon mehrfach das Medikament gegen fünf bis acht Gramm Tyrosin austauschen.

Prinzipiell finden wir Tyrosin in eiweißreichen Lebensmitteln wie Sojabohnen, Hähnchenbrust, Lachs oder Kürbiskernen. In besonderen Stressphasen könnte man Tyrosin auch als Kapsel zusätzlich einnehmen. Mit weniger als drei Gramm täglich wird man aber kaum eine Wirkung verspüren. Der Eiweißbaustein Tyrosin liefert wieder einmal ein Beispiel dafür, wie man mit natürlichen Substanzen Krankheiten verhindert oder sogar heilt – und so ganz nebenbei sein Energieniveau verdoppeln kann.