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Volker Busch

© Gesundheit ist Kopfsache, weiß Prof. Dr. Volker Busch. Er ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Professor an der Universität Regensburg. Als Arzt, Autor, Vortragsredner und Coach begleitet er Menschen auf dem Weg zu psychischer Gesundheit sowie zu Motivation und Inspiration für Beruf und Alltag. © Dr. Volker Busch

 

Im Stress sehnen wir uns nach Stille. Aber nicht, weil es in unserem Leben akustisch zu laut ist, sondern fast immer zu voll. Was uns heute belastet, ist das Zuviel an Terminen, Aufgaben, Verpflichtungen einerseits und Gedanken, Ängsten, Sorgen andererseits.

 

Alles kreist lautstark durch den Schädel, wühlt uns auf, macht uns unruhig und lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Um negative Gedanken verstummen zu lassen, helfen jedoch keine Ohropax, denn der Lärm tönt von innen.

Was hilft, sind gelegentliche Momente der Stille. Der Begriff stammt vom Wort stellen ab und bedeutet, sich für einen kurzen Moment unbeweglich zu machen. Dann hören wir wieder unsere innere Stimme, die uns beratend zur Seite steht: Was ist wichtig und was nicht? Wie will ich es machen? Wonach ist mir gerade? Stille führt fast immer zu innerer Klarheit. Neuere Studien belegen, dass währenddessen in bestimmten Hirnregionen (Hippocampus) sogar neue Nervenzellen entstehen. Dieses Wachstum stoppt jedoch augenblicklich, wenn es hektisch und laut zugeht.

Versuchen Sie deshalb, jeden Tag für ein paar kurze Momente innezuhalten. Schalten Sie Handy, Tablet, Fernseher und Radio aus und suchen Sie sich einen stillen Ort – der Lieblingsplatz im Park, das Flussufer in der Nähe, der Waldabschnitt vor der Haustür oder ein Museum wären geeignet. Und halten Sie den Mund.

 

Einfach mal nichts sagen

Bis zu 20.000 Worte sprechen wir alle pro Tag. Schenken Sie Ihrem Gehirn eine verbale Auszeit. Am Anfang mag das schwerfallen. Und vielleicht kommen auch mal unschöne Erinnerungen oder ein paar Tränen hoch. Aber entfliehen Sie der Situation nicht. Sie berauben sich der Chance einer Klarwerdung und des Wachstums, wenn Sie jeglicher Stille im Leben aus dem Weg gehen und sich stattdessen durch (mediale) Ablenkungen betäuben.

Nach diesem ereignisreichen, angespannten und lautstarken Jahr bietet die Adventszeit einen passenden Rahmen für Stille. Machen Sie Ihrem reizüberfluteten Gehirn ein kleines vorweihnachtliches Geschenk. Im besten Fall deckt sogar eine Schneedecke für ein paar Tage das nervöse Leben zu.

Sie könnte uns daran erinnern, dass wir auch in einer unruhigen und bewegten Zeit mal stillstehen dürfen, damit wir uns erholen, Wunden heilen und Kraft und Lust auf Neues entstehen. Der deutsch-französische Lyriker Hans Arp sagte einmal: „Einst wird man von der Stille wie von einem Märchen erzählen.“ Lassen wir es nicht so weit kommen.