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Die wichtige Frage, worauf es bei einem Bewerber zuerst ankommt, wenn er zum Interview erscheint, stellen sich viele Mittelstandsunternehmen nicht wirklich. Vielfach verlässt man sich auf eine Kombination aus Bauchgefühl und nachweislicher Qualifikation und zeigt sich mitunter sogar stolz, dass man sich auf die Intuition verlassen kann. Was meiner Meinung nach wirklich zählt, erfahren Sie hier.

Work-Life-BalanceDie neue Bundesligasaison steht vor der Tür. Mein Sohn und ich sind schon gespannt wie Flitzebögen wie sich „unser“ FC Köln im neuen Jahr schlagen wird. Endlich Spitze? Oder doch nur wieder die wankelmütige Diva vom Rhein mit karnevalistischem Zusatztief? Immerhin. Darmstadt ist wieder dabei. Gleich am ersten Spieltag in Köln. Das Darmstadt, gegen das unser Herzensclub im letzten Jahr den Klassenerhalt gesichert hat. Viermal hat es im gegnerischen Kasten geklingelt: 2x Modeste, 2x Risse plus das FC-übliche Gegentor im Konzentrationsloch.

Vielleicht spüren Sie unsere Sehnsucht. Da muss doch mehr drin sein als nur der Nicht-Abstieg. Okay, okay: So unbeständig der Club die letzten 20 Jahre agiert hat, ist das Niemandsland der Tabelle fast schon ein Quantensprung. Dennoch. Dürfen wir nicht auch erwarten, was wir hoffen?

Schauen Sie sich auf Youtube ein paar Videos mit Lionel Messi an. Alles sieht so leicht aus, wenn er den Ball mit Effet sogar von einer Position hinter der Grundlinie ins Tor zwirbelt. Oder wie er einen Weltklasseverteidiger wie Piquet zumindest optisch mit einem Beinschuss zum blutigen Anfänger degradiert. Messis Videos finden Sie an allen Ecken und Enden im Netz. „Spektakulär“? Dieser Begriff reicht bei Weitem nicht aus, um das Können des kleinen Argentiniers zu beschreiben.

Was Messi mit dem FC zu tun hat? Nicht viel, und mir blutet fast das Herz deshalb – aber vielleicht lässt sich etwas daraus lernen …

Inspiration und Transpiration

Dass dieser Superstürmer ein Jahrtausendtalent ist, bleibt unbestritten. Doch das allein hätte ihn 2016 nicht zum fünffachen Weltfußballer werden lassen. Schon Thomas Alva Edison proklamierte: „Genie ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“ Ob Sie Messi sehen, Ronaldo oder Paul Pogba, den jüngst teuersten Transfer der Fußballgeschichte: Sie sind nicht nur genial am Ball, sondern auch große Kämpfer und extreme Arbeiter, die auch dann noch Freistöße trainieren, wenn die anderen schon beim Physio ihre Massagen nehmen. Klar übertrifft der Fleißige irgendwann das schlampige Genie. So konnte selbst aus dem eisenharten Guido Buchwald ein „Diego“ (in Anlehnung an Maradona) werden. Doch im besten Fall gehen Genie, Fleiß und Ehrgeiz eine unschlagbare Symbiose ein.

Natürlich leben Fußballer sehr davon, dass sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben und dass die Liebe zum Ball ihr Verlangen nach Vervollkommnung schürt. Und vielleicht ist es zu viel verlangt, dieses Genie und diese Hingabe etwa auch im Einzelhandel oder der Gastronomie zu erwarten. Dennoch treffe ich immer und überall gelegentlich auf einen Messi des Verkaufs oder einen Ronaldo, der virtuos und lächelnd das Kaffeetablett zwischen den vollen Tischen hindurch jongliert. Und das alles ohne Millionen. Ich LIEBE das und bin immer wieder neu fasziniert.

Leistung aus dem Herzen heraus

Ich stehe auf Menschen, die einen tollen Job abliefern, vom Kellner und anderen angefangen, bis zum Oberbürgermeister und darüber hinaus. Doch scheinbar sind diese Edelsteine selten, und das auf allen Ebenen und unabhängig vom Verdienst, den sie einstreichen. Diese Menschen sind Spitzenleister, weil es ihnen ein tiefes Bedürfnis ist. Sie brauchen keinen Boss, der die Peitsche schwingt oder ein astronomisches Trinkgeld, um zu „performen“, wie man neudeutsch so gerne sagt. Wer das einmal erlebt hat, kann künftig sehr gut aushalten, wenn die mürrische und lahme Bedienung nach der Bezahlung mosert: „Hab ich’s doch gewusst, dass der Typ kein Trinkgeld gibt …“

Ich frage mich da immer: Würde ich heute noch jemanden einstellen, der seinen Job vorwiegend fürs Geld macht? Logisch: Geld ist wichtig, und welchen Job man ins Auge fasst, ist immer auch eine Frage des Angebots und der Alternativen. Wer aber nur fürs Gehalt kommt, geht auch deshalb wieder und kennt nur dieses eine Stimulans, um sich wirklich reinzuknien. Wenn wir genau hinschauen, gibt es in jedem anständig bezahlten Job Phasen in denen man sein Geld süßer oder saurer verdient. Leider nehmen zu viele das erste selbstverständlich und schreien nach Kompensation, wenn das zweite angesagt ist. Ich habe das in vielen Unternehmen erlebt, die wir beraten haben. Heute bleibe ich gelassen, wenn man mich böse angeht, nur weil ich gerne mal auf den Mitarbeiter verweise, der immer genau dann ein Magenproblem hat, wenn er am Wochenende den Messestand besetzen soll.

Falscher Rat wird teuer. Die besten Einstellungskriterien

Wenn ich CEOs oder Vertriebsleiter im Hinblick auf fundierte Einstellungskriterien für zentrale Positionen berate, propagiere ich vier Kriterien, die exakt in der Reihenfolge einzuhalten sind, wie man sie bei Lionel Messi findet – ganz egal, ob wir von der Generation X, Y oder Z reden:

1. Leidenschaft: Brennen die Bewerbenden darauf, diesen Job klasse zu machen, sind sie richtiggehend „heiß“ auf diese Herausforderung? Oder steht die Less-Work-More-Life-Balance im Vordergrund, weil „Work“ nur das lästige Pflichtprogramm für die Kür des prallen Lebens ist? Fallen auch Notfälle unters innere Wochenendfahrverbot, wenn die PS außer der Reihe mal auf die Straße müssen?

2. Die K.-o.-Kriterien (frei interpretiert nach Jack Welch): Ist der Bewerbende loyal, integer und intrinsisch motiviert? Ein Stehaufmännchen oder eine Frau mit ähnlichen Qualitäten, einem hellwachen Geist und einem motivierenden Auftreten? Oder fehlt eines oder mehrere davon? Dann kommt eine Weile nichts vor den berühmten …

3. sozialen Kriterien: Wie gut passen die Neuen ins Team? Stellen Sie sich doch einfach die Frage, ob Sie sich vorstellen können, mit den Neuen auf dem Beifahrersitz eine Woche zu Kunden durch Deutschland zu fahren und die Abende anschließend gemeinsam an der Hotelbar zu verbringen? Und schließlich, wieder mit einigem Abstand folgt sie Frage nach den …

4. fachlichen Qualifikationen: Richtig gelesen: Erst an dieser Stelle. Nur Platz vier? Definitiv – und verzichtbar sind sie eigentlich auch. Oder wie Josef Ackermann, Ex-CEO der Deutschen Bank es einmal formuliert hat: „Persönlichkeit kann man nicht lernen. Aber eine Persönlichkeit kann alles lernen.“

Nach diesen Ausführungen stelle ich Ihnen erneut die Frage: „Mir geht’s bei meinem Job vor allem um ein vernünftiges Einkommen.“ –  Würden Sie diesen Kandidaten einstellen? Können Sie es sich im Mittelstand leisten, einen oder sogar eine kleine Armada solcher Leute einzustellen? Vermutlich nicht. Auch bei den perspektivreichen Einstellungen muss ein Ruck durch den Mittelstand gehen. Egal wie gut jemand fachlich ist – wenn dieses Licht das Dunkel in den anderen Bereichen überstrahlt, müssen Sie das wahrnehmen und entsprechend entscheiden. Aus einem U wird schnell ein X, wenn man nicht aufmerksam hinschaut.

Wenn Sie mit mir diskutieren wollen – konstruktiv UND gerne auch kontrovers, so erreichen mich hier oder unter milz@milz-comp.de.