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Volker Busch

Gesundheit ist Kopfsache, weiß Prof. Dr. Volker Busch. Er ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Professor an der Universität Regensburg. Als Arzt, Autor, Vortragsredner und Coach begleitet er Menschen auf dem Weg zu psychischer Gesundheit sowie zu Motivation und Inspiration für Beruf und Alltag. © Dr. Volker Busch

 

Oft bleibt es nicht bei einer Kränkung – im Innern braut sich etwas zusammen, das schnell in einem (erneuten) Konflikt enden kann. Was tun, um das Übel einer Kränkung aus der Welt zu räumen?

Kränkungen tun weh. Sie treten auf, wenn jemand durch eine Handlung oder einen Kommentar einen tief empfundenen Wert in uns verletzt. Wir empfinden sie als Herabwürdigung unserer Person.

Daher verfliegen die Emotionen auch nicht so schnell wie eine vorübergehende Traurigkeit oder ein kurzer Wutanfall. Manchmal gärt die Enttäuschung im Inneren. Im schlimmsten Fall reift sie zu einem alles verschlingenden Gefühl heran.

Auch wenn man äußerlich nichts sieht, schwelt der Konflikt innen weiter. Immanuel Kant sprach von einem „Feuer, das unter der Asche glimmt“.

Wenn Rache auf eine Kränkung folgt

Die negativen Gefühle werden immer stärker (Affektstau) und brechen sich irgendwann auf aggressive Weise Bahn (Affektumkehr). Es beginnt der verbitterte Kampf um Wiedergutmachung oder Rache.

Der Angriff Putins auf die Ukraine unterliegt möglicherweise einer ähnlichen Psychodynamik. Historiker sprechen von einem seit Jahren bestehenden Demütigungssyndrom, einer patriotischen Kränkung über den Verlust der territorialen, politischen und wirtschaftlichen Macht Russlands.

Die bittere Ironie daran ist: Der eigentliche psychische Konflikt wird durch die Gräueltaten nicht aufgelöst. Denn Hass erfüllt nicht, er entleert.

Es ist das traurige Finalstadium zahlreicher Amokläufer, die ihre Gewalttaten überlebten. Die Täter vernichten sich psychisch meist selbst.

 

Sofort handeln nach einer Kränkung

So traurig die aktuellen Umstände sind, so sehr können wir etwas aus ihnen lernen: Kränkungen lassen sich im Alltag zwar nicht immer vermeiden, sehr wohl aber der Gärungsprozess. Wichtig ist daher, bei einer hässlichen Auseinandersetzung sofort zu handeln!

Falls es in Ihrem Team zu einem schlimmen Streit kam und Sie das Gefühl haben, mitverantwortlich zu sein: Bitten Sie um Verzeihung.

Übernehmen Sie Verantwortung für den Teil, den Sie verbockt haben. Kaum etwas kann den Affektstau so wirksam lösen wie eine aufrichtige Entschuldigung.

Erklären Sie außerdem, warum Sie so reagiert haben und wovor Sie selbst vielleicht Angst hatten. Das Präsentieren der eigenen Achillesferse hat eine deeskalierende Funktion, weil es den anderen stärker erscheinen lässt.

Seien wir versöhnlich und permissiv im Umgang mit unseren Mitmenschen.

Machen Sie anschließend einen Lösungsvorschlag, bei dem beide ihr Gesicht wahren können. Das ist überaus effektiv, weil Sie sich mit dem Gekränkten solidarisieren und ihn aus seiner gefühlten Isolation holen.

Seien wir versöhnlich und permissiv im Umgang mit unseren Mitmenschen. Sie mit ihren Bedürfnissen anzunehmen, ist dabei genauso wichtig wie die Sensibilität, ihr Wertesystem nicht zu verletzen – auch wenn es nicht das unsere ist.