Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Bis auf kleinere Korrekturen ist die gute Stimmung an den Märkten ungebrochen. Doch Börsianern ist klar: Das kann nicht ewig so weitergehen. Eine Markteinschätzung vom Herausgeber der „Börsensignale“.

Nach fünfeinhalb Jahren fast ununterbrochener Hausse – von der Korrektur im Zeitraum April 2015 bis Februar 2016 einmal abgesehen – fragen sich die Anleger, wie lange das noch so weitergehen kann. Doch gibt es keinen Grund, auf Verdacht auszusteigen, solange die Signale intakt sind und die Börse keine Anstalten macht, nach unten zu drehen. Allenfalls könnte man von einer lustlosen Seitwärtsbewegung sprechen, nachdem vor allem in den USA nur die Kurse von Großkonzernen steigen, während der breite Markt immer noch auf dem Stand vom Jahresbeginn verharrt.

Aber schauen wir uns die Indikatoren genauer an. Bei der Einschätzung bewerten wir folgende Signale:

a) die Zinsstruktur („lange“ minus „kurze“ Zinsen) im gleitenden Durchschnitt,
b) das Trendsignal der Aktienindizes, repräsentiert durch den Nasdaq Composite, den Dow Jones Utility und den Dax sowie
c) die Mehrheit der Signale von fünf Indikatoren.

Zinsstruktur: Unser Konjunktur-indikator, der den Abstand der langfristigen Zinsen von den kurzfristigen Zinsen in den USA und in Deutschland misst, liegt zwar im positiven Bereich. Die Anleihezinsen sind deutlich höher als die kurzfristigen Geldmarktzinsen. Aber der Abstand erweitert sich nicht mehr, sondern ging auf 0,43 Prozent zurück – nach 0,45 Prozent vor zwei Monaten. Sollte die US-Zentralbank ihre Leitzinsen weiter anheben, würde der Abstand zurückgehen.

Trendsignal: Der Trend der Aktienindizes bleibt klar aufwärts gerichtet, besonders beim Tech­nologie-Index Nasdaq Composite. Hier kann es so schnell kein Warnsignal geben, es sei denn, die Indizes stürzten crashartig ab.

Anleihezinsen: Die Anleihezinsen liegen höher als vor einem Jahr, weshalb dieser Indikator negativ ist. Für den Aktienmarkt ist das aber noch nicht gefährlich. Denn Anleihezinsen können mit den Dividenden noch lange nicht konkurrieren, zumal der Zinsanstieg sich schon seit zwei Monaten nicht mehr fortsetzt.

Ölpreis: Der Ölpreis fällt wieder, nachdem es zwischenzeitlich so ausgesehen hatte, als steige er an. Anfang Juni lag der Brent-Rohölpreis nur knapp über 50 Dollar. Niedrigere Preise bedeuten geringere Kosten für Unternehmen und Verbraucher – und auch eine geringere Inflationsrate. Aber diese fallenden Ölpreise zeigen jedoch, dass die Weltkonjunktur nicht gut läuft.

CRB-Index: Im Mai ging der CRB-Index, der die Rohstoffpreisentwicklung anzeigt, weiter zurück und fiel schließlich unter seinen Vorjahresstand. Das ist zunächst ein positives Signal, denn es zeigt, dass von Inflation keine Rede sein kann. Niedrigere Rohstoffpreise helfen Unternehmen und Verbrauchern.

US-Dollar: Der US-Dollar bleibt gegenüber dem Euro schwach, obwohl zahlreiche Experten behauptet hatten, er müsse aufgrund der Zinspolitik der US-Zentralbank und aufgrund der konjunkturfördernden Maßnahmen Donald Trumps kräftig steigen.

Saisonfaktor: Dieser Indikator ist seit dem 28. April negativ. Es läuft die oft schwierige Sommersaison.

Fazit: Das Gesamtsystem bleibt mit 2:1 positiv. Solange Dax und Nasdaq Jahreshöchststände melden, kann man durchaus am Aktienmarkt engagiert bleiben, falls kein politisches Ereignis (Nordkorea oder Nahost) Anlass zur Sorge bietet. Bedenken gibt es auch wegen der zuletzt eher sinkenden Anleihezinsen und Rohstoffpreise. Sie deuten darauf hin, dass die Weltkonjunktur nur sehr schwach läuft. Statt Inflation droht eher Deflation. Die EZB macht es richtig, weiter Geld in den Markt zu pumpen. Nur: Wie lange wird sie das tun, angesichts der hohen Aktienkurse?