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Creditreform

Wie sensibel achten Sie auf die Signale, die Ihnen Ihre Banken geben – unverblümt oder auch zwischen den Zeilen?

Ein aktuelles Beratungsbeispiel zeigt, das selbst recht direkte Hinweise offenbar nicht immer ernst genommen werden:

Der Handwerksbetrieb aus dem Baunebengewerbe hatte 2013 zum ersten Mal Verluste geschrieben mit der Folge eines negativen Eigenkapitals in der GmbH & Co. KG. Umstrukturierungen führten im Laufe des Jahres 2014 zu positiven Veränderungen, die auch die Betriebswirtschaftliche Auswertung zeigte, allerdings blieb die Kontoführung angespannt. Ende Oktober sprach die Hausbank den Kunden und seinen Steuerberater parallel an und bat um ein Gespräch über die Bankverbindung. Die Antwort des Steuerberaters: Dafür habe er leider in den kommenden Woche keine Zeit. Dazu erklärte er seinem Mandanten, alles sei in Ordnung und kein Anlass zur Besorgnis, die Bank könne ja nichts machen.

Die Bank konnte: am 27.11.2014 kam das Schreiben, mit dem die Hausbank die laufenden Kontokorrentkredite zum 31.01.2015 kündigte. Die Nachfrage des eingeschalteten Rechtsanwalts bei der Hausbank ergab, dass das Engagement mittlerweile in der Sanierungsabteilung betreut wurde und definitiv kein Interesse an der Aufrechterhaltung der Geschäftsverbindung bestehe; allerdings wolle man vom Unternehmen nichts Unmögliches verlangen und habe deshalb bewusst eine lange Kündigungsfrist gewählt.

Keine schöne Ausgangslage für das Unternehmen, um nun seine weiteren bestehenden Bankkontakte auf die Übernahme des gekündigten Hausbank-Engagements anzusprechen. Man darf gespannt sein.

Und wie es mit Hinweisen zwischen den Zeilen? Wie würden Sie zum Beispiel es bewerten und reagieren, wenn Ihre Banken von Ihnen Ihre Betriebswirtschaftliche Auswertung nicht mehr nur vierteljährlich erbittet sondern ab sofort monatlich? Oder Ihr Bankbetreuer plötzlich nicht mehr wie sonst zum Jahresgespräch zu Ihnen ins Unternehmen kommt, sondern Sie in die Bank bittet? Oder beim Gespräch unvermutet ein Kollege Ihres Betreuers mit dabei ist, der sich auf Nachfrage als Mitarbeiter aus der Marktfolge vorstellt? Oder im Bilanzgespräch viel intensiver als im Vorjahr Ihre Zahlen hinterfragt werden? Oder, . . .

Sensibilität im Umgang mit Ihren Kreditinstituten ist gerade jetzt „angesagt“! Basel III führt bei vielen Instituten zu einer Überprüfung und oft auch zu einer Verschärfung der Risikomaßstäbe!