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Entwicklung und Innovation sind die Themen, die der Mittelstand 2016 ganz oben auf der Agenda hat. Denn: Innovationszyklen verkürzen sich rasant, Chinas technologische Aufholjagd gewinnt an Fahrt und Internet-Konzerne wie Google und Co. entdecken industrielle Produkte als ihre Spielwiese. Umso erschreckender, dass der Maschinen- und Anlagenbau bei Projekten im Entwicklungsbereich häufig strauchelt.

Nicht eingehaltene Termine, zu hohe Kosten, Abstriche bei der Qualität: Fast vier von zehn Entwicklungsprojekten im deutschen Maschinen- und Anlagenbau verfehlen ihre Ziele. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Staufen AG gemeinsam mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Viele Unternehmen entwickeln zu sehr aus dem Bauch heraus und zu unkoordiniert. Die Defizite in Forschung, Entwicklung und Konstruktion lassen sich mit Zahlen belegen: 38,5 Prozent der Projekte schaffen die gesetzten Ziele nicht – und viele Neuentwicklungen verfehlen gleich in mehrerer Hinsicht die Vorgaben. Die größten Probleme bereitet den Maschinenbauern dabei die Einhaltung des zugesagten Liefertermins (83 Prozent). Hinzu kommen die Überschreitung der Herstellkosten (59 Prozent) und des geplanten Entwicklungsbudgets (32 Prozent). Mit 13 Prozent deutlich niedriger, dennoch ein Grund zur Sorge, ist die Nichteinhaltung der Qualitätsanforderungen.

Die Ergebnisse der Studie von Staufen und VDMA zeigen aber auch Positives: Die Unternehmen wissen, wohin sie wollen: Zwei Drittel der Firmen verfügen über eine gute Entwicklungsstrategie. Und auch die Prozesse stimmen bei vielen. Doch gerade im wichtigen Bereich der Technologie- und Produktentwicklung zeigen sich deutliche Schwächen. Zwar haben die Unternehmen erkannt, welche Potenziale in der Standardisierung und Modularisierung liegen, schöpfen diese aber bei weitem nicht aus. Noch immer wird das Rad offenbar täglich neu erfunden. Auch in der Entwicklungsorganisation, dem Multiprojektmanagement und der wirksamen Führungsarbeit vor Ort offenbart sich erheblicher Handlungsbedarf.

Erfahrungsgemäß können viele Projektleiter die einfache Frage: „Wo stehen Sie im Projekt?“ häufig nicht zufriedenstellend beantworten. Dabei ist gerade das sogenannte Shopfloor Management, also das Führen vor Ort, ein wichtiger Stellhebel, um die fristgerechte Fertigstellung von Entwicklungsprojekten sicherzustellen.

Handlungs-Tipps:

  • Shopfloor Management wird in seinem Nutzen für den Entwicklungsbereich dramatisch unterschätzt. Führen Sie es systematisch ein.
  • Verringern Sie projektrettende „Feuerwehraktionen“: Achten Sie auf Durchlaufzeit statt Auslastung. Durch Priorisierung und Staffelung der Multi-Projekte an den Engpässen lässt sich deren Durchlaufzeit erheblich reduzieren.
  • Planen Sie Flexibilitätsreserven bezüglich der Kapazitäten ein. Diese lassen sich zur Behebung von Störungen oder für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess einsetzen.

Fazit: Der Maschinenbau lebt von seiner Innovationskraft, aber diese erkauft er sich teuer durch viele kostenintensive Zusatzschleifen in der Entwicklung.

Weiterführende Informationen: