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Andererseits: Ohne Smartphone geht heute nichts mehr. „Der Zugewinn an Flexibilität und Mobilität ermöglicht eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, sagt Volker Nürnberg von Mercer und ist der Meinung, dass es sowohl an den Unternehmen als auch an den Mitarbeitern selbst liegt, ob diese Flexibilität am Ende mehr Nutzen als Stress erzeugt. Hilfreich sind verbindliche Regelungen wie das Abschalten der Geräte am Abend. „Allerdings können solche Vorschriften einen der größten Vorteile des Smartphones – nämlich die Flexibilität – auch schnell zunichte machen“, räumt Nürnberg ein.

Ähnlich sieht es Jennifer Reckow. Die Geschäftsführerin der Speyerer Beratungsfirma Processline will ihren Mitarbeitern nicht vorschreiben, wie und wo sie sich beispielsweise um ihre E-Mails kümmern. Bei ihr arbeiten alle parallel an mehreren Projekten, die digitalen Medien spielen eine wichtige Rolle. „Man muss einfach feststellen, dass dank der modernen Medien die Zeit der festen Bürostunden vorbei ist und die junge Generation andere Arbeitsmodelle bevorzugt“, sagt sie.

© Creditreform-Magazin 12/2015

© Creditreform-Magazin 12/2015

Um nicht in die Falle „digitaler Burnout“ zu tappen, lässt sie sich und ihre 18 Mitarbeiter von einer Digitalexpertin coachen: Ulrike Stöckle von der Agentur The Digital Detox zeigt ihnen, wie „eine reflektierte und gesunde Nutzung der digitalen Medien“ aussehen kann. Das Ziel ist dabei, den Berufsalltag effizienter zu managen und die interne sowie externe Kommunikation zu verbessern.

Back to the Roots

Auch Stöckle, studierte Kommunikationswissenschaftlerin, war eine digitale Burnout-Kandidatin. Sie hat die Kurve gerade noch einmal gekriegt und gibt ihre Erfahrungen jetzt weiter. Vor zwei Jahren hat sie nach kalifornischem Vorbild ihr erstes „The Digital Detox Camp“ in Deutschland veranstaltet, bei dem sich Internetvielnutzer tagelang offline in der Natur behaupten müssen und dort wieder lernen, ganz ohne Smartphone und Internet zurechtzukommen. Daneben veranstaltet sie Workshops in Unternehmen. Dort machen sich zunächst alle Mitarbeiter ihr mediales Nutzungsverhalten mithilfe der App Menthal erst einmal bewusst. Anschließend geht es ins Einzelcoaching.

Die Wirkung ist nachhaltig. Beraterin Reckow hat zum Beispiel festgestellt, dass sie ihre Mails lieber an einem Stück in einer ruhigen halben Stunde im Büro checkt, als sich alle paar Minuten von eingehenden Nachrichten unterbrechen zu lassen. Was schnell beantwortet werden kann, erledigt sie sofort, so muss sie nicht mehrfach dieselbe Mail „in die Hand nehmen“. Und ganz wichtig: „Bei Meetings, beim Essen und in der Nacht bleiben Smartphone und Tablet immer ausgeschaltet“, sagt sie.