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Wie künstliche Aromen unseren Geschmackssinn täuschen – und worauf wir bei unserer Ernährung daher achten sollten.

Ahnen Sie, warum die Fertiggerichte immer gleich schmecken – während Ihre selbst zubereiteten Speisen geschmacklich immer wieder etwas variieren? Der Grund: Sie nutzen echte Gewürze, dadurch changiert der Geschmack.

Bei industriellen geschmacksbefreiten Fertiggerichten hingegen kommt stets die gleiche Geschmackssoße mit künstlichen Aromen auf das Essen. Da macht die Industrie sogar beim Kinderbrei nicht halt. Auch viele der gängigen Teesorten – insbesondere die Teebeutel – bestehen aus künstlichen Geschmacks- und Farbstoffen. Selbst Milchprodukte lassen sich perfekt mit Holzspänen „veredeln“, damit der Joghurt nach Erdbeere schmeckt. Auf der Packung stehen dann „natürliche Aromen“, da Sägespäne ja etwas Natürliches sind. Auch die Tabakindustrie arbeitet mit „Aromasoßen“, damit der Tabak der speziellen Marke immer gleich schmeckt. Ganz nebenbei kann man dann noch Substanzen beifügen, die das Suchtpotenzial erhöhen.

Nur bei natürlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch ist der Einsatz von künstlichen Aromen verboten. Bei verarbeiteten Nahrungsmitteln aber ist er erlaubt. Tiefkühlgemüse, Fertiggerichte, Pizza, Lasagne, Milchprodukte, Süßwaren, Pudding, Speiseeis, Backwaren, Müsli, Soßen, Ketchup, Wein, Kaffee und Softdrinks sind belastet mit künstlichen Aromen. Diese sind verlockend billig. 100 Kilogramm Joghurt nach Erdbeere schmecken zu lassen, kostet die Industrie gerade einmal sechs Cent. Gesund sind diese Stoffe sicher nicht. 15 Substanzen sind mittlerweile als krebserregend eingestuft und verboten.

Zur Person
Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.

In Deutschland werden jährlich 15.000 Tonnen Aromen eingesetzt, die den Geschmack von 15 Millionen Tonnen Nahrungsmitteln verändern. In der Natur hat es einen Sinn, dass wir durch die Gerüche und Aromen unsere Nahrung selektieren und etwa Verdorbenes nicht essen. Mit künstlichen Aromen kann man uns aber auch Gammelfleisch und Pferdelasagne schmackhaft machen. Die natürlichen Sensoren sind ausgeschaltet.

Künstliche Aromen machen süchtig

Je früher man sich vom natürlichen Geschmack entfernt, desto leichter hat es die Lebensmittelindustrie, ihre Fertigprodukte zu verkaufen. Vielen Menschen schmecken dann die natürlichen Aromen nicht mehr – sie greifen immer wieder zur industriellen Fertignahrung. Von 25 getesteten Babygläschen waren nur vier Bio-Gläschen frei von künstlichen Aromen. Dabei ist es besonders für Kinder wichtig, ihren Sinn für den natürlichen Geschmack der Lebensmittel zu entwickeln. Denn je früher der Geschmackssinn irregeleitet und geprägt wird, desto leichter greifen die Kinder auch später zur Industrienahrung. Kinder, die beispielsweise an den künstlichen Erdbeer-Geschmacksstoff im Joghurt gewöhnt sind, lehnen dann die natürliche Variante mit echten Erdbeeren kategorisch ab. Ganz nebenbei sind die künstlichen Aromen eine Ursache für das Übergewicht, da sie den Appetit fördern.

Geschmacksverstärker, gentechnisch veränderte Stoffe bei der Produktion der Aromen und chemische Trägersubstanzen müssen nicht einmal deklariert werden. Und wenn Sie auf der Packung lesen „natürliche Aromen“, so ist das beileibe noch kein Ritterschlag für die Qualität des Produkts. Denn bei diesen natürlichen Substanzen kann es sich um das oben schon erwähnte Sägemehl handeln oder um von Bakterien erzeugte Geschmacksaromen, die zufällig genauso wie Erdbeere, Himbeere oder Zitrone schmecken. Darum sollten Sie immer genau studieren, was auf der Packung steht. Und merken Sie sich bitte die Ernährungsmaxime, die ich auch meinen Patienten immer mit auf den Weg gebe: „Essen Sie nichts, wofür geworben wird: Gesundes Essen braucht keine Werbung.“