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Der geneigte Leser weiß, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) meiner Meinung nach nicht gerade auf dem neuesten Stand der Wissenschaft ist. Im Gegenteil: Seit 40 Jahren wiederholen sich die immer gleichen Gebetsmühlen. Die Basis unserer Ernährung sollte zu 50 Prozent aus Kohlenhydraten bestehen. Und die Deutschen werden dicker und dicker, die Altersdiabetiker werden immer mehr und immer jünger. Demenz und Alzheimer nehmen zu.

Die amerikanische Mayo-Klinik denkt da anders. Deren Studien belegen: Kohlenhydratreiches Essen vergrößert das Risiko, an Demenz zu erkranken, um 89 Prozent. In die gleiche Kerbe schlägt Dr. David Perlmutter, der wohl führende Neurologe der USA und Autor des „New York Times“-Bestsellers „Grain Brain“ (Getreide-Gehirn). Seine Kernaussage: Ohne Kohlenhydrate sinkt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, gegen null. Aus einem andern Blickwinkel – aber mit ähnlicher Botschaft – beschreibt Dr. William Davis das Problem in seinem Buch „Die Weizen-Wampe“.

Besonders ungünstig sind die schnellen Kohlenhydrate, sprich: alles, was sofort süß schmeckt. Aber selbst Vollkornbrot und Müsli sind kaum besser. Denn unter dem Strich verwertet der Körper alle Kohlenhydrate als Zucker. Laut der umgedrehten Ernährungspyramide der Harvard-Universität sollten Kohlenhydrate nicht die Basis, sondern höchstens die schmale Spitze der Pyramide darstellen. Selbst süßes Obst sollte mit Vorsicht genossen werden. Essenziell für die Ernährung sind die Kohlenhydrate nämlich entgegen weit verbreiteter Meinung nicht. Lebensnotwendig sind nur drei Stoffgruppen: die wesentlichen Aminosäuren – sprich: Eiweiß – , die Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie die wichtigen Omega-3-Fettsäuren. Letztere finden Sie in guten Ölen, aber auch in fetten Seefischen. Kohlenhydrate sucht man bei den essenziellen Lebensmitteln vergeblich. Warum sollten sie dann die Basis für unsere täglichen Mahlzeiten bilden?

Für eine ausreichende Versorgung mit Vitalstoffen sorgt laut DGE die ausgewogene Ernährung. Da ich mir die Mühe mache, die Stoffgruppen bei meinen sehr gesundheitsbewussten und meist clever ernährten Patienten zu messen, weiß ich, dass diese Aussage schlichtweg falsch ist. Eine gute Versorgung weisen nur die Menschen auf, deren Basis der Ernährungspyramide aus Gemüse und weniger Obst besteht – aber auch nur dann, wenn das Gemüse hauptsächlich roh gegessen wird. Wir alle wissen, wie hitzelabil Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe sind. Wer weniger roh isst, muss mehr Vitamine zufüttern. Laut DGE ist das völlig überflüssig, ja sogar schädlich. Anders denkt da wiederum ein Amerikaner, der Biochemiker und Nobelpreisträger Prof. Bruce Ames. Er konnte beweisen, dass unter hohen Vitamin-C-Dosen sogar die aggressivsten Krebszellen keine Chance mehr haben. Freilich reichen da die uns in Deutschland empfohlenen Mengen nicht aus.

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.