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Die wissenschaftliche Medizin basiert auf fundamentalen Erkenntnissen, die evidenzbasierte Schulmedizin auf bisweilen zweifelhaften Studien. Gedanken zu unserem Gesundheitssystem.

 

Wäre ich Gesundheitsminister, würde ich eine klare Trennlinie ziehen: Die in meinen Augen wirklich wissenschaftliche Medizin basiert auf Lehrbuchwissen und fundamentalen Erkenntnissen, deren Relevanz etwa  durch einen Nobelpreis untermauert wurde.

Die evidenzbasierte Schulmedizin stützt sich dagegen auf „Studien“. Leider gebe es, wie der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, beklagt, praktisch keine pharma-unabhängigen Studien. Sprich: Die Pharmaindustrie beweist die Wirksamkeit der eigenen Medikamente. Da hat die Wissenschaft kaum eine Chance.

 

Arginin hat keine Lobby

1998 wurde der Nobelpreis für Medizin für die Erkenntnis verliehen, dass die natürliche Aminosäure Arginin eine stark blutdrucksenkende Wirkung besitzt. Dieses Wissen wird aber bis heute nicht in der Schulmedizin eingesetzt. Den natürlichen Stoff Arginin kann kein Konzern für sich patentieren lassen – und aus genau diesem Grund existiert keine einzige Studie dazu.

Der Nobelpreis an sich würde jede Studie überflüssig machen. Doch der Einsatz am Patienten wird verweigert, mit dem Argument, dass doppelblinde, randomisierte, placebo-kontrollierte Studien fehlen würden. Stattdessen werden weiter chemische, nebenwirkungsbehaftete Stoffe wie Beta­blocker eingesetzt – weil für sie etliche Studien existieren.

Für Blutfettsenker (Statine) werden in Deutschland jährlich fünf Milliarden Euro ausgegeben, obwohl die unabhängige American Medical Association festgestellt hat, dass B-Vitamine eine bessere blutfettsenkende Wirkung erzielen. Zudem sollte die Gewinnspanne auf Medikamente reguliert werden.

„Besonders wichtig wäre es, das gesprochene Wort, Zuwendung und Empathie besser zu honorieren.“

Dr. Michal Spitzbart

Was nützt wem?

In meinen Augen ist es unethisch, dass die Chemotherapie in der Herstellung im Schnitt fünf Euro, im Verkauf aber 900 Euro kostet – und das bei nur sehr begrenzter Wirkung. Denn 95 Prozent der Patienten leben fünf Jahre nach der Chemo nicht mehr.

In Anstellungsverträgen von Chefärzten dürfte es mit mir als Gesundheitsminister keine Klauseln mehr geben, die sie zu möglichst vielen Operationen verpflichten. Leider hat sich die Anzahl der OPs in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Mitunter nicht zum Wohle der Patienten, sondern zum Nutzen der Kliniken.

Und ganz besonders wichtig wäre es, das gesprochene Wort, Zuwendung und Empathie besser zu honorieren, anstatt die Apparatemedizin weiter zu fördern. Denn dem Patienten hilft der Arzt, der Zeit für Gespräche hat, oft besser als eine Dosis Röntgenstrahlen.