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Creditreform

Kredit-Sicherheiten sind für viele Unternehmer/innen gefühlt eines der wichtigsten Themen im Kreditgespräch. Aus Sicht der Kreditinstitute allerdings stehen Sicherheiten bei den Entscheidungskriterien für Kredite erst an vierter Stelle. Wichtiger sind die Kriterien Rating, Kapitaldienstfähigkeit und Einschätzung der Unternehmerpersönlichkeit.

Zugegeben: Dies spiegelt sich in Kreditgesprächen auch von Seiten der Bankbetreuer nicht immer so wider. Daher oft der Unternehmereindruck: Hier geht es vorrangig um Sicherheiten.

Aus Unternehmer/innen-Sicht ist das Thema Sicherheiten natürlich wesentlich: Schließlich werden Vermögenswerte aus dem Unternehmen und / oder aus dem Privatvermögen an die Bank übertragen.

Was den außenstehenden Beobachter vor diesem Hintergrund so manches Mal überrascht: Entscheidungen über Sicherheiten werden oft adhoc getroffen! Die Bank fordert Sicherheiten, das Unternehmen benötigt den Kredit, der Unternehmer / die Unternehmerin sagt „ja“ – und fertig.

Solche Adhoc-Entscheidungen holen uns aber oft relativ schnell wieder ein: etwa, wenn der nächste Kreditbedarf auftritt, die Frage nach den Sicherheiten erneut gestellt wird – und jetzt folgendes Dilemma auftritt: Der Kreditbedarf ist für das Unternehmen essentiell, aber aus Sicht der Bank sind keine werthaltigen Sicherheiten mehr verfügbar. Denn die wurden schon beim letzten Kreditwunsch zur Verfügung gestellt. Eventuell auch einer anderen Bank.

Daher gilt es einige wichtige Fragen zu klären:

Welche Vermögenswerte sind überhaupt vorhanden, die als Sicherheiten gegeben werden könnten?
–          im Vermögen des Unternehmens
–          Immobilien
–          Sachanlagevermögen
–          Finanzanlagen
–          Warenbestände und Halbfertige / Fertige
–          Kundenforderungen
–          Rechte
–          . . .

–          im Privatvermögen
–          Immobilien
–          Guthaben und Wertpapiere
–          Lebensversicherungen
–          Bürgschaften Dritter
–           . . .

Welche dieser Vermögenswerte sind bereits an eine oder mehrere Gläubiger als Sicherheiten gegeben? Anders herum gefragt: Welche Vermögenswerte sind noch frei und lassen sich als weitere Sicherheiten einbringen?

Bei dieser Frage zeigt sich leider oft, dass es an Überblick zu diesem Thema fehlt. Ebenso an Vertragsunterlagen – zunächst müssen von den Banken Kopien angefordert werden. Oft besteht auch keine Klarheit über die Wirkung vertraglicher Regelungen: Haftet diese und jene Sicherheit jetzt eigentlich noch, oder ist der Vertrag längst (automatisch) erloschen? Oft haben Banken noch Sicherheiten, die aus Unternehmenssicht eigentlich nicht mehr erforderlich sind.

Wer vor solchen ganz praktischen Fragen steht, sollte aus den bestehenden Vertragsunterlagen einen „Sicherheitenspiegel“ erarbeiten, der ihm zukünftig alle aktuellen Fragen sofort beantwortet. Der Sicherheitenspiegel erleichtert auch die Vorbereitung und Führung von Kreditgesprächen ungemein.

Welche der noch freien Vermögenswerte sollen (überhaupt noch) zur Verfügung gestellt werden?

Diese Frage ist sehr legitim! Die Antwort auf diese Frage hängt im wesentlichen von zwei Faktoren ab:

–          Welches sind die weiteren Planungen im Unternehmen und Privat?
–          Wie ist die Verhandlungsmachtposition gegenüber den Kreditgebern?

Den nur, wenn das Unternehmen eine starke Verhandlungsposition hat bezüglich der eingangs geschilderten drei vorgehenden Entscheidungskriterien, wird es beim Thema Sicherheiten in Kreditgesprächen punkten können.