Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

© Julian Rentzsch

Waren Sie schon einmal im Flow? In diesem seltenen Moment, in dem wir völlig vertieft sind in eine Tätigkeit, wir ganz von selbst Höchstleistung erbringen und dabei auch noch glücklich sind? Um in den Flow zu gelangen, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein.

Der geheimnisvolle Zustand des „Flow“ wurde zuerst beschrieben von dem ungarisch-amerikanischen Psychologen und Glücksforscher mit dem unaussprechlichen Namen Mihály Csíkszentmihályi.

Flow leitet sich ab vom Englischen „fließen, rinnen, strömen“ – und bezeichnet die seltenen Glücksmomente, in denen Denken und Handeln verschmelzen. In denen man eins wird mit der Tätigkeit, in völliger Vertiefung, Konzentration und Absorption seines Schaffens.

Alles andere ist ausgeblendet. Kurz: Flow ist, wenn es „flutscht“. Wenn Höchstleistung erbracht wird wie von allein, ohne es selbst zu merken.

Von Beethoven wird berichtet, dass er nach einem kreativen Arbeitsrausch wie aus einer Trance erwachte, und plötzlich lag das fertige Klavierkonzert vor ihm. Im Nachhinein konnte er gar nicht sagen, wie lange er absorbiert war von seiner Tätigkeit.

Zeit und Raum waren ausgeblendet, er war eins mit seiner Arbeit. Stellen Sie sich einmal vor, zu was Sie alles fähig wären, würden Sie Ihre tägliche Arbeit im Flow verrichten.

 

So gelangen Sie in den Flow

Flow benötigt drei Grundvoraussetzungen. Erstens darf Ihr Körper nicht zwicken und zwacken, Sie nicht durch seine spürbare Präsenz ablenken. Wer seinen Körper mindestens 30 Minuten täglich seiner ursprünglichen Bestimmung – nämlich der Bewegung – zuführt, wird auch später am Schreibtisch unter weniger Zipperlein leiden.

Diese entstehen nämlich meistens dadurch, dass man seinen dynamisch konzipierten Körper statisch missbraucht. Schließlich heißt es ja „Bewegungsapparat“ und nicht „Sitzapparat“. Leichtes Ausdauertraining wie Joggen, Nordic Walken, Radfahren oder Schwimmen wären ideal.

Zweitens sollte man in der Lage sein, sich konzentrieren zu können, sich auf einen Gedanken länger zu fokussieren. Für Menschen, die eine anspruchsvolle Berufsausbildung genossen oder ein Studium absolviert haben, sollte das kein Problem darstellen. Menschen, die regelmäßig Yoga ausüben oder meditieren, tun sich ebenfalls leicht.

Drittens brauchen wir einen Auslöser für den Flow. Das wäre jede Form der Herausforderung oder Anstrengung – und die wird in Ihrem täglichen Leben sicherlich nicht zu knapp vorhanden sein.

 

Wie Leistungssportler Höchstleistungen erbringen

Sportler berichten häufig über ein Flow-Erlebnis, regelmäßig dann, wenn sie Höchstleistungen vollbracht haben. Deren Körper spielt in aller Regel mit, denn der ist fit und trainiert. Der Flow-Auslöser kommt dann über die Anstrengung.

Natürlich ist ein 100-Meter-Lauf zu kurz für ein Flow-Erlebnis. Je länger die Distanz, desto wahrscheinlicher wird der Flow. Wenn der Geist gar nicht mehr bemerkt, wie die Beine fleißig die Strecke abspulen.

Wussten Sie eigentlich, dass – neben den Sportlern – auch Kinder wahre Experten sind für den Flow? Wenn Sie sehen wollen, was diesen Zustand ausmacht, sollten Sie sie beim Spielen beobachten.

Kinder sind oft völlig absorbiert und gehen vollends auf in ihrer Tätigkeit. Das bedeutet: Sie spielen nicht Lokomotivführer – sie sind Lokomotivführer.

Zum Autor

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.