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Creditreform

Wilhelm Goschy

Die aktuellen Krisen setzen die globalen Supply Chains permanent unter Druck. Die Komplexität des eigenen Wertschöpfungsnetzwerks zu beherrschen, ist vor diesem Hintergrund nicht nur zum entscheidenden Wettbewerbs-, sondern mitunter zum Überlebensfaktor für Industrieunternehmen geworden.

Die Krisen der vergangenen Jahre haben Industriebetriebe in allen Branchen vor große Herausforderungen gestellt. Ihre weltweiten Lieferketten brachen ab, lange Wartezeiten, Engpässe und Produktionsstopps waren die Folge. Die Auswirkungen reichen bis in die Gegenwart, und es ist nicht davon auszugehen, dass die Zeiten ruhiger werden. Viele sehen im Nearshoring die Lösung der Lieferkettenprobleme. Zumindest ein Teil der Produktionsstätten und Lieferantenbetriebe befindet sich dann entweder im gleichen Land wie das Unternehmen oder in einem direkt angrenzenden EU-Staat. Droht damit das Ende der Globalisierung?

Auswahlkriterien für Netzwerkpartner: Leistungsfähigkeit schlägt Kostenvorteile

Nein, ein globales Standortnetzwerk bleibt ein wichtiger Baustein, um internationale Kontakte langfristig aufrechtzuerhalten und den Zugang zu diesen Märkten zu erhalten. Die anhaltenden Krisenzeiten zwingen Unternehmen jedoch, ihre Supply Chain neu zu organisieren, um Störungen frühzeitig zu erkennen, Risiken zu minimieren und Krisenfolgen zu bewältigen. Überdies reicht für die Neugestaltung des globalen Footprint ein traditionelles Lieferantennetzwerk nicht mehr aus.

Mit der ursprünglichen Vorstellung, dass Lieferketten linear sind, werden Unternehmen deshalb scheitern. In unserer komplexen Welt wandeln sich Wertschöpfungsketten stetig zu globalen, mehrdimensionalen Verflechtungen. Diese gilt es mit einem modernen Supply Chain Network Management und der passenden IT zu koordinieren. Für mehr Resilienz in der Lieferkette werden eine hohe Transparenz, ein zuverlässiger Informationsaustausch und eine effiziente Zusammenarbeit einzelner Teams benötigt. Netzwerkpartner werden nach ihrer Leistungsfähigkeit für bestimmte Produkte und ihrer Nähe zu Standorten des Unternehmens ausgesucht und nicht danach, wer besonders kostengünstig ist.

 

Neues Lieferkettengesetz: Ab Januar 2023 wird es in Sachen Nachhaltigkeit ernst

Schon heute zeichnet sich ab, dass sich der Wettbewerb künftig zwischen Wertschöpfungsnetzwerken abspielt und nicht mehr zwischen einzelnen Unternehmen. Die Beherrschung komplexer Supply Chain Networks wird deshalb zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die ihre Netzwerke agil auf den Kunden ausrichten und deren Netzwerkpartner perfekt zusammenarbeiten, werden als Gewinner hervorgehen.

Darüber hinaus bietet die Schaffung von Transparenz in der Lieferkette noch einen weiteren Vorteil: Wenn am 1. Januar 2023 das deutsche Lieferkettengesetz in Kraft tritt, sind Unternehmen (zunächst ab 3.000 Mitarbeitenden, ein Jahr später ab 1.000 Mitarbeitenden) verpflichtet, für die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutzauflagen entlang ihrer Supply Chain zu sorgen und ihre Aktivitäten in einem Nachhaltigkeitsbericht zu dokumentieren. Eine deutlich strengere europäische Richtlinie ist bereits in Arbeit und wird auch von der Bundesregierung unterstützt. Transparenz in der Lieferkette, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lieferanten und ein professionelles Risikomanagement helfen den Unternehmen, die gesetzlichen Anforderungen pünktlich und umfänglich zu erfüllen.

Die Staufen AG hat einen Ansatz für ein modernes Supply Chain Network Management entwickelt. Etliche global aufgestellte Unternehmen haben mit diesem Ansatz die Leistungsfähigkeit ihres Netzwerks und die Effizienz der Akteure erfolgreich steigern können. Beispiele und weitere Infos dazu finden Sie im aktuellen Staufen-Magazin.

Zum Autor:

Wilhelm Goschy ist CEO der Staufen AG. Seit 2011 ist der Lean-Experte Vorstandsmitglied der weltweit führenden Beratung für operative Exzellenz. Dort verantwortet er den Bereich Business Development sowie die strategische Branchen- und Marktbearbeitung. Goschys Beratungsschwerpunkte liegen auf wertstromorientierten Fabrikkonzepten, der Implementierung von Wertschöpfungssystemen und dem Coaching von Führungskräften. Außerdem war er in den vergangenen Jahren maßgeblich am Ausbau des Auslandsgeschäfts der Staufen AG beteiligt.

www.staufen.ag