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Creditreform

Erfolgsmeldung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) für das Geschäftsjahr 2014! So kann man den Beitrag in der SparkassenZeitung vom 13.03.2015 zur Bilanzpressekonferenz interpretieren. Es werden aber nur Zahlen für die gesamte Sparkassengruppe genannt! Und was interessiert den Mittelständler: Seine Sparkasse – und nicht der Durchschnitt.

Bleiben wir zuerst beim Durschnitt aller 416 Sparkassen: Die Zahlen 2014 sind zum Teil wirklich beeindruckend, andererseits nachdenklich stimmend:

Positiv: Zinsüberschuss leicht gesteigert, Provisionsüberschuss gesteigert! Aber: Betriebsergebnis vor Bewertung leicht gesunken – steigende Kosten. Risikovorsorge im Kreditgeschäft „historisch niedrig“ mit Euro 0,3 Mrd. Immerhin: Weiterer Ausbau des Eigenkapitals auf eine Kernkapitalquote von jetzt 14,5 %!

Aber der Ausblick ist sehr skeptisch! Der Zinsüberschuss wird „dank“ EZB-Tiefzinspolitik zurückgehen, ob der Provisionsüberschuss gehalten werden kann, erscheint fraglich und wie stark Kostensenkungen realisiert werden können ebenso. Und das Damoklesschwert liegt in der Konjunktur: Sollte diese nicht mehr so gut laufen, wird mit Sicherheit die Risikovorsorge im Kreditgeschäft wieder zunehmen!

Und damit wird ein weiteres Defizit in der Berichterstattung des DSGV deutlich: Es werden nur absolute Zahlen genannt. Bei der Analyse der Gewinn- und Verlustrechnung kommt es aber auf die relativen Zahlen an: Alle Zahlen in % der durchschnittlichen Bilanzsumme. Frage daher: Auch wenn der Zinsüberschuss noch leicht gestiegen ist – ist die Zinsspanne (also Zinsüberschuss in % der durchschnittlichen Bilanzsumme) gesunken? Sprich Volumenszuwachs überkompensiert – noch – den Margenrückgang? Spannende Frage auch nach dem Betriebsergebnis vor Bewertung in %: Eine alte Faustregel sagt, diese Zahl muss nachhaltig bei 1 % der durchschnittlichen Bilanzsumme liegen, um Risiko, Steuern und Rücklagenbildung und evtl. Ausschüttung an die kommunalen Gewährsträger zu finanzieren. Dazu leider keine Aussage!

Und wie sieht es nun bei der Sparkasse aus, die Ihr Unternehmen finanziert?

Nochmals: Der DSGV nennt Durchschnittszahlen! Vielleicht zeigt Ihre Sparkasse viel bessere Zahlen als der Durchschnitt. Vielleicht aber auch deutlich schlechtere?! Im letzteren Fall könnte sich das auf die Kreditvergabepolitik Ihrer Sparkasse restriktiv auswirken. Von Ihnen verlangt Ihre Sparkasse Zahlen „bis auf die nackte Haut“. Berichtet Ihnen Ihre Sparkasse auch etwas zu den eigenen Zahlen?

Ein regionales Beispiel: Die Sparkasse Neuss (Bilanzsumme Euro 6,3 Mrd. und damit unter den 35 größten Sparkassen) berichtet für 2015 von „soliden Zahlen“ – so die Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 28.03.2015. Aber: Das Betriebsergebnis liegt bei 0,76 % der durchschnittlichen Bilanzsumme – und wird für 2015 bei ca. 0,70 % prognostiziert.

Vielleicht sollten Sie bei Ihrer Sparkasse (und auch Ihrer Volks- oder Raiffeisenbank) einmal nachfragen. Und dann überlegen, ob Ihr Finanzierungs-Mix noch dauerhaft tragfähig ist? Die Zeit der nur einen Hausbank zum Beispiel sollte heute der Vergangenheit angehören. Und wie steht es um die Nutzung weiterer Finanzierungsbausteine?