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Die Corona-Pandemie wird die Börsen noch länger beschäftigen. Wie Top-Fondsmanager jetzt ihre Strategien ausrichten.

 

Geht es nach den Aktienmärkten, scheint die Corona-Krise vorüber. Nachdem der Dax im März fast 40 Prozent an Wert verloren hatte, holten die Kurse die Verluste fast wieder auf. Sorgen also Konjunkturprogramme und die Geldschwemme der Notenbanken für ein schnelles Ende der Krise? Zweifel sind angebracht.

Das zeigt auch eine Umfrage unter Mischfondsmanagern, die breit in Aktien und Anleihen investieren. Die Folgen des Shutdowns würden sich erst noch zeigen, sagt Star-Fondsmanager Bert Flossbach: „Die globale Wirtschaftsleistung bricht ein, viele Firmen gehen in die Insolvenz und Millionen Arbeitsplätze gehen vermutlich verloren.“ Er geht von stark schwankenden Aktienkursen in den kommenden Monaten aus.

Und auch Luca Pesarini, Manager des Mischfonds Ethna Aktiv, misstraut der Euphorie an den Börsen: „Aus unserer Sicht befinden wir uns noch mitten in einer längerfristigen Korrektur.“ Ökonomisch überwiegen die Abwärtsrisiken. Zudem ist die Pandemie für alle Beteiligten Neuland. Das gilt auch für Fondsmanager.

 

Wer kann in der Rezession bestehen?

Die Strategien der Fondsmanager unterscheiden sich. So hat Flossbach in seinem Mischfonds Flossbach von Storch Multiple Opportunities R die Aktienauswahl nicht verändert. Er setzt nach wie vor auf Qualitätsaktien mit attraktiven Geschäftsmodellen, stabilen Erträgen und soliden Bilanzen.

Zu den Top Ten im Portfolio zählen Nestlé, Unilever und Reckitt Benckiser. Unternehmen, die auch in einer Rezession bestehen können. Die Aktienquote liegt bei 70 Prozent, davon hat er allerdings die Hälfte vor Kursverlusten abgesichert.

Pesarini hielt in seinem Fonds noch Anfang des Jahres 40 Prozent Aktien. Er hat die Aktienquote während der Corona-Pandemie ganz heruntergefahren und sie bis Anfang Juni wieder auf 20 Prozent erhöht. Pesarini investiert in Aktien hauptsächlich über günstige Indexfutures.

In seinem flexiblen Mischfonds Acatis Datini Valueflex hält Hendrik Leber dagegen 80 Prozent Aktien und überdurchschnittlich viele Papiere aus dem Gesundheits- und IT-Sektor. „Wir haben in den Wochen der Corona-Pandemie, die fast zeitgleich mit dem Ölpreiskrieg verläuft, eine Reihe sehr unterschiedlicher Wertpapiere zugekauft“, sagt Leber. So auch vom chinesischen Unternehmen Cansino Biologics, das einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt.

 

Chancen bei Anleihen

Die stark zunehmende Volatilität sorgt auch für Chancen bei Anleihen: „Derzeit ist es kein Problem, mit Unternehmensanleihen sehr gut zu verdienen. Das liegt daran, dass die An- und Verkaufsspannen im Markt sehr weit sind und viele Kaufgelegenheiten existieren“, sagt Hendrik Leber.

Das Umfeld für Anleiheinvestoren wird wieder schwierig, wenn die Risikoaufschläge von Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen wieder abgebaut sind. Eines ist gewiss: Mit dem Zinstief müssen Anleger und Fondsmanager dauerhaft leben.