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Creditreform

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Viele Anleger stellen sich die Frage, wie sie im Zinstief ihr Portfolio strukturieren sollen. Bislang gültige Regeln, das Geld zwischen Aktien und Anleihen aufzuteilen, müssen überdacht werden. Anleihen scheiden zunehmend als Renditequelle aus.

 

Mit dem Zinstief haben sich die Spielregeln für Geldanleger grundlegend geändert. Konnten sie im Jahr 2000 noch mit Bundesanleihen bei einer Laufzeit von zehn Jahren eine jährliche Rendite von sechs Prozent erzielen, verlieren sie mit diesen Papieren heute pro Jahr 0,4 Prozent.

Früher ging es um die Frage, ob Anleger mit den sechs Prozent zufrieden sind oder ob sie mit Aktien eine höhere Rendite erzielen – und dafür höhere Risiken in Kauf nehmen wollen. Wer Risiken vermeiden wollte, konnte mit der Rendite von sicheren Bundesanleihen gut leben.

„Wer heute eine Rendite oberhalb der Inflationsrate erzielen möchte, kommt an Aktien nicht vorbei.“

Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch

Doch diese Rechnung geht nicht mehr auf. Das Zinstief hat die Bewertung von Anleihen nach oben getrieben. Das günstige Geld hat auch die Nachfrage nach Immobilien in die Höhe schnellen lassen. Die Mietrendite von Immobilien in Spitzenlagen wie München liegt mittlerweile im Schnitt nur noch bei zwei Prozent.

Die Gewinnrendite von Aktien beträgt dagegen aktuell und im langfristigen Schnitt zwischen sechs und sieben Prozent. „Wer heute eine Rendite oberhalb der Inflationsrate erzielen möchte, kommt an Aktien nicht vorbei – die letzte Anlageklasse, die heute noch attraktive Erträge bietet“, sagt Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. „Nie war Geldanlage so einfach wie heute“, bringt er es auf den Punkt.

 

Unzufrieden? Dann ändern Sie was!

Dennoch entscheiden sich nur fünf Prozent der Anleger im Niedrigzinsumfeld für ertragsstärkere Anlagen, wie das Investmentbarometer von J.P. Morgan Asset Management zeigt. Dabei sind 67 Prozent hierzulande mit der Rendite ihrer Geldanlage unzufrieden.

Wer heute seine Aktienquote bestimmen möchte, kann sie anhand seiner Renditeerwartung berechnen. „Bei einem Renditeziel von drei Prozent pro Jahr für das gesamte Portfolio müssen Sie schon fast die Hälfte Ihres Vermögens in Aktien investieren“, erklärt Lehr.

Soll die Rendite höher ausfallen, muss auch der Aktienanteil weiter steigen. „Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell übernehmen dabei immer stärker die Rolle von Anleihen im Portfolio“, sagt Lehr. Ideal sind Konzerne, die kontinuierlich steigende Gewinne erwirtschaften, sich durch ein starkes Portfolio an Markenprodukten und ein stabiles Wachstum auszeichnen.

 

Geduld und gut schlafen

Muss jetzt jeder Anleger zum Aktionär werden? „Nicht unbedingt. Entscheidend ist die Fähigkeit, mit Schwankungen umgehen zu können. Und auch Zeit zu haben. Wer in Aktien investiert, sollte mindestens zehn Jahre mitbringen“, sagt Lehr.

In diesem Zeitraum ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, mit Aktien Geld zu verdienen, wenn Anleger das Geld breit gestreut investieren und nicht nur auf Einzelwerte und den Heimatmarkt setzen. Letztlich ist Geldanlegen aber auch eine Frage der Psychologie.

Wer Schwankungen nicht aushält oder aus Angst nicht schlafen kann, seine Ersparnisse zu verlieren, sollte trotz Null- und Minuszinsen nur einen kleinen Teil seines Vermögens in Aktien stecken.