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Volker Busch

Gesundheit ist Kopfsache, weiß Prof. Dr. Volker Busch. Der 49-Jährige ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Professor an der Universität Regensburg. Als Arzt, Autor, Vortragsredner und Coach begleitet er Menschen auf dem Weg zu psychischer Gesundheit sowie zu Motivation und Inspiration für Beruf und Alltag. © Dr. Volker Busch

 

Mut wird gerne als Synonym für Kühnheit oder Tapferkeit verstanden und mit Heldentaten eines König Artus oder eines Winnetou assoziiert. In Wahrheit brauchen wir jedoch weder Muskeln, Pferde oder Silberbüchse, um mutig zu sein, glaubt unser Gesundheitskolumnist Dr. Volker Busch.

 

Mut präsentiert sich meist gar nicht so heroisch. Er ist viel öfter ein Prozess, der sich in uns selbst abspielt, und das ganz leise. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit unseren Ängsten. Machen wir uns klar, dass Ängste einen Nutzen haben und einen Sinn erfüllen: Sie helfen uns, Gefahren zu erkennen und unser Verhalten zu steuern.

Angst vor einer wirtschaftlichen Fehlentscheidung lässt uns gegebenenfalls noch mal die Fakten überprüfen oder Rat einholen. Angst vor einer Trennung lässt uns möglicherweise liebevoller mit dem Partner oder der Partnerin umgehen und macht uns kompromissbereit. Bei zu hoher Intensität können uns Ängste jedoch in Stress versetzen und zu Aversion, Flucht oder Rückzug führen. Übertriebene Ängste kennen weder Maß noch Mittel und schränken unsere Handlungsfreiheitsgrade drastisch ein.

 

Ängst zuzulassen, schwächt sie ab

Nutzen Sie die Signalwirkung von Ängsten, ohne sich durch ihre Intensität in die Defensive drängen zu lassen. Genau das können mutige Menschen besonders gut. Auch sie sind nicht frei von Ängsten, aber sie lassen sich nicht von ihnen in Ketten legen. Erich Kästner formulierte es einmal so: „Auch die stärksten Menschen schauen mal unters Bett.“

Nehmen Sie Ihre Ängste wahr, aber betrachten Sie sie kritisch: Was wollen sie Ihnen mitteilen? Was machen Sie daraus? Und wie können Sie trotzdem auf Ihrem Weg weiterkommen? Durch diesen inneren Dialog bewahren Sie die Kontrolle.

Signalwirkung wahrnehmen

Sprechen Sie auch in Teams oder Abteilungen über Ängste. Gefühle müssen erlaubt sein und sollten ein Ventil finden. Sie werden sehen: Allein durch die Tatsache, dass Sie miteinander über sie sprechen, schwächen Sie sie bereits ab. Plötzlich ist die Angst kein Hindernis mehr, sondern ein warnender Begleiter.

Nehmen Sie die Signalwirkung wahr, aber entwickeln Sie immer konsequent die nächsten Handlungsschritte. Studien zeigen, dass Ängste immer auch Handlungszentren im Gehirn aktivieren. Einfach ausgedrückt: Angst erzeugt ein unangenehmes Gefühl, aber sie versetzt uns auch in Aufbruchsstimmung!

Die viel bessere Ein-Wort-Defini­tion für Mut ist für mich deshalb Beherztheit. Der Begriff beschreibt die Bereitschaft, trotz Unsicherheit den Weg entschlossen fortzusetzen. Angst ist dabei nicht das Gegenteil von Mut, sondern dessen andere Hälfte.