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Creditreform

© Chris Liverani/Unsplash

Das Ende der Corona-Pandemie scheint in Sicht. Zumindest in den Staaten, in denen die Impfkampagnen nun Wirkung zeigen – und die Delta-Variante beherrschbar bleibt. Davon profitieren zyklische Unternehmen und Anleger, die in die richtigen Werte investieren.

 

Die Impfkampagne hat Fahrt aufgenommen. Anfang Juli sollen bereits 75 Prozent der Erwachsenen in Deutschland mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft sein – das entspricht mehr als 52 Millionen Menschen. Weltweit waren Ende Juni rund 1,5 Milliarden Menschen geimpft. Vorreiter sind die USA, England und Großbritannien.

Mit den Impfungen steigt die Hoffnung auf eine Rückkehr zu normalen Lebensverhältnissen. Das sorgt für Fantasie an den Aktienmärkten: „Die Wiederöffnung der Wirtschaft wird seit Entwicklung der Impfstoffe im November 2020 sukzessive in den Markt eingepreist“, sagt David Wehner, Portfoliostratege bei Do Investment.

 

Aktien: Mutige Anleger investieren in Reisen

Nutznießer dieser Entwicklung waren an der Börse bislang vor allem Industrieunternehmen, der Rohstoffsektor und die Automobilindustrie. „Die Branchen Touristik, Luftfahrt, Events, Hotel und Brauereien konnten ebenfalls profitieren, allerdings befinden sich viele Unternehmen weiterhin unterhalb ihrer Bewertungen vor der Corona-Pandemie“, fügt Wehner hinzu.

Die Sehnsucht der Menschen nach realen Begegnungen und nach Reisen ist groß. All dies wird in Deutschland und anderen westlichen Industrieländern wieder möglich. Darauf hofft die Reiseindustrie.

Der Reisekonzern TUI trennte sich zur Sanierung seiner Bilanz von 21 Hotels. Gleichzeitig baut TUI seine digitale Reiseplattform aus. Mit einem buchungsstarken Sommergeschäft dürfte das die Aktie stark beleben. Analysten rechnen damit, dass TUI im Jahr 2022 in die Gewinnzone zurückkehren wird. Mutige Anleger können sich schon jetzt positionieren.

 

Kreuzfahrtbranche vor Comeback

Ebenso bei Anbietern von Kreuzfahrten. Vor der Pandemie war die Branche auf Wachstumskurs. Der US-Marktführer Carnival steht in den Startlöchern. Die Buchungen für 2022 liegen auf Rekordniveau. Nun dürfen die USA-Veranstalter wieder erste Probefahrten unternehmen. Vieles spricht dafür, dass die Kreuzfahrtbranche schon im Sommer ein Comeback feiert.

Vom Lockdown besonders stark betroffen ist die Kultur- und Unterhaltungsindustrie. Schrittweise sind nun Veranstaltungen mit Publikum wieder möglich.

Auf ein Comeback hofft CTS Eventim, ein weltweit tätiger Veranstalter. Der Umsatz brach 2020 von 1,4 Milliarden Euro um 82 Prozent auf 257 Millionen Euro ein. Das Unternehmen kam dennoch gut durch die Krise.

Möglich machten das ein konsequenter Sparkurs, Kurzarbeit, Zuschüsse zu den Fixkosten und Entschädigungen durch Versicherungen. Der operative Verlust lag 2020 nur bei drei Millionen Euro. „Wir sehen uns bestens positioniert, wenn die Bühnen öffnen und damit auch unser Geschäft“, sagt Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandschef von CTS Eventim. Das Unternehmen sollte stark von der Wiederöffnung profitieren.

 

Reisen: Langer Atem bei Aktien notwendig

Auch Anbieter von Mietwagen durchlebten eine harte Zeit. So auch das Unternehmen Sixt. Der Umsatz brach 2020 von 2,5 auf 1,5 Milliarden Euro ein. Sixt reagierte umgehend und verkleinerte die Fahrzeugflotte. Fahrzeuge sind nur sechs Monate im Unternehmen.

„Dies zeigt die Anpassungsfähigkeit unseres Geschäftsmodells, das wir je nach Nachfrage relativ schnell – in der Krise nach unten und in Zeiten konjunkturellen Wachstums nach oben – anpassen können“, sagt der Vorstandsvorsitzende Erich Sixt. Unterm Strich kam Sixt mit einem blauen Auge davon und konnte 2020 mit einem Minigewinn abschließen.

 

Estée Lauder baut digitalen Vertrieb aus

Zu den Gewinnern der Öffnung dürfte auch der New Yorker Kosmetikkonzern Estée Lauder Companies gehören. Weil das Unternehmen bislang stark auf den stationären Vertrieb setzte, traf die Pandemie die New Yorker hat. Immerhin erzielt das Unternehmen ein Viertel seines Gewinns in Flughafenshops. Entsprechend groß ist die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität.

Estée Lauder hat aber auch Konsequenzen aus der Pandemie gezogen und baut den digitalen Vertrieb stark aus, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Denn so sehr Reisen in Europa und den USA wieder möglich scheinen, eines steht ohnehin fest: Die Pandemie wird weltweit erst zu Ende sein, wenn auch Menschen in ärmeren Ländern einen Impfschutz gegen Corona erhalten haben. Und das wird nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO erst Ende 2022 der Fall sein.