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Bierbrauen ist in Deutschland eine Familienunternehmung: Von den mehr als 1300 Brauereien im Land sind mehr als 90 Prozent in privater Hand, wohl die meisten davon in Familienhand. Ein Traditionsgeschäft, das rückläufiger Bierkonsum, Preiskampf und Kulturwandel vor Herausforderungen stellen. Doch wer als Unternehmen seine Nische findet und nutzt, kann auch heute kontinuierliches Wachstum erreichen.

Rauchbier oder Ale-Variationen: Craft Beer ist derzeit in aller Munde. Und anders als viele Trends in anderen Branchen ist die Begeisterung für neue, besondere Sorten und Herstellungsweisen beim Bier kein Modetrend – davon bin ich überzeugt. Der Marktanteil von Spezialbieren ingesamt beträgt zwar erst etwa vier Prozent. Doch die Entwicklung ist langfristig. Und sie hilft den deutschen Brauern.

Leicht haben sie es im aktuellen Marktumfeld nicht: Tranken die Deutschen in den 1990ern noch rund 140 Liter Bier pro Kopf und Jahr, sind es heute lediglich 107 Liter. Der seit Jahren rückläufige Bierkonsum führt zu einem scharfen Verdrängungswettbewerb und Preiskampf, der besonders die Brauereien in Familienhand trifft. Denn sie stehen in unmittelbarer Konkurrenz zu den großen Konzernen. Dennoch können Familienbetriebe in diesem schwierigen Umfeld wachsen – sie müssen ihre Chancen nur erkennen und nutzen:

  • Bier braucht Heimat – Hier liegt die Chance für familiengeführte Brauereien. Sie sollten auf Regionalität und Nachhaltigkeit setzen. Unternehmen, die regional stark verankert sind, können Preisführer sein. Der Verbraucher ist durchaus bereit, für ein gutes Bier mehr zu zahlen. Denn am Ende des Tages entscheidet der Geschmack, nicht der Preis. Das ist bei vielen Brauern noch nicht in den Köpfen angekommen. Sie könnten sich mutiger gegenüber dem Handel positionieren und zu ihrem Preis stehen – selbst auf die Gefahr hin, dass sie im Einzelhandel zeitweise ausgelistet werden. Viele Deutsche bevorzugen Biere aus der direkten Umgebung. Sie wollen wissen: Wo und wie wird das Bier gebraut? Woher kommen die Rohstoffe? Brauereien, die bewusst auf Regionalität setzen, können authentischer am Markt auftreten – das wird vom Markt gewürdigt.
  • Wachstumsbereich Export: Viele Beispiele belegen, wie sich im Ausland Geld verdienen lässt. Es gibt eine Reihe kleiner Brauereien mit einem Gesamtausstoß von weniger als 100.000 Hektolitern, die 20 Prozent ihres Absatzes in Märkten wie USA, China oder Italien machen. Das Ausland weist hohe Markteintrittsbarrieren verbunden mit entsprechenden Investitionen auf. Vor diesem Hintergrund muss dieser Schritt sorgfältig evaluiert und umgesetzt werden. Aber er kann sich lohnen.
  • Potenzial von Kooperationen nutzen: Kleinere eigentümergeführte Brauereien sollten verstärkt auf Kooperationen setzen und zwar in Bereichen, wo dies vom Endverbraucher nicht wahrgenommen wird. So können sie im kapitalintensiven Brauereigeschäft bestehen und Investitionsstaus verhindern, ohne die eigene Marke zu beschädigen. Mehrere Brauereien könnten beispielsweise über einen Einkaufsverbund gemeinsam Rohstoffe einkaufen und so bessere Preise erzielen. Zusätzlich könnten sie Abfüllanlagen und Produktionsstätten wechselseitig nutzen, um Kosten zu sparen. Auch beim Thema Expedition bieten sich Zusammenschlüsse an, etwa durch die gemeinsame Nutzung neutraler Lkws: Den Kunden ist es nicht wichtig, wie der Kasten in den Getränkemarkt kommt.
  • Social Media lohnt sich: In sozialen Netzwerken können familiengeführte Brauereien mit relativ kleinem Budget enorme Effekte erzielen und auf sich aufmerksam machen. So bringt ein kurzes witziges YouTube-Video häufig mehr als eine groß angelegte Werbekampagne.

Das Fazit: Wer als inhabergeführte Brauerei bereit ist, neue Wege zu gehen und die Marktentwicklung verfolgt, kann trotz zahlreicher Herausforderungen sehr erfolgreich am Markt sein.