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Creditreform

Trotz drängender Themen wie Digitalisierung und Dekarbonisierung steigern viele Unternehmen ihre Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit bislang zu langsam. Um auf Dauer im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, braucht es mehr Entschlossenheit.

 

Wilhelm Goschy, © Staufen AG

Unternehmen und Gesellschaft stehen vor den größten Herausforderungen der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Längst ist es keine Frage mehr, ob eine grundlegende Transformation notwendig ist, sondern wie schnell und nachhaltig die Anpassungen an die immer neuen Anforderungen des Wandels gelingen.

So gaben im Rahmen der aktuellen Studie „Unternehmen im Wandel“ 77 Prozent der Befragten an, dass sich ihr Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren stark verändert hat.

Doch trotz des Gefühls von Eigentümern, Führungskräften und Mitarbeitenden, dass in ihrem Unternehmen derzeit kein Stein auf dem anderen bleibt, kommen die Betriebe bei wesentlichen Themen in der Tiefe nicht oder nur langsam voran.

Das zeigt der nach 2017 und 2019 zum dritten Mal erhobene Change Readiness Index (CRI). Für die Erhebung wurden im Rahmen der Studie mehr als 350 Top-Führungskräfte deutscher Unternehmen befragt. Der CRI erfasst die Wandlungsfähigkeit in den Bereichen Strukturen, Prozesse, Führungs- und Unternehmenskultur sowie Mitarbeitende und Qualifikationen auf einer Skala bis 100 Punkte. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 stieg der Index nur um einen Punkt auf jetzt 56 (Kostenfreier Download der Studie).

Ist der so oft zitierte Corona-Katalysator also nur eine Einbildung? Nein, denn die vor allem auf den Feldern Digitalisierung und New Work gemachten Erfahrungen bieten enorme Chancen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Unternehmen, in denen beispielsweise die anfängliche Homeoffice-Euphorie sehr schnell in Ernüchterung umgeschlagen ist, oder bei denen die Innovationskraft in Remote-Zeiten gefährlich schwächelt, auch schon vor Corona ihre Baustellen hatten. Deshalb ist es höchste Zeit, jetzt über die akuten Herausforderungen hinauszublicken und den Wandel aktiv zu gestalten.

 

Was High Performer anders machen

Wie das erfolgreich gelingen kann, darüber diskutierten Wirtschaftsphilosoph Anders Indset; Anna Kopp, Director IT Germany, Microsoft; Bastian Nominacher, Co-Founder & Co-CEO, Celonis; Johann Soder, COO, SEW Eurodrive und Angela Titzrath, CEO, HHLA Hamburger Hafen und Logistik AG Ende November bei einem virtuellen Round Table. Die Staufen AG hatte sie eingeladen und wollte von ihnen wissen, was Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führt. Dabei arbeiteten die Teilnehmer sechs essenzielle Eigenschaften heraus, die High Performer auszeichnen:

  • Sie haben den Mut zur Veränderung und den Willen, Neues zu schaffen
  • Sie folgen im Tagesgeschäft einer klaren Vision für die Zukunft
  • Sie leben eine Kultur der Begeisterungsfähigkeit, die alle Mitarbeitenden des Unternehmens einbezieht
  • Sie haben glasklare Prinzipien für die internationale Zusammenarbeit, damit alle Mitarbeitenden nach den gleichen Richtlinien arbeiten
  • Sie vernetzen sich in interdisziplinären Teams und schaffen Ökosysteme über die Grenzen des Unternehmens hinaus
  • Sie prüfen im Sinne einer nachhaltigen Transformation, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen auf künftige Generationen haben werden

Moderator Frank Riemensperger, Senior Managing Director bei Accenture, fasste die Quintessenz des Round Table so zusammen: „Wir brauchen Mut zur kreativen Zerstörung, müssen umdenken und handeln, und vor allem die Menschen mit auf die Reise nehmen und begeistern. Es gilt, Grenzen zu überwinden – und zwar über Unternehmen, Branchen und Nationen hinaus.“ Nur so kann der Wandel in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Zum Autor:

Wilhelm Goschy ist CEO der Staufen AG. Seit 2011 ist der Lean-Experte Vorstandsmitglied der internationalen Transformationsberatung. Dort verantwortet er den Bereich Business Development sowie die strategische Branchen- und Marktbearbeitung. Goschys Beratungsschwerpunkte liegen auf wertstromorientierten Fabrikkonzepten, der Implementierung von Wertschöpfungssystemen und dem Coaching von Führungskräften. Außerdem war er in den vergangenen Jahren maßgeblich am Ausbau des Auslandsgeschäfts der Staufen AG beteiligt.

www.staufen.ag