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Creditreform

Mit einem Entwurf für ein Venture-Capital-Gesetz sorgt der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) für Aufsehen. Von der Großen Koalition in Berlin erwartet der mächtige Verband statt Worten nun Taten. Breite Unterstützung für den Vorstoß kommt aus der Wirtschaft und von den Liberalen.

Wenn ein Start-up mit einer neuen Idee richtig durchstarten will, braucht es am Anfang Geld. Viel Geld. Doch Jungunternehmen bemängeln seit Jahren, dass es in Deutschland an genügend Wagniskapital zur Finanzierung fehlt. Der BVK hat nun den Druck auf die Bundesregierung erhöht und einen Entwurf für ein Venture-Capital-Gesetz vorgelegt, von dem Start-ups profitieren sollen: „Die Große Koalition hat die Stärkung von Venture Capital im Koalitionsvertrag zwar festgeschrieben, doch bislang sind den Worten keine Taten gefolgt“, sagt BVK-Vorstandssprecher Peter Güllmann.

Die Start-up-Unternehmen wie auch die Venture-Capital-Geber brauchen laut Güllmann ein solches Gesetz, um beiden Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich nicht weiter abzufallen. „Mit dem Gesetzentwurf werden wichtige Impulse für Innovation, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung gesetzt“, sagt Güllmann. Noch in diesem Jahr müsse etwas passieren. Güllmann: „Das Gesetz darf nicht auf die lange Bank geschoben werden.“

Der Vorschlag des BVK sieht unter anderem eine Forschungsprämie vor, die Innovationsbemühungen der Start-ups fördern, auch wenn sie sich noch in einer Verlustphase befinden. Eine sogenannte Patentbox soll Deutschland bei der Standortwahl einen Vorteil verschaffen, indem Erlöse aus der Verwertung von Intellectual Property günstiger besteuert werden. Auch Venture-Capital-Fonds und Investoren sollen Anreize bekommen.

Beim Bundeswirtschaftsministerium begrüßt man zwar den Vorschlag des BVK, hält sich ansonsten aber bedeckt. „Wir werden uns den Entwurf ansehen, können aber – Stand heute – noch keine eins-zu-eins Bewertung dazu abgeben“, sagt ein Sprecher dem Creditreform-Magazin. „Die entscheidende Rolle bei dem Venture-Capital-Gesetz spielt natürlich die Finanzierbarkeit.“ Daher stehe man auch im engen Kontakt zum Bundesfinanzministerium.

Deutliche Kritik an der Geschwindigkeit der GroKo, wenn es um ein Venture-Capital-Gesetz geht, kommt von der FDP. „Die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital müssen verbessert werden. Im Private Equity Bereich ist Deutschland insgesamt nicht wettbewerbsfähig“, sagt FDP-Vorsitzender Christian Lindner dem Creditreform-Magazin. „Gerade die Finanzierung von Aufbau- und Wachstumsphasen wird so gebremst“, so Lindner weiter.

Auch für den Wirtschaftsverband der Jungen Unternehmer hat die Politik bei diesem Thema viel zu lange geschlafen. „Die Bereitstellung von Wagniskapital steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen“, sagt die Bundesvorsitzende Lencke Steiner. Die mangelnde Übertragung von Altverlusten mache es zum Beispiel für private Investoren sehr unattraktiv, in Start-ups zu investieren. „Das ist ein echtes Wachstumshindernis und bremst Existenzgründer aus.“ Die steuerlichen Rahmenbedingungen für Venture-Capital müssten von der Bundesregierung also deutlich verbessert werden, „und zwar noch in diesem Jahr“, sagt Steiner.

Wichtig sei aus Sicht der Jungen Unternehmer zudem, dass die immer wieder diskutierte Einführung der Steuerpflicht von Veräußerungsgewinnen bei Streubesitzanteilen nicht umgesetzt wird. „Sie macht die Finanzierung durch Business Angel und Frühphaseninvestoren faktisch unmöglich“, so Steiner weiter.

In den vergangenen drei Jahren wurden laut BVK rund zwei Milliarden Euro Venture Capital in junge Unternehmen investiert – im internationalen Vergleich habe Deutschland aber noch deutliche Defizite. Zum Beispiel in den USA wurde im gleichen Zeitraum umgerechnet 64 Milliarden Euro investiert. Auch im europäischen Ranking liegen die Venture-Capital-Investitionen in Deutschland gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung laut BVK nur im Mittelfeld.