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Unser Stresssystem verhält sich wie eine Wippe. Blutdruck, Stoffwechsel und unsere Stimmung pendeln ständig hin und her. Bei starken Belastungen können physiologische Veränderungen durchaus extreme Zustände annehmen. Umso wichtiger wird der nachfolgende Ausgleich.

 

Volker Busch

Gesundheit ist Kopfsache, weiß Prof. Dr. Volker Busch. Der 49-Jährige ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Professor an der Universität Regensburg. Als Arzt, Autor, Vortragsredner und Coach begleitet er Menschen auf dem Weg zu psychischer Gesundheit sowie zu Motivation und Inspiration für Beruf und Alltag. drvolkerbusch.de © Dr. Volker Busch

 

Haben Sie schon einmal mit Ihrem Kind auf dem Spielplatz gewippt? Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber vermutlich drückte Ihr Körper die Wippe auf Ihrer Seite herunter, während Ihr Kind hoch oben in der Luft saß. Erst wenn Sie sich mit den Beinen am Boden abstießen, pendelte die Wippe zurück und Ihr Kind strahlte vor Freude.

Unser Stresssystem verhält sich wie eine solche Wippe. Blutdruck, Stoffwechsel und unsere Stimmung pendeln ständig hin und her. Bei starken Belastungen können physiologische Veränderungen durchaus extreme Zustände annehmen.

Umso wichtiger wird der nachfolgende Ausgleich. Am liebsten ist unserem Organismus ein Schweben in der Mittellage, auch Homöostase genannt. Von dieser Position aus kann er nämlich schnell reagieren.

Dieser Idealfall ist jedoch selten. Denn permanent wirken Kräfte, die uns in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen. Das ist normal und unbedenklich. Kritisch wird es erst, wenn die Wippe durch anhaltenden Stress in einer Extremposition verharrt und nicht mehr pendeln kann.

 

Ausgleich finden: Machen Sie das Gegenteil

Die Kunst ist daher, immer wieder einen Ausgleich herzustellen. Aber wodurch? Oft fragen mich meine Patienten: „Was soll ich machen, um zu entspannen?“ Meist sage ich dann: „Tun Sie genau das Gegenteil von dem, was Sie im Alltag belastet!“

Balance entsteht durch die Wahl der richtigen Gegengewichte: Sind Sie von harter, körperlicher Arbeit erschöpft und die Knochen tun weh? Dann profitieren Sie von einer Freizeitgestaltung, in der sich Ihr Körper erholen kann. Vielleicht in der Sauna oder mit einem Mittagsschlaf.

Sind Sie nervös, aufgekratzt und überreizt von intensiver Bildschirmarbeit und ständiger Kommunikation? Dann erholen Sie sich nachweislich besonders gut in der Natur, beim Wandern oder Fahrradfahren oder bei der Gartenarbeit. Ohne Handy, versteht sich.

Oder sind Sie missgelaunt, frustriert oder gelangweilt durch die Eintönigkeit im Job? Dann suchen Sie sich am besten ein herausforderndes Hobby – etwa das angestaubte Musikinstrument vom Dachboden oder der Stadtmarathon am Wochenende. Halbmarathon reicht auch.

Wichtig dabei ist: Warten Sie nicht auf den Ausgleich, sondern erzeugen Sie ihn selbst. Und greifen Sie sich zum Schluss mal an die Brust. Dort fühlen Sie ein Organ, das uns circa 100.000 Mal pro Tag die perfekte Balance vorlebt. Auf jeden Herzschlag (Systole) folgt die Entspannung (Diastole).

Beide Wipp-Partner üben gleichberechtigt Kraft aus und lassen wieder los. Wenn das mal kein Vorbild ist. Wie sagt man so schön: Hören Sie auf Ihr Herz.