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Creditreform

Kreditinstitute und Finanzdienstleister wie Leasing- und Factoring-Gesellschaften oder Internetportale schätzen vor einer Kreditvergabe die Kreditwürdigkeit des Kunden ein. Auf Basis dieser Einschätzung entscheiden sie dann, ob sie weiteren Kredit zur Verfügung stellen wollen – oder eben nicht. Hier greift die Corona-Krise entscheidend in das Geschehen ein. Denn die Kreditwürdigkeit von Unternehmen wird mehr oder weniger deutlich zurückgehen, wenn diese von der Corona-Krise negativ betroffen sind. Das kann bedeuten, dass die weitere Kreditvergabebereitschaft bis gegen „null“ zurückgeht. Wie sollten Unternehmen damit umgehen? Eine Vorgehensweise in vier Schritten.

 

Carl-Dietrich Sander berät seit 20 Jahren Unternehmer in Finanzierungsfragen.

Schritt 1: Die eigene Kreditwürdigkeit vor Corona beurteilen

Die Entscheidung eines Kreditgebers für eine weitere Kreditvergabe hängt von drei Parametern ab. Unternehmen sollten diese kennen: Dann können sie ihre Kreditwürdigkeit und damit ihre Verhandlungsmachtposition realistisch einschätzen.

Der erste Parameter ist das Ergebnis im Rating der Bank für das Unternehmen. Hier beurteilt die Bank die Geschäftsentwicklung anhand der Jahresabschlüsse der letzten Jahre sowie auf Basis eines Fragenkatalogs zur kaufmännischen Unternehmensführung; außerdem fließen kritische Signale aus der Führung des Geschäftskontos ein.

Finanzdienstleister wie Leasing- und Factoring-Gesellschaften und auch Internetportale bedienen sich hier der Dienstleistung der Auskunfteien und verwenden zum Beispiel den Bonitätsindex von Creditreform. Also sollte man diese Bonitätseinschätzungen für das eigene Unternehmen kennen.

Das bedeutet: Die Bank fragen und bei Creditreform eine kostenlose Selbstauskunft anfordern. Bei der Einschätzung zur Aussage der Ratingnote der Bank oder des Bonitätsindexes hilft eine Vergleichsübersicht des Bundesverband Die KMU-Berater: www.ratingnoten.kmu-berater.de.

Der zweite Parameter ist die Kapitaldienstfähigkeitsberechnung der Bank für das Unternehmen. Dabei geht es einerseits um die bisherige, vor allem aber um die künftige Kapitaldienstfähigkeit. Die Bank ermittelt diese über eine Cashflow-Rechnung aus dem letzten Jahresabschluss bzw. aus den vom Unternehmen vorgelegten Planzahlen.

Letztlich geht es darum, ob das Unternehmen aus seinen laufenden Liquiditätsüberschüssen Zins und Tilgung vollständig und fristgerecht wird leisten können. Auch hier empfiehlt sich das Gespräch mit der Bank über deren Rechenweise und Ergebnisse.

Dritter Parameter ist der sogenannte Blankoanteil des Kreditengagements. Die Bank macht folgende Rechnung auf: Sie addiert alle Kreditlinien des Kunden und zieht davon die vom Kunden gestellten Sicherheiten in der Bewertung der Bank ab. Das Ergebnis ist das Blankovolumen des Kreditengagements und dann in Prozent der Blankoanteil.

Für die Beurteilung gilt folgende Tendenzaussage: je besser die Ratingnote und je höher der Überschuss in der Kapitaldienstfähigkeit und je geringer der Blankoanteil – desto stärker ist die Verhandlungsmachtposition des Unternehmens.

Auf dieser Basis können Sie jetzt den zweiten Schritt angehen.

 

Schritt 2: Die Auswirkungen von Corona abschätzen

Die aktuelle Entwicklung in den noch normalen Monaten Januar und Februar kennen Sie, ebenso die corona-bedingte Entwicklung in den Monaten März und April. Dazu haben Sie also bereits Ist-Zahlen im Unternehmen. Jetzt geht es um das Einschätzen der kommenden Monate des Jahres 2020 und auch bereits erste Ziele und Planzahlen für 2021.

Unternehmen erstellen also eine Ertragsplanung auf Monatsbasis und bauen darauf eine Liquiditätsplanung auf. Natürlich tun Unternehmen das gerade jetzt unter großer Unsicherheit: Welche Umsatzentwicklungen sollen zugrunde gelegt werden? Daher ist es wichtig, drei Szenarien zu erarbeiten:

  • Wie sieht eine vorsichtig-realistische Einschätzung aus?
  • Was wäre, wenn der Umsatz weiterhin in diesem Jahr auf niedrigem Niveau bliebe (schlechtester anzunehmender Fall – Worst Case)?
  • Wie würde sich eine optimistische Einschätzung auswirken?

Für 2021 sollte in allen Szenarien eine vorsichtig-positive Weiterentwicklung unterstellt werden. So sieht es auch die Kfw für die Anträge für den Unternehmerkredit/Sonderprogramm 2020 vor.

Wie wird sich die angenommene Entwicklung in den drei Szenarien auf die künftige Kreditwürdigkeit auswirken? Zu dieser Frage gilt es jetzt, eine Einschätzung vorzunehmen. Denn davon hängen die Verhandlungsstärke und damit die Gestaltung der Schritte 3 und 4 ab.

Bei vielen Unternehmen wird die Kapitaldienstfähigkeit geringer werden; wichtig ist, dass ein Überschuss an freier Liquidität verbleibt. Tendenziell wird sich auch das Rating verschlechtern – vor allem wenn die Planungen für 2020 und / oder 2021 erwartete Verluste ausweisen.

Und auch die Bewertung der Sicherheiten durch die Bank kann schlechter und damit der Blankoanteil höher werden; das hängt stark von der Art und der Qualität der gegebenen Sicherheiten ab.

 

Schritt 3: Eine Finanzierungsstrategie ableiten

 Nach Schritt 2 ist der zusätzliche Finanzierungsbedarf in drei Fallgestaltungen bekannt. Bekannt sind ebenso die derzeitigen Kreditlinien bei Banken und anderen Finanzdienstleistern sowie die dafür gegebenen Sicherheiten. Auf dieser Basis wird jetzt überlegt, zu welchen Partnern das Unternehmen mit welchen weiteren Kreditwünschen und welchen Sicherheitenvorschlägen gehen wird.

Wichtig dabei ist die Überlegung für einen ausgewogenen Finanzierungs-Mix sowohl was die Partner als auch was die Finanzierungsarten angeht. Auf jeden Fall sollte eine Abhängigkeit von nur einem Partner, also auch von nur einer kreditgebenden Hausbank, vermieden werden.

 

Schritt 4: Das Gespräch mit den Finanzierungspartnern gezielt angehen

 Mit den Überlegungen und Berechnungen aus den Schritten 1 bis 3 sind Unternehmen gut vorbereitet für Ihre Kreditgespräche. Speziell mit der Einschätzung aus den Schritten 1 und 2 werden Unternehmen mit Blick auf die eigene Kreditwürdigkeit nicht mit überzogenen Erwartungen in ihre Gespräche gehen – aber auch nicht zu bescheiden. Dabei sollte Offenheit im Vordergrund stehen. Bewährt hat es sich vor dem Gespräch bereits mit dem Kundenbetreuer zu telefonieren und dabei folgende Punkte anzusprechen:

  • Hintergrund des Kreditwunsches – hier Corona
  • Höhe und Art des erforderlichen Kredits
  • Frage nach den benötigten Unterlagen für die Beurteilung durch den Finanzierungspartner
  • Absprache bis wann das Unternehmen diese an den Finanzierungspartner senden wird
  • Vereinbarung des Gesprächstermins.

 

Zum Autor:

Carl-Dietrich Sander kennt beide Seiten des Besprechungstisches in Finanzierungsfragen: 20 Jahre war er in der Firmenkundenbetreuung von Banken tätig, zuletzt neun Jahres als Vorstandsmitglied der Volksbank Neuss. Seit 1998 ist er selbstständig als freiberuflicher UnternehmerBerater: Trainer, Berater, Fachautor rund um die Themen Liquidität, Finanzierung, Rating, Bankenkommunikation. Unter anderem für die NRW.BANK hält er Unternehmer-Seminare. Sein Buch aus dem NWB-Verlag „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ ist eines der umfassenden Arbeitsbücher für Unternehmer und Berater zu seinem Themenkreis. Im Bundesverband „Die KMU-Berater“ leitet er die Fachgruppe Finanzierung-Rating.
http://www.cd-sander.de