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Creditreform

Mehr als jedes vierte Unternehmen meldet Schwierigkeiten beim Zugang zu Krediten. Zu diesem Ergebnis kommt die KfW in ihrer aktuellen Unternehmensbefragung. Gegenüber dem Frühjahr 2020 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt. Worauf sich Unternehmen bei der Kreditvergabe einstellen sollten:

 

Carl-Dietrich Sander

Carl-Dietrich Sander berät seit mehr als 20 Jahren Unternehmen in Finanzierungsfragen. © privat

Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung, die die KfW jährlich gemeinsam mit Spitzenverbänden sowie Fach- und Regionalverbänden der deutschen Wirtschaft durchführt, zeigen deutlich die mittelfristigen Folgen der Corona-Krise – und eine zunehmende Kreditzurückhaltung von Banken und Sparkassen.

Worauf sich Unternehmen dabei konkret einstellen sollten, macht eine weitere Umfrage des Bundesverbands Die KMU-Berater aus dem Januar 2021 deutlich.

 

Banken und Sparkassen verschärfen Kreditbedingungen

Die KMU-Berater hatten Kreditverantwortliche aus Banken und Sparkassen befragt, wie sich aus ihrer Sicht die Kreditbedingungen mit Blick auf die Corona-Krise und ihre Folgen verändern werden.

Die Antworten zeigen deutlich, dass es nicht um eine bloße Veränderung geht, sondern um eine deutliche Verschärfung. Und damit werden sich nach den Ergebnissen dieser Umfrage nicht nur die Unternehmen auseinander setzen müssen, die unmittelbar oder mittelbar negativ von der Corona-Krise betroffen sind.

 

Rating der Unternehmen wird sich in der Breite verschlechtern

Auf dieser Einschätzung der Kreditverantwortlichen gründen sich die weiteren Schritte in der Verschärfung der Kreditbedingungen: „Wie ist Ihre Erwartung in Bezug auf den Anteil an Unternehmen im Kreditportfolio, deren Rating sich mit dem Jahresabschluss 2020 verschlechtern wird?“

Auf diese Frage waren drei Bandbreiten von Ratingverschlechterungen zur Auswahl vorgegeben. Und die Kreditverantwortlichen kamen zu einer deutlich negativen Beurteilung:

  • Ratingverschlechterung bei weniger als 20 Prozent aller Firmenkunden: 13,3 Prozent
  • Ratingverschlechterung bei 20 – 5 Prozent aller Firmenkunden: 70,8 Prozent
  • Ratingverschlechterung bei 50 – 70 Prozent aller Firmenkunden: 15,9 Prozent

Vor dem Hintergrund dieser Bewertung – oder müsste man eher sagen: Befürchtung? – wird verständlich, wenn die Kreditgeber darüber nachdenken, mit welchen Maßnahmen sie zunehmende Risiken in ihren Kreditbüchern am besten begrenzen können.

Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung der KfW zeigen eine mittlere Realität: „Die Corona-Krise hat auch die Ratingnoten vieler Unternehmen im vergangenen Jahr unter Druck gesetzt – 34,5 Prozent der Unternehmen meldeten eine Verschlechterung der Bonitätsbewertung.

Lediglich 16 Prozent der befragten Unternehmen konnten ihre Ratingnote verbessern.“ Allerdings müssen wir davon ausgehen, dass die Mehrzahl der kleinen und mittleren Unternehmen ihre Jahresabschlüsse 2020 noch gar nicht erstellt hat.

Die Ratings auf Basis aktueller Zahlen stehen also für eine große Zahl von Unternehmen noch aus.

 

Darauf sollten sich Unternehmen einstellen: Die Kredithürden-Pläne der Banken

Der Jahresabschluss 2020 sollte als Basis für eine Kreditentscheidung vorliegen. Das ist für viele Unternehmen aber selbst im Sommer noch keine Realität. Die Aufgabe ist aber klar gestellt: Mit der Steuerberatungskanzlei jetzt den Fahrplan aufstellen, damit der Jahresabschluss 2020 vorliegt, wenn Gespräche über Verlängerungen von Krediten oder neue Kreditanfragen anstehen.

Die Anforderungen an die laufende Berichterstattung werden die Institute erhöhen. Das betrifft die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) und die Forderung nach Zielen, Planzahlen und in der Folge Plan-Ist-Vergleichen. Diese Aussage treffen 83 Prozent der Antwortenden.

Banken werden gemäß ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen häufiger die Nachbesicherung bestehender Engagements verlangen. Immerhin 73 Prozent der Befragten nannten diese Möglichkeit. Das bedeutet: Für bereits bestehende Kredite weitere Sicherheiten verlangt, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung des Kunden verschlechtert oder auch nur zu verschlechtern droht (so die Formulierung in den AGBs).

63 Prozent sehen die Erhöhung von Zinsen und Gebühren 63 als angemessenen Weg. Auch die Reduzierung bestehender Kreditlinien können sich 38 Prozent vorstellen.

Die KfW-Umfrage zeigt, dass auch dies von Unternehmen schon vielfach als Realität wahrgenommen wird, denn als Gründe für die Verschlechterung der Kreditaufnahme wurden genannt (Mehrfachnennungen waren wie auch bei der Umfrage der KMU-Berater möglich)

  • Anforderungen an Offenlegung: 36,9 Prozent
  • Anforderungen an Dokumentation: 36,7 Prozent
  • Mehr Kreditsicherheiten: 29,8 Prozent
  • Langwierige Bearbeitungs-bzw. Entscheidungsdauer: 23,4 Prozent
  • Höhere Zinsen: 10,6 Prozent

 

Bedingungen für weitere Kredite

Wenn Unternehmen weitere Kredite benötigen, werden Kreditverantwortliche nach der Umfrage der KMU-Berater vor allem auf folgende Punkte achten:

  • Eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse muss eindeutig durch die Corona-Krise verursacht sein.
  • Ein positives Eigenkapital muss weiterhin vorhanden sein.
  • Die persönliche Haftung für die Kredite muss gegeben sein.
  • Kredite müssen besichert sein (zumindest zum Teil).

 

Verhandlungsposition vor einem Kreditgespräch klären

Beide Umfragen zeigen, dass die Sicherung der Unternehmensfinanzierung klare Chefaufgabe ist. Unternehmen sollten sich ein realistisches Bild von ihrer Verhandlungsposition machen, bevor Sie in Kreditgespräche gehen.

Einen Selbstcheck dazu bieten die KMU-Berater ebenfalls an: www.checkliste-unternehmensfinanzierung.kmu-berater.de.

Zum Autor:

Carl-Dietrich Sander kennt beide Seiten des Besprechungstisches in Finanzierungsfragen: 20 Jahre war er in der Firmenkundenbetreuung von Banken tätig, zuletzt neun Jahres als Vorstandsmitglied der Volksbank Neuss. Seit 1998 ist er selbstständig als freiberuflicher UnternehmerBerater: Trainer, Berater, Fachautor rund um die Themen Liquidität, Finanzierung, Rating, Bankenkommunikation. Unter anderem für die NRW.BANK hält er Unternehmer-Seminare. Sein Buch aus dem NWB-Verlag „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ ist eines der umfassenden Arbeitsbücher für Unternehmer und Berater zu seinem Themenkreis. Im Bundesverband „Die KMU-Berater“ ist er Mitglied der Fachgruppe Finanzierung-Rating.
http://www.cd-sander.de