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Creditreform

Die Konjunktur in Deutschland zeigte im letzten Quartal 2012 beim BIP mit minus 0,6 Prozent rezessive Tendenzen – doch im Januar 2013 ging es mit plus 0,7 Prozent bei der gesamtwirtschaftlichen Leistung wieder aufwärts. Aber trotz der guten Perspektiven, welche die Bundesregierung und die Forschungsinstitute für das aktuelle Jahr erwarten, bleiben die Risiken der Eurokrise im Blickfeld. Während die vorliegende Befragung durchgeführt wurde, kam es zum Eklat in Zypern, der allen auch in Deutschland vor Augen führte, was Bundesbankpräsident Weidmann auf den Punkt brachte: „Die Eurokrise ist in der Tat noch nicht vorbei. Ihre nachhaltige Überwindung wird auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Die Auswirkungen dieser Krise machen sich nicht nur in den Staaten Südeuropas bemerkbar, auch die Niederlande und Frankreich etwa schwächeln konjunkturell und sind damit als Abnehmer unserer Exportgüter und -dienstleistungen in den Hintergrund getreten. Die deutschen Ausfuhren gehen nun zwar stärker nach Übersee (Asien), aber kann sich auch der Mittelstand hierzulande in weit entfernte Abnehmerländer wagen? Seine Produkte finden ihre Kunden traditionell eher im Heimatland, wenn überhaupt partizipiert er eher als Dienstleister und Zulieferer für die Exportindustrie. Aber auch einheimische Abnehmer können ihm – sei es über den privaten Konsum, sei es im B2B mit Investitionsgütern – helfen, Deutschlands Konjunktur im Aufwärtstrend zu halten.

Dienstleister halten sich besser

Mit der Vergabe sehr guter und guter Noten ist Deutschlands Mittelstand gegenüber dem Vorjahr zurückhaltender geworden. Die Geschäftslage wird aktuell zwar immer noch von knapp über der Hälfte der Betriebe positiv bewertet, gegenüber 2012 ist allerdings eine Abnahme von 8,2 Prozentpunkten hinzunehmen. Da die negativen Aussagen etwa auf der Höhe des Vorjahres bleiben (3,3 zu 3,2 Prozent), findet sich die „Wählerwanderung“ bei den mittleren Aussagen zwischen „befriedigend-ausreichend“ wieder. 45,6 Prozent der KMU verteilen diese Noten, im Vorjahr waren es 37,7 Prozent. Da nur die eindeutig negativen und positiven Aussagen in den Saldo zur aktuellen Geschäftslage einfließen, zeigt dieser mit plus 47,1 Prozent gegenüber plus 55,4 Prozent im Frühjahr 2012 einen deutlichen Rückgang. Dennoch besteht kein Grund, diese Abschwächung mit Sorge zu betrachten, liegt der Saldowert doch an drittbester Stelle im Verlauf der letzten zehn Jahre. Nach dem Einschnitt des Krisenjahres 2009 mit einem Saldo von plus 19,2 Punkten, zeugt der Wert am Ausgang des Winters von einer insgesamt guten Stimmung des Mittelstandes.

Beim Stimmungsbarometer „Geschäftslage“ liegen die Anteile positiver Noten der einzelnen Branchen allerdings rund zehn Prozentpunkte auseinander. Während die Dienstleister zu 55,3 Prozent von einer sehr guten und guten Geschäftslage sprechen, sind es im Handel nur 45,0 Prozent. Dabei unterscheiden sich Groß- und Einzelhandel markant: Während im Großhandel 50,6 Prozent der Mittelständler von einer guten Geschäftslage überzeugt sind, kommen im Einzelhandel nur 36,4 Prozent zu diesem Votum. Eine gute bis sehr gute Geschäftslage melden im Verarbeitenden Gewerbe 47,3 Prozent und im Bau 50,6 Prozent des Mittelstandes.

Werte, die gegenüber dem Vorjahr deutlich schwächer ausfallen, als noch 60,2 Prozent der Betriebe bzw. 60,4 Prozent eine gute Geschäftslage ins Feld führten. Dabei liegt der Handel mit Handwerk und Industrie mit rund minus 12 Prozentpunkten auf gleichem Level, wenn es um Rückgänge positiver Bewertungen binnen Jahresfrist geht. Dagegen haben sich die Dienstleister mit einem Rückgang von 57,7 (2012) auf 55,3 Prozent (2013) noch am stabilsten gehalten.

Rückblick auf die Umsätze

Im Rückblick auf das vergangene halbe Jahr zeigt sich der Mittelstand angesichts seiner Umsatzsituation verschlechtert. Um 4,4 Prozentpunkte nahm die Zahl der Betriebe ab, die steigende Umsätze registriert hatten. Komplementär dazu legten die Betriebe, die von sinkenden Umsätzen zu berichten hatten, um 4,5 Prozentpunkte zu. Immerhin kann gut die Hälfte des Mittelstands (50,8 Prozent) die Umsätze auch angesichts gesamtwirtschaftlicher Schwäche stabil halten.

Steigende Umsätze haben in den letzten sechs Monaten 21,0 Prozent der Unternehmen geschafft, Abschwächungen ihrer Umsatzentwicklung erkannten 26,8 Prozent. Damit fällt der Umsatz per Saldo auf ein Minus von 5,8 Punkten. Bei diesem „roten Saldo“ ist jedoch anzumerken, dass in den letzten zehn Jahren nur zweimal, nämlich in den letzten beiden Jahren, ein Plus von 13,2 beziehungsweise 3,1 Punkten erreicht wurde. Das bedeutet für die Einordnung des aktuellen Saldos auch, dass der aktuelle Wert immer noch im langjährigen Vergleich relativ positiv erscheint. Das passt zum Mittelstand, der ja weniger von konjunkturellen Verwerfungen betroffen ist als Großunternehmen.

Bei der Branchenbetrachtung weist die Auftragslage den Weg. Nicht nur bei den Ordern, sondern auch bei den Umsätzen führen die Dienstleister das Feld der Wirtschaftsbereiche an. Sie können sich sogar in größerer Zahl als im Vorjahr an steigenden Umsätzen erfreuen – zu 27,5 Prozent haben sie gestiegene Umsätze vorzuweisen. Im Vorjahr machten diese positive Angabe nur 25,7 Prozent der Befragten, meist unternehmensnahe Dienstleister. Festzuhalten bleibt aber auch beim Tertiärsektor, dass die Verweise auf eine negative Umsatzentwicklung von 18,5 auf 19,3 Prozent leicht zugenommen haben.

Die anderen Wirtschaftsbereiche haben schwächere Umsätze aber noch stärker getroffen. So stieg deren Anteil im Handel von 24,3 auf 32,9 Prozent und im Verarbeitenden Gewerbe ähnlich stark von 20,3 auf 28,0 Prozent. Nur im Bau ist die Betroffenheit binnen Jahresfrist moderater gewachsen. Waren es 2012 30,8 Prozent, die unter sinkenden Umsätzen zu leiden hatten, so erreichen 2013 34,1 Prozent diesen Wert. Den Hinweis auf gestiegene Umsätze können – weit abgeschlagen von den Dienstleistern – der Handel zu 19,9 Prozent und das Verarbeitende Gewerbe zu 18,8 Prozent machen. Die flauesten Zahlen liefert der Bau zum Umsatz. Nur 11,1 Prozent des Baugewerbes erkennen noch eine Umsatzsteigerung – dem stehen ein Drittel der Betriebe gegenüber, die rückläufige Umsätze erwirtschafteten (34,1 Prozent). Zurückhaltend am Arbeitsmarkt

Für den Februar liegen die letzten aktuellen Zahlen zum Arbeitsmarkt vor. Die gute Nachricht: 41,4 Millionen Erwerbstätige sind in Deutschland zu zählen. Die etwas schlechtere lautet: Die Erwerbslosen haben ebenfalls zugenommen – um 50.000 auf gut 2,5 Millionen Personen. Tatsächlich hat der Mittelstand bei der Personalentwicklung mehr Zurückhaltung gezeigt. Von Aufstockungen berichten 19,9 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 23,2 Prozent. Dem stehen zu 16,9 Prozent KMU gegenüber, die sich von Personal trennten (Vorjahr: 11,1 Prozent). Weiterhin fast zwei Drittel der Betriebe hielten ihre Personaldecke unverändert. Nur leicht fällt die Abnahme von 65,7 auf 62,5 Prozent aus, die einmal mehr beweist, dass der Mittelstand an einmal geschaffenen Arbeitsplätzen festhält, aber auch nicht bereit ist, schnell neue zu schaffen.

Eine Gesetzesinitiative der Grünen will die 450-Euro-Grenze für Minijobs auf 100 Euro im Monat reduzieren. Angesichts von 6,8 Millionen Kleinverdienern, die dieses Privileg nutzen, wohl kaum umzusetzen. Und angesichts der aktuellen Zahlen aus dem Mittelstand wohl auch nicht nötig. Nur 4,9 Prozent der vom Mittelstand aktuell geschaffenen Arbeitsplätze fällt in diese Kategorie – seit 2006 die niedrigste Zahl. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die tendenziell steigende Anzahl von Vollzeitstellen, die zu 85,8 Prozent am Aufkommen neuer Stellen beteiligt sind. Auch die Teilzeitbeschäftigung fällt mit 9,2 Prozent Anteil geringer aus, was insgesamt für die Situation des Arbeitsmarktes ein positives Zeichen ist. Vielfach war ja kritisch angemerkt worden, dass sich das Beschäftigungswachstum zu stark aus „flexiblen“ Arbeitsverhältnissen speise.

Im Vergleich der Zahlen innerhalb der letzten Dekade zeigt die Kurve der Salden eine Form wie sie schon aus Umsätzen und Aufträgen bekannt ist. Vom Höhepunkt der Entwicklung vor zwei Jahren mit einem Saldo von 13,2 Punkten ist man schrittweise über 12,1 auf 3 Punkte abgestiegen. Dabei ist dieser Wert über der Nulllinie kein schlechter Wert, nur in der Hälfte der vergangenen zehn Jahre war er so positiv.

Frühlingserwachen bei Umsätzen

Zu einem knappen Drittel sprechen die mittelständischen Betriebe davon, dass ihre Umsätze steigen werden (35,6 Prozent). Das ist zwar weniger als im Vorjahr (37,6 Prozent), liegt aber deutlich über der Zahl derer, die aktuell tatsächlich Umsatzsteigerungen notieren (21,0 Prozent). Erfreulich auch, dass die Zahl der Pessimisten von 10,0 Prozent auf 8,5 Prozent abgenommen hat.

Die beiden Werte saldiert ergeben 27,1 Punkte, eine Zahl, die auf der Höhe des Vorjahreswertes liegt (27,6). Damit steht der gewerbliche Mittelstand beim drittbesten Wert der letzten zehn Jahre, wenn es um die Einschätzung seiner zukünftigen Umsätze geht.

Auffällig positiv zeigt sich der Handel bei den Umsatzerwartungen. Zu 42,5 Prozent ist die Branche optimistisch gestimmt. Dabei ragt der Großhandel mit 49,2 Prozent hervor, der Einzelhandel bringt es nur auf 32,2 Prozent. Auch die Dienstleister setzen auf steigende Umsätze, wenn sich auch der Zuwachs positiver Aussagen gegenüber dem Vorjahr nur wenig verbessert zeigt (2013: 37,3 Prozent; 2012: 36,6 Prozent). Abgenommen hat der Glaube an steigende Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe und im Bau.

Noch Platz für neue Mitarbeiter

Der Arbeitsmarkt in Deutschland bewährt sich inmitten der prekären europäischen Situation, wo die Länder teilweise tief zweistellige Erwerbslosenquoten zu erleiden haben. Nach Aussage der Mittelständler wird sich diese hierzulande fortsetzen. 24,4 Prozent der KMU wollen bis zum Sommer Mitarbeiter einstellen, vor einem Jahr äußerten sich nur 22,0 Prozent so offensiv. Und auch wenn die Zahl der Befragten, die sich in Zukunft zu Verkleinerungen ihrer Personaldecke veranlasst sehen, zugenommen hat (von 4,8 Prozent im Vorjahr auf 6,7 Prozent in diesem Jahr), so kommt doch ein noch etwas besserer Beschäftigungssaldo als vor einem Jahr zustande.

Die Perspektive für den mittelständisch geprägten Arbeitsmarkt erreicht den zweithöchsten Wert seit 2004 und liegt bei 17,7 Punkten. Das ist nur geringfügig unter dem Gipfel von 2011 mit 20,4 Punkten. Im Vergleich zu anderen Parametern lagen die Unternehmen hier nur in Krisenzeiten im negativen Bereich.

An erster Stelle steht bei den positiven Aussagen zum Personalaufbau der Dienstleistungssektor. 30,0 Prozent der Betriebe wollen neue Mitarbeiter aufnehmen, im Vorjahr nur 26,6 Prozent. An zweiter Stelle der optimistischen Aussagen zu den Personalplanungen steht der Bau, der zu 27,8 Prozent in Zukunft mit einer höheren Zahl von Personal zusammenarbeiten möchte. Deutlich vorsichtiger verhalten sich der Handel (18,2 Prozent) und das Verarbeitende Gewerbe (19,2 Prozent), wenn es um zukünftige Personalaufstockungen geht. Beide Wirtschaftsbereiche weisen einen ähnlichen, eher geringen positiven Saldo von rund 10 Punkten hinsichtlich Vergrößerungen und Verkleinerungen des geplanten Mitarbeiterstamms auf.

Investitionsschwäche beendet?

Die Aufstellung der Anlageinvestitionen für 2012 von Destatis nennt in jedem Vierteljahr ein Minus gegenüber dem Vorjahr. Der Mittelstand nennt einen Rückgang der Investitionsbereitschaft 2012 von fast 3 Prozentpunkten gegenüber 2011. Dabei gilt es, die Investitionsbereitschaft in der vorliegenden Darstellung im Kontext und als Gradmesser wirtschaftlicher Erwartungen zu sehen, die sich im Nachhinein zu bestätigen haben. Diese Bestätigung liefert der Investitionsboom nach der Krise, als ein Sprung von 44,3 Prozent (2010) auf 53,4 Prozent (2011) gelang. Danach kam die Investitionsbereitschaft wieder in ruhigeres Fahrwasser: Die genannten 50,6 Prozent (2012) und 50,4 Prozent (2013) liegen deutlich über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, der bei 47,5 Prozent Investitionsplanung steht. Die aktuelle Zahl von knapp über der Hälfte des Mittelstandes, die im nächsten halben Jahr Investitionen auf die Agenda setzt, fügt sich damit in die positiven Aussagen zu den Erwartungen bei Umsatz und Personal ein.

Dieses optimistische Bild rundet sich mit einem Blick auf die Investitionsarten ab. Ausrüstungs- und Erweiterungsinvestitionen haben binnen Jahresfrist von 50,6 auf 51,6 Prozent zugenommen, bloße Ersatzinvestitionen von 53,1 Prozent der Nennungen auf 46,4 Prozent abgenommen.

Während der Handel gegenüber 2012 mit 5,2 Prozentpunkten den stärksten Zuwachs von Investitionsbereitschaft signalisiert, gibt der Investitionswille beim Bau (49,3 auf 46,5 Prozent) und vor allem beim Verarbeitenden Gewerbe nach (von 62,4 auf 56,1 Prozent). Die Dienstleister haben einen Zuwachs der Investitionsbereitschaft von 50,9 auf 51,8 Prozent erreicht.