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Flexibel investierende Fonds können in Krisen ihre Stärken ausspielen. Die Strategien erfolgreicher Manager.

Wenn die Zeiten an den Kapitalmärkten unruhig sind, schlägt die Stunde von Mischfonds, auch Multi-Asset-Fonds genannt. Sie können flexibel in Aktien, Anleihen oder auch andere Anlageklassen wie Gold investieren – und sie sind bei deutschen Anlegern äußerst beliebt. Ihr Anteil am gesamten Fondsvolumen hat sich in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren auf 28 Prozent verdoppelt.

Doch Anleger müssen auch bei Mischfonds gründlich auswählen. Das zeigt eine Bilanz von flexibel weltweit investierenden Mischfonds.

Im Schnitt brachten diese Titel 2020 eine Rendite von 2,2 Prozent und auf Sicht von drei Jahren ein Plus von 1,9 Prozent per annum. Das mag zwar in Zeiten von Corona als eine ordentliche Rendite erscheinen, aber erstklassige Fonds brachten deutlich bessere Erträge.

„Es gibt zahlreiche Fondsmanager, die starr an ihrer Allokation festhalten. Aktive Multi-Asset-Fonds erzielen höhere Renditen als ihre starren Mitbewerber“, sagt Thomas Romig, Head of Multi Asset Portfolio Management bei Assenagon.

 

Wie groß ist die Aktienquote?

Das Spektrum an Mischfonds ist immens: So liegt bei defensiven Varianten die Aktienquote bei 30 Prozent, ausgewogene Fonds gewichten Aktien und Renten gleich, während bei dynamisch gemanagten Fonds die Aktienquote meist bei 70 Prozent liegt. Da­gegen sind die Manager flexibel investierender Mischfonds frei in ihren Entscheidungen, Anlageklassen zu wählen und diese auch unterschiedlich zu gewichten.

Zu den Mischfonds mit kontinuierlicher und stabiler Outperformance gegenüber Vergleichsindex und vergleichbaren Fonds zählt der Flossbach von Storch – Multiple Opportunities. Er ist einer der meistverkauften Mischfonds in Deutschland, kam im vergangenen Jahr auf einen Zuwachs von 4,0 Prozent und auf Sicht von drei Jahren auf ein Plus von 5,7 Prozent per annum.

Fondsmanager Bert Flossbach setzt auf Qualitätsaktien von Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und kontinuierlichem Wachstum. Ein typisches Beispiel dafür ist Nestlé, ein Unternehmen, das auch in schwierigen Zeiten mit seinen Produkten erfolgreich ist.

Das gilt auch für Unilever oder Reckitt Benckiser. Zusätzlich sichert der Fonds Vermögen mit einer „recht hohen Goldgewichtung gegen bekannte und unbekannte Risiken des Finanzsystems ab“, sagt Flossbach.

Mit der Aussicht auf die Impfung gegen das Coronavirus stiegen die Aktienkurse ab November. Plötzlich waren wieder zyklische Werte gefragt, die im Frühjahr an den Börsen besonders stark an Wert verloren hatten.

„Unsere Portfolios konnten in dieser Phase weniger profitieren, weil wir unserer Anlagestrategie treu blieben und auf Qualität setzten“, erklärt Flossbach. Auch 2021 liegt der Fokus auf ertragsstarken Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen und soliden Bilanzen.

Mischfonds mit Fokus auf Zukunftsbranchen

Einen anderen Ansatz verfolgt der Mischfonds Multi-Axxion-Concept, der 2020 mit einem Plus von 65,6 Prozent die höchste Rendite unter den flexibel investierenden Mischfonds erzielte, die die Fondsratingagentur Morningstar mit fünf Sternen bewertet. Aktuell ist der Fonds zu 77 Prozent in Aktien investiert.

Fondsmanager Ulrich Althoff bevorzugt Wachstumstitel aus Zukunftsbranchen und investiert konzentriert in 30 Einzelwerte. Damit hat der Fonds aber fast schon den Charakter eines Aktienfonds. Zu den größten Werten zählen etwa Plug Power, ein Hersteller von Brennstoffzellen, und das Biotechnologieunternehmen Twist Bioscience.

 

Multi-Asset-Fonds jenseits des Mainstreams

Weniger Risiken zeichnen dafür konservative Multi-Asset-Fonds, die die Aktienquote begrenzen. So wie zum Beispiel der Investmentfonds Assenagon Multi Asset Conservative. Thomas Romig ist ein aktiver Fondsmanager, der die Aktienquote im vergangenen Jahr stark verändert hat.

Im Zuge der Pandemie hat er sie im Februar 2020 auf zwölf Prozent gesenkt und anschließend im Laufe des Jahres wieder auf 40 Prozent angehoben. Die Performance lag 2020 bei knapp 13 Prozent und übertrifft damit einen Großteil der Konkurrenz.

„Aktives Fondsmanagement zahlt sich aus, wenn man Expertise hat“, erklärt Romig den Erfolg. Er investiert in 30 bis 40 Themen: „Wir sind häufig auf wenig befahrenen Nebenstraßen unterwegs, um zusätzliche Renditen zu erzielen.“

Romig nennt als Beispiel asiatische Infrastrukturprojekte oder skandinavische Hochzinsanleihen. Der Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen, kann sich an der Börse bezahlt machen.