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Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine dauert an. Sanktionen sind die Folge einer “Eiszeit“ zwischen Russland und fast dem ganzen Rest Europas und den USA. Diese treffen, zusammen mit dem Verfall des Ölpreises, die ohnehin schwache russische Wirtschaft hart.

Zwar nahm bereits vor dem Beginn des Konfliktes der Außenhandel mit Russland ab. Speziell im Jahr 2014 sind die Exporte deutscher Unternehmen nach Russland aber noch einmal stark zurückgegangen. Grund genug, einen genaueren Blick auf die 3,6 Millionen Mittelständler in Deutschland zu werfen.

Exakte Statistiken zum Auslandsengagement der kleinen und mittleren Unternehmen in Russland oder der Ukraine existieren nicht. Eine Schätzung kann helfen: Der Anteil der Russischen Föderation an den Gesamtexporten Deutschlands lag 2013 bei insgesamt 3,3 %, jener der Ukraine bei 0,5 %. Bei einer 1:1 Umlage der Anteile auf die Auslandsumsätze im Mittelstand 2013 von 545 Mrd. Euro ergäbe sich ein Auslandsumsatz von 18 Mrd. Euro für Russland bzw. 3 Mrd. Euro für die Ukraine.

Allerdings sind dies Höchstgrenzen, die kaum erreicht werden dürften. Nur rund ein Fünftel der Mittelständler ist auf ausländischen Märkten aktiv. Weiter entfernte Märkte werden dabei eher gescheut. Der Mittelstand ist vielmehr äußerst stark auf westeuropäische Nachbarstaaten orientiert. Es ist also von erheblich weniger direktem Auslandsgeschäft mit Russland oder der Ukraine bei kleinen und mittleren Unternehmen auszugehen.

Spüren die mittelständischen Unternehmen in Deutschland dann überhaupt die Folgen des Konfliktes? Der erste Teil der Antwort: Meist eher indirekt durch eine zusätzliche Verunsicherung der ohnehin eher gedämpften Stimmung. Ein Fünftel der kleinen und mittleren Unternehmen meldeten dies im Herbst 2014 bei einer Befragung durch die KfW. Lediglich 13 % sehen direkte negative Folgen auf die eigenen Wertschöpfungsketten.

Man muss allerdings genauer hinsehen. Es existiert ein starkes Wechselspiel zwischen Unternehmensgröße, Internationalisierungsgrad und Betroffenheit. So sind größere Unternehmen gegenüber kleineren Unternehmen zweieinhalbmal häufiger direkt oder indirekt vom Ukraine-Konflikt betroffen. Die direkte Betroffenheit der Wertschöpfungsketten ist mit dem Faktor 3,7 sogar noch deutlicher. Der Grund ist einfach: Je größer mittelständische Unternehmen sind, desto stärker international aktiv sind sie. Mit anderen Worten: In der Breite sind die Folgen des Konfliktes überschaubar – aber spezielle Gruppen erleiden Einschränkungen.

Hierzu zählt vor allem das FuE-intensive Verarbeitende Gewerbe, beispielsweise aus den Bereichen Maschinenbau, Fahrzeugbau, Pharmazie oder Optik. Diese Mittelständler sind sehr exportorientiert: Zwei Drittel dieser Betriebe sind im Ausland aktiv und erzielen nahezu die Hälfte ihres Gesamtumsatzes im Ausland. Sie stellen zwar “nur“ 1,7 % aller kleinen und mittleren Unternehmen, erwirtschaften aber 18 % des gesamten Auslandsumsatzes.

Das erhöht ihre Anfälligkeit: Mehr als jedes zweite Unternehmen dieses Segments meldet indirekte negative Auswirkungen. Direkte Folgen für die eigene Tätigkeit sehen 42 % der Unternehmen. Speziell dieses Segment gilt es im Auge zu behalten, denn hier könnte 2015 so mancher Mittelständler die Folgen des Ukraine-Konfliktes deutlich zu spüren bekommen.