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Creditreform

Im Niedrigzinsumfeld werfen Anleihen nur noch bescheidene oder sogar negative Renditen ab. Mehr Potenzial haben Aktien mit stabilen Dividenden.

 

Im Euroraum lässt die oft angekündigte Zinswende weiter auf sich warten. So beschloss Anfang Juni der Rat der Europäischen Zentralbank, den Leitzins bis Mitte 2020 auf null Prozent zu lassen. Damit geht die Nullzinspolitik im Euroraum ins vierte Jahr.

Der Zins als wichtiges Signal für den Preis von Geld bleibt damit weiter außer Kraft: „Von einer Normalisierung ist die europäische Geldpolitik weit entfernt“, sagt Johannes Müller, Head of Macro Research bei der DWS.

„Aktien bleiben angesichts des dauerhaften Tiefzinsniveaus die attraktivste Anlageklasse“

Elmar Peters, Fondsmanager

Was bedeuten die anhaltenden Niedrigzinsen für die Märkte? „Der Zins ist die Gravitationskraft für die Bewertung aller Kapitalanlagen“, sagt Elmar Peters, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch.

Je niedriger der Zins, umso höher ist der Wert einer Anlage. So ist der Wert von Immobilien in guten Lagen seit der Finanzkrise stark gestiegen.

Auch viele Aktien erreichten neue Rekordstände. Die Geldschwemme treibt die Kurse praktisch aller Anlageklassen in die Höhe.

Dabei erreichen Anleihen inzwischen aberwitzige Niveaus. So liegt beispielsweise die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe aktuell bei minus 0,23 Prozent.

Wenn Anleger noch die Inflationsrate berücksichtigen, verlieren sie mit den vermeintlich sicheren Anleihen sogar rund zwei Prozent pro Jahr. Dagegen liegt die durchschnittliche Dividendenrendite, also das Verhältnis von Gewinn zum Kurs einer Aktie, beim weltweiten Aktienindex MSCI World bei 3,4 Prozent. Seit 2010 liegt die Dividendenrendite über der Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen.

 

Dividende als Risikopuffer

„Aktien bleiben angesichts des dauerhaften Tiefzinsniveaus die attraktivste Anlageklasse“, betont Peters. Mit der Dividendenrendite, die mehr als drei Prozent über der von Bundesanleihen liegt, verfügen Aktien über einen ordentlichen Risikopuffer.

„In einem Nullzinsumfeld ist das Aktienteam auf Dauer unschlagbar, weil die gegnerische Rentenmannschaft ohne Sturm, sprich Zins, spielt“, fasst Peters die Lage in einem Bild aus der Welt des Fußballs zusammen.

Gefragt sind Qualitätsaktien. Doch was ist, wenn die Zinsen wieder steigen? Das träfe vor allem hoch bewertete Anleihen. Denn steigen die Zinsen, fallen die Kurse laufender Anleihen.

„Der immer noch hohe Renditeaufschlag von Aktien dürfte zumindest einen Teil des Zinsanstiegs abfedern“, sagt Peters. „Gut möglich, dass Aktien sogar profitieren.“

Denn eine Zinswende sei praktisch nur in Kombination mit starkem Wachstum und höherer Inflation zu erwarten. Und das würde auch steigende Gewinne bei Konzernen bedeuten.

Fazit: Gefragt sind in einem dauerhaften Niedrigzinsumfeld Qualitätsaktien mit bewährtem Geschäftsmodell, soliden Bilanzen und langjährig überdurchschnittlichen Erträgen. Wer bei Anleihen erfolgreich investieren will, muss selektiv vorgehen und Chancen in unterschiedlichen Märkten nutzen.

Wie früher eine Anleihe zu kaufen und bis zum Laufzeitende zu halten, ist heute keine erfolgversprechende Strategie mehr. Aber auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld können Anleihen dazu beitragen, das Portfolio zu stabilisieren und auch positive Renditen zu erzielen.