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Das Foto zeigt den Kölner Motivationscoach Mathias Fischedick

© Armin Zedler

Tipps für effektives Zeitmanagement gibt es viele. Tricks, die dazu auffordern, sich selbst mehr Pausen zuzugestehen, eher wenige. Mental- und Businesscoach Mathias Fischedick verrät, was man von einer Topfpflanze lernen kann und wie man Energieräuber zur Strecke bringt.

 

Herr Fischedick, wir sprechen um 11 Uhr vormittags, was haben Sie heute schon alles geschafft?

Ich habe schon E-Mails bearbeitet, ein Vorgespräch für einen Podcast geführt und an meinem Mental-Audioprogramm „Mind Room“ gearbeitet. Wenn das Interview beendet ist, arbeite ich weiter an „Mind Room“, nehme noch einen Podcast auf, bereite Seminare vor – und heute Abend habe ich noch einen Live­stream bei Instagram zu meinem neuen Buch.

Da haben Sie aber noch viel vor. Fühlen Sie sich gestresst?

Nein, denn: Alle diese Projekte machen mir Spaß. Genau darum geht es auch in meinem neuen Buch „Mehr schaffen, ohne geschafft zu sein“: Es geht um Spaß bei der Arbeit.

 

Das klingt immer so einfach. Aber gibt es nicht auch in jedem Job einfach Tätigkeiten, die keinen Spaß machen?

Nein, ich glaube, wer sich regelmäßig auspowert, verliert den Spaß an der Arbeit an sich. Die Menschen neigen dazu, immer nur auf die Zeit zu gucken, und übersehen dabei, dass wir keine Maschinen sind, die zu jedem Zeitpunkt die gleiche Energie haben. Und deswegen ist es schlau, nicht nur auf das Zeit-, sondern auch auf das eigene Energiemanagement zu achten. Wenn ich voller Kraft und Energie bin, schaffe ich viel und habe mehr Spaß bei der Arbeit. Bin ich ausgelaugt und müde, schaffe ich die einfachsten Dinge nicht und bin eher frustriert. Das wird oft übersehen.

 

Welches sind die drei wichtigsten Energieverschwender?

Energieverschwender #1: Zu viele Reize. Allein durch die Digitalisierung sind wir ständig immer neuen Reizen durch Nachrichten auf dem Smartphone teils im Minutentakt ausgesetzt. Jeder neue Reiz lenkt uns von unserer eigentlichen Tätigkeit ab und wir verschwenden Energie, um uns danach wieder neu zu fokussieren.

Energieverschwender #2: Es den anderen immer recht machen wollen. Wenn wir nie Nein sagen können, sondern wir glauben, unser Wohlbefinden ist davon abhängig, die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen, sind wir nach außen orientiert und spüren unsere eigenen Bedürfnisse nicht mehr. Dadurch verbrennen wir zu viel Energie und tanken zu selten neue.

Energieverschwender #3: Versuch, am Alten festzuhalten. Anstatt neue Wege im Unternehmen mitzugehen, klammern wir uns zu oft an alten Gewohnheiten fest. Dadurch nutzen wir zu selten neue Möglichkeiten, die uns Energie sparen oder sogar neue geben. Solange wir nicht als Bombenentschärfer oder Ärzte arbeiten, die am offenen Herzen operieren, ist es selten riskant, mal neue Dinge auszuprobieren.

 

In Ihrem Buch empfehlen Sie auch, für das eigene Energiemanagement von Gegenständen zu lernen. Wie soll das funktionieren?

Genau! Es geht darum, bei einer Denkblockade neue Impulse und damit neuen Schwung zu bekommen. Stellen wir uns folgende Situation vor: Ich soll einen Text schreiben, habe aber keine Idee, wie ich ihn strukturieren soll. Um Abstand und eine neue Idee zu bekommen, schaue ich mich in meinem Umfeld um und mein Blick bleibt zum Beispiel auf der kleinen Topfpflanze hängen, die auf meinem Schreibtisch steht. Jetzt könnte ich assoziieren, was mein ungeschriebener Text mit dieser Topfpflanze zu tun hat.

Das hört sich erst mal schräg an, aber durch diese ungewöhnliche Denkweise gewinne ich neue Erkenntnisse. Also zum Beispiel: Die Pflanze hat einen soliden Stamm und ganz viele grüne Blätter. Daraus könnte ich die Inspiration für meinen Text ziehen: Ich brauche eine gute Kernbotschaft und dazu ein paar frische Infos und Beispiele, damit er sich leicht liest. Das ist jetzt nur ein Beispiel für kreatives Assoziieren, jeder hat andere Dinge in seinem Umfeld, die ihn inspirieren – nur ein paar Minuten dieser Art zu denken geben Kraft und lösen die Denkblockade.

 

Nun gibt es ja manchmal auch Kollegen, die uns nerven und damit unsere Energie rauben. Wie gehe ich damit um?

Ärger raubt uns Energie. Deshalb ist es schlau, den Ärger in Neugier umzuwandeln und sich zu fragen: „Warum eigentlich nervt er mich gerade so?“ Durch dieses genaue Hingucken werde ich besser verstehen, was die genaue Ursache für den Frust ist, und kann dann daraus ableiten, wie ich in Zukunft anders mit diesem Kollegen umgehen muss, damit er mich nicht mehr nervt.

Neugier ist grundsätzlich ein guter Energiespender. Also anstatt sich als Opfer zu fühlen und Probleme zu wälzen, lieber aktiv werden und neugierig nach Lösungen suchen.

 

Ihr Buch ist während der Corona-Krise in einer Zeit erschienen, in der viele Menschen im Homeoffice arbeiten. Erledigen sich viele Konflikte damit nicht von selbst?

Interessanterweise ist es so, dass sich die Menschen im Homeoffice mehr überarbeiten als früher im Büro. Das haben mir schon viele meiner Unternehmenskunden seit Ausbruch der Pandemie gespiegelt. Im Büro kommt mal ein Kollege vorbei, sagt, „Komm, wir gehen einen Kaffee trinken“. Oder ich bekomme mit, dass die Kollegen auf den Weg in den Feierabend sind und denke, „Stimmt, ich könnte auch mal nach Hause gehen.“ Zu Hause habe ich niemanden als Vorbild und vergesse deshalb oft, Pausen oder Feierabend zu machen. Umso wichtiger ist es, dass ich im Homeoffice mit meiner Energie achtsamer haushalte.

 

In Ihrem Buch geben Sie dafür einen Tipp, der erst mal banal klingt: Sie schreiben, es sei ganz wichtig, vor und nach dem Homeoffice eine Runde um den Block zu gehen.

Wenn ich aus dem Bett falle, ins Bad gehe, in die Küche und mich dann an den Schreibtisch setze und abends vom Computer direkt vor den Fernseher wechsele, verschwimmen Arbeit und Freizeit. Dadurch fällt es schwer, abzuschalten. Mit einer Runde um den Block nach dem Frühstück simuliere ich den Weg zur Arbeit und mit der Runde um den Block zum Feierabend simuliere ich den Weg nach Hause. Und damit schaffe ich eine Zäsur: Ich kann mich auf dem kleinen Spaziergang auf die Arbeit einstellen oder kann einen Abschluss finden – ich trenne die Arbeitszeit durch dieses Ritual deutlich von der Freizeit und kann so besser runterkommen.

 

 

Zur Person

Mathias Fischedick wurde 1970 in Essen geboren und ist diplomierter Mental- und Systemischer Coach. Nach Führungspositionen bei internationalen Medienkonzernen hat er sich selbständig gemacht und unterstützt seit mehr als 15 Jahren Klientinnen und Klienten dabei, beruflich und privat erfolgreicher und zufriedener zu leben. Fischedick lebt aktuell in Köln.