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Creditreform

Viele Unternehmen werden das Thema Nachhaltigkeit auch in Kreditgesprächen bereits erleben.

 

© Carl-Dietrich Sander

Sei es, dass sie selber ihre diesbezüglichen Aktivitäten ansprechen. Sei es, dass die Bank mehr oder weniger gezielt danach fragt, was das Unternehmen denn mit Blick auf Nachhaltigkeit bereits tut.

Dabei werden diese Fragen seitens der Bank heute eher bei spezifischen Branchen auftreten als in der gesamten Breite der Firmenkundschaft.

Bankenaufsicht wird aktiv

Das jedoch könnte sich bald ändern. Der Hintergrund dazu ist ein Merkblatt, das die Bankenaufsicht (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – BaFin) Ende Dezember 2019 veröffentlicht hat mit dem Titel „Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“.

Ein Merkblatt ist noch keine Verordnung, an die sich alle Kreditinstitute zu halten haben. Ein Merkblatt zeichnet auf, wo die Überlegungen der Bankenaufsicht hingehen.

Und meistens folgen dann im weiteren Zeitverlauf regulatorisch verbindliche Schritte. Zumal an diesem Thema derzeit auch die Aufseher auf der europäischen Ebene arbeiten.

Das Merkblatt umfasst immerhin 34 Seiten und beschreibt, wie die BaFin Nachhaltigkeitsrisiken definiert und was sie den Instituten zum Umgang damit nahelegt.

Auch wenn sich dieses Merkblatt an die Kreditinstitute richtet. Unternehmen tun gut daran, sich damit zu beschäftigen. Denn vor diesem Hintergrund dürfte es absehbar sein, wann diese Themen auch in den Fragekatalogen der Ratingsysteme auftauchen werden.

 

Unternehmen arbeiten an ihrer Nachhaltigkeit

Natürlich beschäftigen sich viele Unternehmen bereits mit ihren Nachhaltigkeitsthemen. Und sie tun das für sich – d.h. für ihre Kunden, Mitarbeitenden, Lieferanten, Gesellschafter, . . .

An ihre Kreditgeber haben viele Unternehmen dabei vermutlich nicht in erster Linie gedacht. Aber in zweiter Linie – sozusagen als Sekundär-Effekt – sollten Unternehmen das jetzt tun vor dem geschilderten Hintergrund.

Über welche Themen reden wir denn eigentlich unter der Überschrift „Nachhaltigkeit“? Oder über welche Risiken, um in der Wortwahl der Bankenaufsicht zu bleiben? Ganz grob können wir zwei Dimensionen unterscheiden:

  • Innerbetrieblich: Wie sieht der CO2-Fußabdruck des eigenen Unternehmens aus? Was tun wir bereits und könnten wir darüber hinaus selber und in unserer Wertschöpfungskette tun, um diesen weiter zu reduzieren?
  • Strategisch: Wie wird unser Geschäftsmodell, also vor allem unsere Kundenbasis und damit unser Produkt- / Dienstleistungsangebot, sich durch Nachhaltigkeitsthemen verändern? Wir wollen wir diese Veränderungen vorausschauend aufgreifen und das Geschäftsmodell anpassen, verändern oder gar komplett umstellen – damit wir auch in fünf oder zehn Jahren noch erfolgreich am Markt agieren?

Katalog von Nachhaltigkeitsthemen und -risiken

Die Bankenaufsicht benennt in dem Merkblatt u.a. folgende Risiken und orientiert sich dabei den ESG-Kriterien (Environmental/Umwelt – Social/Soziales – Governance/Unternehmensführung):

  • Umwelt
    • Klimaschutz
    • Anpassung an den Klimawandel
    • Übergang zur Kreislaufwirtschaft
    • . . .
  • Soziales
    • Einhaltung anerkannter arbeitsrechtlicher Standards (keine Kinder- und Zwangsarbeit, keine Diskriminierung)
    • Einhaltung Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
    • Angemessene Entlohnung
    • Produktsicherheit
    • . . .
  • Unternehmensführung
    • Steuerehrlichkeit
    • Verhinderung von Korruption
    • Gewährleistung Datenschutz
    • . . .

Schon dieser Auszug zeigt, dass hier ein weiter Bogen an Themen und Risiken gespannt wird.

Und um es nochmals zu betonen: Unternehmen beschäftigen sich mit diesen Themen (und sollten es vielleicht noch intensiver tun) für sich selber. Dann können die Aspekte dieser Beschäftigung aber auch aktiv in Bankgespräche eingebracht werden.

 

Selbst gegenüber Kreditgebern aktiv werden

Unternehmen sollten nicht abwarten, bis sie von ihren Kreditgebern auf Nachhaltigkeitsthemen angesprochen oder „abgefragt“ werden. Gehen Sie selber aktiv in die Kommunikation.

Bauen Sie diese Themen natürlich in Ihre Unternehmensbeschreibung oder das Unternehmenskonzept mit ein. Und natürlich überreichen Sie dies dann im Rahmen der Finanzierungsunterlagen auch den Kreditgebern.

Wenn Sie die Risikosicht der BaFin im Detail interessiert – hier finden Sie das Merkblatt zum Download.

Zum Autor:

Carl-Dietrich Sander kennt beide Seiten des Besprechungstisches in Finanzierungsfragen: 20 Jahre war er in der Firmenkundenbetreuung von Banken tätig, zuletzt neun Jahres als Vorstandsmitglied der Volksbank Neuss. Seit 1998 ist er selbstständig als freiberuflicher UnternehmerBerater: Trainer, Berater, Fachautor rund um die Themen Liquidität, Finanzierung, Rating, Bankenkommunikation. Unter anderem für die NRW.BANK hält er Unternehmer-Seminare. Sein Buch aus dem NWB-Verlag „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ ist eines der umfassenden Arbeitsbücher für Unternehmer und Berater zu seinem Themenkreis. Im Bundesverband „Die KMU-Berater“ leitet er die Fachgruppe Finanzierung-Rating.
http://www.cd-sander.de