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Creditreform

Wilhelm Goschy

Digitale Nachzügler unter Deutschlands Industrieunternehmen drohen den Anschluss beim Thema Smart Factory zu verlieren, das zeigt der „Deutsche Industrie-4.0-Index 2022“. Der erste Schritt, um die digitale Lücke zu schließen, ist die Schaffung von Transparenz bezüglich der eigenen Prozess- und Transaktionsdaten.

Der Aufbau einer vollständigen Smart Factory fasziniert die Verantwortlichen in der Industrie seit mehr als einem Jahrzehnt. Wie weit die hiesigen Unternehmen auf dem Weg vorangeschritten sind, mithilfe smarter Produktionsmethoden intelligente Produkte und Dienstleistungen anzubieten, misst die Staufen AG seit nunmehr acht Jahren mit dem Deutschen Industrie-4.0-Index. Die Kennzahl zeigt damit auch, wie sich die Wandlungsbereitschaft der Betriebe im Laufe der Zeit verändert. Der aktuelle Index spiegelt eine drohende Spaltung der Industrie wider.

 

Positive Kettenreaktion bei digitalen Vorreitern

So sind einerseits smarte Geschäftsmodelle keine Schaufensterprojekte mehr, sondern gehören in vielen Unternehmen bereits zum operativen Alltag, wie der Index in der Kategorie „Smart Business“ zeigt. Die Kennzahl liegt aktuell bei 44 Punkten – und ist damit im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 um 12 Punkte gestiegen. Bei den digitalen Vorreitern führte die Bereitschaft zur Digitalisierung zu einer offensiveren Grundeinstellung und löste eine positive Kettenreaktion aus. Da die Unternehmen das Potenzial der Transformation frühzeitig erkannt haben, können sie ihre Prozesse und Produkte mittlerweile so intelligent ausrichten, dass sie einen echten Mehrwert für den Kunden bieten.

 

 

 

 

Digitale Nachzügler brauchen einen klaren Fahrplan

Aber es gibt auch zahlreiche Nachzügler, die in Einzel- und Pilotprojekten stecken bleiben und bestenfalls kleine Sektoren digitalisieren. Der Elan, zu einer Smart Factory zu werden, scheitert bisher daran, lang etablierte Prozesse intelligent und effizient zu gestalten. Das belegt der 4.0-Index in der Kategorie „Smart Factory“: Seit 2019 stagniert der Wert bei 45 Punkten, weil bislang erst knapp jedes zweite Unternehmen die intelligente Fabrik wirklich operativ umsetzt, während die anderen noch testen und ausprobieren.

Und der Abstand zwischen Vorreitern und Nachzüglern wächst. Um aufzuholen, benötigen die langsameren Unternehmen deshalb einen klaren Fahrplan und ein definiertes Ziel, dessen Erreichung auch gemessen werden kann. Dafür müssen sie Transparenz bezüglich ihrer Prozess- und Transaktionsdaten schaffen. Ist diese beispielsweise mittels einer Process-Mining-Software hergestellt, gelingt es recht schnell, durch die Automatisierung von Routineaufgaben die Transaktionskosten zu senken sowie Mitarbeitende von monotonen und langweiligen Arbeiten zu entlasten.

 

Zum Autor:

Wilhelm Goschy ist CEO der Staufen AG. Seit 2011 ist der Lean-Experte Vorstandsmitglied der internationalen Transformationsberatung. Dort verantwortet er den Bereich Business Development sowie die strategische Branchen- und Marktbearbeitung. Goschys Beratungsschwerpunkte liegen auf wertstromorientierten Fabrikkonzepten, der Implementierung von Wertschöpfungssystemen und dem Coaching von Führungskräften. Außerdem war er in den vergangenen Jahren maßgeblich am Ausbau des Auslandsgeschäfts der Staufen AG beteiligt.

www.staufen.ag