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Creditreform

Gerade kleinere und mittlere Unternehmen sehen sich personell nicht in der Lage Investitionen in Innovationen zu tätigen, oder wollen keine neuen Produktbereiche schaffen oder haben sich bisher noch keine konkreten Gedanken zum Thema Innovation gemacht. Oftmals ist es auch wegen finanzieller Lücken nicht möglich seitens der kleinen und mittleren Unternehmen die Kosten in neue Entwicklungen und in Produktveränderungen aus dem laufenden Geschäft zu tragen.

Den Aspekt der finanziellen Schwäche vieler Unternehmen hat sich die Europäische Union und damit auch Deutschland im Speziellen angenommen. Viele Banken sehen sich bei Unternehmen mit Investitionsabsichten aber bei gleichzeitig schwacher Bonität in der Positionen, eine Kreditanfrage negativ zu beschließen und dann hat das Unternehmen zwar den Willen zur Innovation, aber keine Finanzmittel dafür. Der Innovationszwang liegt aber grundsätzlich vor, denn Unternehmen ohne Investitionen in Innovationen, können sich nicht dauerhaft gegen die Konkurrenz behaupten. Kunden wollen Produkte und Dienstleistungen die aktuell sind. Es reicht somit nicht, die bestehenden Produkte und Dienstleistungen hoch zu loben, um diese zu verkaufen, sondern Unternehmen – gerade kleine und mittlere –müssen insgesamt innovativ sein.

Seitens öffentlicher Förderstellen (hier nachfolgend die Aussage der KfW Mittelstandsbank) ist die Innnovationsaktivität eine zentrale Quelle für die Wettbewerbsfähigkeit. Diese Aktivität von KMU (kleine und mittlere Unternehmen) hat sich in den zurückliegenden Jahren rückläufig entwickelt. Der Anteil der Innovatoren unter den mittelständischen Unternehmen (bis 500 Mio. EUR Umsatz) sank von 43 % im Zeitraum von 2004–2006 auf 29 % im Zeitraum 2012–2014.1 Auch der Anteil der Innovationsausgaben, der von Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten erbracht wird, ging von 42 % (1995) auf 22 % im Jahr 2014 zurück. Im Ergebnis sind es 14% weniger Unternehmen die in Innovation investieren. Die Investitionen gingen in den letzten 20 Jahren um 20% zurück. Bemerkenswert ist, dass der Branchenbereich Elektro, Maschinen und Pharma eher gleichbleibende Investitionsmengen vornimmt Der Teil der KMU, die vorher schon weniger in Innovation investiert haben, haben noch weniger Investitionen vorgenommen!

Eine Übersicht stellt die inhomogene Struktur der KMU Innovationsinvestitionen dar:

  • Größe und Wirtschaftszweigzugehörigkeit sind Parameter für die Investitionsbereitschaft und Investitionsausrichtung
  • Es ergeben sich große Unterschiede der Innovationsaktivitäten aus den betriebswirtschaftlichen Parametern
  • Ca. zwei Fünftel der Innovatoren führen gelegentlich oder kontinuierlich eigene FuE-Arbeiten durch
  • Ca. drei Fünftel verzichten auf eigene Forschung und Entwicklung
  • Rund zwei Drittel schaffen mit ihren Innovationen individuelle Kundenlösungen
  • Ein Viertel zielt auf die Technologieführerschaft in der jeweiligen Branche ab
  • Ebenso viele KMU geben an, lediglich auf Innovationen ihrer Wettbewerber zu reagieren.

Die Abhängigkeiten zwischen Liquiditätsmangel und Innovationszwang stellt damit auch die Volkswirtschaften vor Entscheidungen, um den kleinen und mittleren Unternehmen mehr Anreize zu eigenen bzw.- wieder mehr Innovationen zu geben. Es braucht deshalb eine Lösung für Investitionshindernisse. Dazu haben sich in Deutschland jetzt einige Förderstellen vom Europäischen Investitionsfonds Rückendeckung geholt und neue Förderprogramme für kleine und mittlere Unternehmen auf den Weg gebracht: Die InnovFin-Vereinbarung.

Zu dieser Vereinbarung haben sich folgende Förderbanken und Landesförderinstitute zusammen gefunden:

  • Europäischer Investitionsfonds (EFSI) als Kooperationspartner
  • NRW.BANK für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen
  • Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) für Unternehmen in Hessen
  • Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) für Unternehmen in Rheinsland-Pfalz
  • Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) für Unternehmen in Schleswig-Holstein
  • Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) für Unternehmen in Hamburg
  • Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) für Unternehmen in Brandenburg
  • Investitionsbank Berlin (IBB) für Unternehmen in Berlin

Damit gibt es für die nächsten zwei Jahre Kredite mit 70% Risikoentlastung. Das bedeutet, dass Banken die Unternehmen Kredite für Innovationsvorhaben geben möchten, mit diesem Förderprogramm eine 70%-tige Freistellung vom Kreditrisiko erhalten. Dies hat für die Bank wirtschaftliche und risikoentlastende Vorteile, wenn der Kredit doch ausfallen sollte. Antragsteller können Unternehmen bis 499 Mitarbeiter sein und nicht nur Unternehmen im sonst bekannten Rahmen der KMU Definition. Vorteil: es haben mehr Unternehmen Zugang zu diesem Förderprogramm.

Die Kreditsummen sollten zwischen 100.000,-€ und ca. 1.Mio.€ liegen und sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Gerade innovative Unternehmen, die sich sonst schwer tun mit der Kreditbeschaffung werden mit diesem neuen Förderprogramm die geplanten Investitionen leichter umsetzen können. Auch Unternehmen die es bisher schwerer hatten Kredite für Ihre Vorhaben bekommen, weil es meist neue Produkte oder Verfahren sind, sollen in den Genuss der Förderung kommen. Auch bei Erschließung neuer Märkte, können kleine und mittlere Unternehmen mit dem neuen Förderprogramm besser Zugänge zu gesicherten Krediten erhalten.