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Humor ist systemrelevant, schreibt unser Kolumnist Dr. Volker Busch. Denn wer lacht, heilt Körper und Geist und kann so manche Krise besser meistern.

Volker Busch

Gesundheit ist Kopfsache, weiß Prof. Dr. Volker Busch. Der 49-Jährige ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Professor an der Universität Regensburg. Als Arzt, Autor, Vortragsredner und Coach begleitet er Menschen auf dem Weg zu psychischer Gesundheit sowie zu Motivation und Inspiration für Beruf und Alltag. drvolkerbusch.de © Dr. Volker Busch

 

Karneval ist ausgefallen. Corona ist schuld. Und? Überkam die Hochburgen wie Köln, Düsseldorf, Mainz und Aachen eine Phase finsterer Schwermut mit frühester Aussicht auf Heilung am 11.11.2021?

Wohl nicht. Und das Verbot von Menschenansammlungen ist aus infektiologischer Sicht aktuell natürlich richtig. Dennoch sollten wir uns mit den Karnevalisten solidarisch zeigen.

Denn ihre Kultur ausgelassener Fröhlichkeit ist wahrhaftige Medizin: Lachen fördert die zelluläre Sauerstoffversorgung und die Muskeldurchblutung, sogar bei schlechten Witzen.

Und das Immunsystem wird auch gestärkt. Probanden, die 30 Minuten „Laurel & Hardy“ schauten, zeigten einen Anstieg bestimmter T-Lymphozyten, die der Abwehr (viraler) Krankheitserreger dienen. Eine langweilige Talkshow erzielte dagegen keinen Effekt.

Noch wichtiger ist die Wirkung von Humor auf unsere Psyche, denn er tröstet, lenkt ab und schafft Distanz. Und das Allerwichtigste: Wir verlieren endlich mal die Kontrolle!

Negative Emotionen sind dadurch gekennzeichnet, dass wir versuchen, sie zu unterdrücken. Wir weinen heimlich, schlucken unsere Angst herunter oder ballen die Faust in der Tasche.

Der Versuch der Kontrolle erzeugt die eigentliche Belastung. Das alles gelingt beim herzhaften Lachen nicht. Wir prusten heraus und lassen los. Der Soziologe C. N. Parkinson sagte einmal: „Wer über etwas lacht, befreit sich.“

 

180 Lacher gesucht

Heute scheint es schwer, leicht zu sein: Kinder lachen pro Tag rund 200-mal, Erwachsene dagegen nur noch 20-mal. Nur sechs Minuten nimmt sich ein Deutscher täglich noch Zeit hierfür, vor 30 Jahren waren es noch 18 Minuten. Hand aufs Hirn: Ist uns hier vielleicht etwas verloren gegangen …?

Ich rate Ihnen: Bewahren Sie sich Ihren Humor. Denn ohne ihn ist alles nichts. Timm Thaler verkaufte sein Lachen an den Teufel und bekam fortan jeden Wunsch erfüllt. Glücklich wurde er nicht.

Lachen Sie täglich! Am besten gemeinsam. Finden Sie auch in Krisenzeiten für Ihre Mitarbeiter und für sich selbst immer wieder Platz für Lockerheit und Leichtigkeit. Nehmen Sie Ihre Sorgen und sich selbst nicht immer so ernst.

Das bedeutet nicht, die rosarote Brille aufzusetzen oder die Welt naiv zu beschönigen. Humor ist keine Tablette, die alle Wunden heilt. Aber eine Haltung, die psychisch über die meisten Krisen hinweghilft.

Und falls Sie im Februar jemanden aus dem Rheinland treffen, schenken Sie ihm und anderen die wahrscheinlich schönste und tröstendste Medizin, die wir je erfunden haben und die auch ohne rote Nasen wirksam ist: Ihr Lachen.