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Creditreform

„Zufriedene Mitarbeiter leisten mehr“ – nirgendwo gilt dieser Spruch mehr als in Südafrika. Die Fluktuation unter den Arbeitnehmern ist in dem afrikanischen Land im Vergleich zu Deutschland enorm. Chancengleichheit und eine hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber sind daher die Grundsäulen für ein erfolgreiches Unternehmen. Doch nicht nur landestypische Gepflogenheiten beeinflussen den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, auch einige Gesetze und Regelungen stellen Firmen vor große Herausforderungen – bieten aber zugleich viele Chancen.

Wer im Ausland ein Unternehmen erfolgreich führen will, muss Land und Leute verstehen lernen. Besonders deutlich zeigt sich das in Südafrika. Hier sind Kultursensibilität und interkulturelle Kompetenz elementar für ein erfolgreiches Business. Denn die bewegte Geschichte des Landes am Kap der Guten Hoffnung hat bis heute Auswirkungen – auch auf den Arbeitsmarkt. So muss jedes Unternehmen in Südafrika die Regeln des Broad-Based Black Economic Empowerment (BBBEE) einhalten. Das Programm wurde entwickelt, um die wirtschaftliche Stärkung und Gleichbehandlung der farbigen Bevölkerung Südafrikas voranzutreiben. Je mehr Kriterien des BBBEE umgesetzt werden, desto mehr Punkte erhält ein Unternehmen und wird so unter anderem bei der Auftragsvergabe besser bewertet. Eine der Mindestanforderungen ist etwa ein Mindestanteil von 51 Prozent an farbigen Mitarbeitern – mehr Punkte gibt es, wenn gar alle Angestellte Schwarze, Coloureds, Inder oder Asiaten sind.

Gleichberechtigung ist in Südafrika aber weit mehr als nur ein Gesetzestext. Bei der täglichen Arbeit wird schnell deutlich, dass für die Mitarbeiter ein Umgang auf Augenhöhe eine sehr hohe Bedeutung hat. Die Einwohner des Regenbogenlandes zeichnet ein formloser und offener Umgang miteinander aus – und so sollte auch die Personalführung aussehen. Fühlen sich die Angestellten als vollwertiger Teil des Ganzen, als Teil des Teams, dann steigt ihre Identifikation mit dem Unternehmen. Eine flache Hierarchie, die Übertragung von Verantwortung und Entscheidungen an die Arbeiter sind der Schlüssel zum Business.

In der Lingua-World Niederlassung in Südafrika haben wir zum Beispiel von Anfang an auf ein familiäres Klima gesetzt. Sämtliche Mitarbeiter kommen aus der schwarzen Bevölkerung, die trotz allen Bemühungen weiterhin große Schwierigkeiten hat, gesellschaftlich und wirtschaftlich zur weißen Oberschicht aufzuschließen. Schnell wurde deutlich, dass der persönliche Freiraum und Eigenverantwortung für Südafrikaner das Wichtigste sind. Das starke Zugehörigkeitsgefühl untereinander, aber auch zum Unternehmen waren das Erfolgsrezept für uns als Sprachdienstleister. Hält man sich an diese einfachen Regeln der Personalführung, entfacht man schnell eine ansteckende, für Südafrikaner beinahe sprichwörtliche, Leidenschaft für die gemeinsamen Projekte.

Social Business ist in Südafrika einfach ein unerlässlicher Bestandteil unternehmerischen Erfolgs. Ein weiterer – eine den Deutschen zugerechnete Tugend – hat es sogar bis in den Sprachgebrauch der Südafrikaner geschafft: die „German Sustainability“. Nachhaltiges Lernen, die Chance auf Entwicklung, ist ein nicht zu vernachlässigendes Argument für Unternehmen und Unternehmer. Gerade die Förderung von Kindern ist in dem afrikanischen Land eine Investition in die Zukunft – in die der Menschen, des Landes und Ihres Unternehmens.