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Creditreform

Aus Fehlern sollten Unternehmer lernen. Auch aus den Fehlern, die andere Unternehmen schon gemacht haben. Daher ist eine Studie interessant, über die das Handelsblatt im Januar 2022 berichtet hat mit der Überschrift „Wer aus Digitalisierung und Pandemie nichts lernt, wird am Thema Nachhaltigkeit scheitern“. Aus den Ergebnissen leiten sich sieben Fehler ab, die die Unternehmensführung gerade in kleinen und mittleren Unternehmen vermeiden sollte.

 

Carl-Dietrich Sander

Carl-Dietrich Sander berät seit mehr als 20 Jahren Unternehmen in Finanzierungsfragen. © privat

Krisensignale nicht beachten oder nicht ernst nehmen

Der Alarm für den entstandenen Handlungsdruck oder die bereits gegebene Engpass-Situation kommt laut Studie zu oft von Finanzierungspartnern und Beratern und nicht aus dem Unternehmen selber. Fragen an das unternehmerische Alarm-System aus sollten sein:

  • Welche betriebswirtschaftlichen Kennzahlen beobachten Sie mit welcher Systematik und auf welchem aktuellen Stand? Welche Instrumente nutzen Sie dafür – verfügen Sie dafür über eine unternehmensindividuelle oder auch qualifizierte BWA?
  • Wie systematisch nehmen Sie Signale aus Kunden- und Lieferanten-Kontakten sowie aus den Medien auf – selber und durch alle Mitarbeitenden?
  • Mit welchen Warnlinien steuern Sie Liquidität und Finanzierung?
  • Wie werden solche Informationen erfasst und dokumentiert, wo laufen diese Informationen zusammen und wie werden sie ausgewertet und von wem und welche Schlussfolgerungen und Aktivitäten werden abgeleitet, umgesetzt und das Umsetzen systematisch gesteuert?

 

Nur zu reagieren, statt proaktiv zu handeln

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer kennt dieses Zitat nicht? Wie oft erleben Sie Ihr Unternehmen in einer eher reagierenden Situation? Und welche Erfahrungen haben Sie mit vorausschauendem, unternehmerischem Handeln gemacht?

Agieren, das heißt. vorausschauend handeln, kann natürlich nur, wer Signale aufnimmt (siehe Fehler 1). Mit Blick auf die Ursache der Studie – also Corona: Wann haben Sie die ersten Signale aufgenommen und wie darauf reagiert? Welche Vorkehrungen gibt es in Ihrem Unternehmen für sich entwickelnde Krisensituationen? „Es fehlt oft der Plan B und C“ lautet eine Erkenntnis der Studie. Und das gilt nochmals verstärkt durch den Krieg gegen die Ukraine und die noch nicht wirklich absehbaren mittel- und langfristigen Folgen. Anregungen für einen „Plan B“ mit Blick auf eine sich anbahnende Rezession finden Sie zum Beispiel auf www.rezession-was-tun.de.

 

Zu selten Beratung in Anspruch nehmen

Zitat aus dem Handelsblatt: „Sie empfiehlt: mehr Kooperationen mit anderen Familienunternehmen, Start-ups und passenden Beratern, . . .“ Wie stehen Sie zu Beratung ganz allgemein und in speziellen Situationen? Wie lauten Ihre Antworten zum Beispiel auf die folgenden Fragen?

  • Wie nutzen Sie die Kompetenzen und Potenziale Ihrer Mannschaft – interne Beratung? Die Frage gilt für die 2. Ebene wie für alle Mitarbeitenden.
  • Wie konstruktiv und produktiv arbeiten Sie in der Geschäftsführung oder im Führungsteam zusammen? Wie gehen Sie speziell mit unterschiedlichen Einschätzungen, Meinungen, Konflikten um?
  • Wie intensiv ist Ihre Zusammenarbeit mit Ihrer Steuerberatungskanzlei zu steuerlichen sowie zu betriebswirtschaftlichen Themen?
  • Haben Sie einen „Unternehmerkollegen“ Ihres Vertrauens, mit dem Sie sich zu anstehenden Fragen und Problemen vertrauensvoll austauschen können?
  • Sie sind Mitglied in einer Erfahrungsaustauschgruppe Ihrer Branche oder auch branchenübergreifend wie etwa bei unternehmer-austausch.de?
  • Wann und zu welchen Themen nehmen Sie zusätzliche externe Kompetenz in Anspruch – etwa von einem Rechtsanwalt, einem Notar, Beratern und Co.?
  • Zu welchen Themen könnte externe Unterstützung noch sinnvoll, hilfreich sein? Welche Themenfelder sind eventuell in Ihrem Unternehmen qualitativ und / oder quantitativ nicht so gut besetzt – aber wichtig?
  • Kennen Sie Beraternetzwerke wie den Bundesverband Die KMU-Berater und die staatlichen Förderungen von Unternehmensberatungen?

 

Die Finanzierungspartner nicht als Partner ansehen

„Es macht keinen Sinn, den Finanzierer als Gegner zu sehen“ zitiert das Handelsblatt – allerdings ausgerechnet einen Banker. Viele Unternehmen sehen ihre Hausbank nicht als Finanzierungspartner sondern erleben sich eher in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis. Dieses Gefühl entsteht meist daraus, dass Unternehmen

  • ihre eigene Verhandlungsmachtposition nicht realistisch einschätzen können,
  • in der Kreditversorgung von nur einer Hausbank abhängig sind,
  • keine Sicherheiten- und Finanzierungs-Strategie erarbeiten und umsetzen.

Welche Überlegungen lösen diese Aspekte bei Ihnen aus? Sie finden hier bei den Mittelstandsbotschaftern viele weitere Beiträge auch zu diesen Themen.

 

Die Lieferketten nicht resilient zu machen

Dieses Thema ist mit Corona auf jedem Chef*innen-Schreibtisch angekommen. Wie sieht das in Ihrem Unternehmen aus z.B. mit Blick auf die folgenden Fragen:

  • Wer sind Ihre Hauptlieferanten und sind deren Lieferketten resilient?
  • Sind Sie bei strategischen Themen von nur einem Lieferanten abhängig?
  • Welche Erfahrungen haben Sie in den letzten Monaten mit den verschiedenen Lieferanten in der Zusammenarbeit gemacht?
  • Wie reagieren Ihre (wichtigen) Kunden auf Verzögerungen?
  • Welche Schlussfolgerungen leiten Sie daraus ab – auch um künftig womöglich nicht wieder in Engpässe zu geraten (siehe Fehler 1)?

 

Das Fremdbild nicht wahrnehmen

Ein Ergebnis der Studie: Die Sicht anderer auf die Unternehmen ist kritischer als der eigene Blick – also das sog. Selbstbild. Damit stellen sich ähnliche Fragen wie bei Fehler 3: Wie intensiv sind Sie im Austausch mit Anderen und nehmen der Eindrücke und Einschätzungen wahr und bewusst auf?

 

Das Thema Nachhaltigkeit unterschätzen

Die Überschrift zur siebten Lehre aus der Coronapandemie lautete im Handelsblatt-Beitrag: „Die Lernkurve hochhalten für das Thema Nachhaltigkeit“. Wie sieht Ihre Lernkurve dazu bisher aus und wie wollen Sie diese selber und mit Ihrer Mannschaft und ggf. externer Unterstützung auch von Unternehmerkollegen weiter ausbauen? Impulse zum Thema Nachhaltigkeit finden Sie in diesem Beitrag.

Zum Autor:

Carl-Dietrich Sander kennt beide Seiten des Besprechungstisches in Finanzierungsfragen: 20 Jahre war er in der Firmenkundenbetreuung von Banken tätig, zuletzt neun Jahres als Vorstandsmitglied der Volksbank Neuss. Seit 1998 ist er selbstständig als freiberuflicher UnternehmerBerater: Trainer, Berater, Fachautor rund um die Themen Liquidität, Finanzierung, Rating, Bankenkommunikation. Sein Buch aus dem NWB-Verlag „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ ist eines der umfassenden Arbeitsbücher für Unternehmer und Berater zu seinem Themenkreis. Im Bundesverband „Die KMU-Berater“ ist er Mitglied der Fachgruppe Finanzierung-Rating.
http://www.cd-sander.de