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© Huawei

Smartphones werden immer größer und passen deshalb immer weniger in die Hosentasche. Neue Faltdisplay-Modelle von Samsung, Huawei oder Motorola versprechen beides: Mobilität und Bedienungskomfort.

Eigentlich sind klappbare Mobilgeräte nichts Neues. Vor etwa einem Jahrzehnt waren aufklappbare Handys Standard. Neu ist die faltbare Display-Technologie. Sie verwandelt Smartphones in komfortabel bedienbare Tablets. Fotos, Tabellen oder Grafiken lassen sich so besser anzeigen und bearbeiten.

Zugeklappt sind die Smartphones kompakt und bequem transportierbar. Doch ist die Falt-Technik schon ausgereift und robust genug?

Lange Zeit waren faltbare Displays Zukunftsmusik. Neue Hightech-Materialien machen es nun möglich. „Infinity Flex Display“ nennt beispielsweise Samsung diese Technologie: Mehrere aufeinanderliegende hauchdünne und dennoch flexible Polymerschichten sorgen sowohl für eine brillante Grafik als auch für einen aufsehenerregenden Falt-Auftritt.

Dank ausgeklügelter Scharnierkonstruktion lässt sich das Display in einem sehr kleinen Radius biegen, ohne zu brechen. Magnete halten das Ganze zusammen. Die bei Vorgängermodellen aufgekommenen Bedenken hinsichtlich der Haltbarkeit versuchen die Hersteller zu zerstreuen.

Samsung etwa verspricht 200.000 Faltvorgänge für seine Geräte – das wären bei 100-mal ­falten pro Tag etwa fünf Jahre uneingeschränkte Nutzung. Bis dahin ist längst ein neues Smartphone ­fällig, beträgt doch der durchschnittliche Smartphone-Lebenszyklus nur zwei bis drei Jahre, weil es zu langsam wird oder einfach etwas Neues hermuss.

Samsung mit zwei Modellen: Galaxy Fold und Galaxy Z Flip

Falt-Smartphones gibt es aktuell von Samsung, Huawei und Motorola, wobei Samsung mit dem Galaxy Fold und dem Galaxy Z Flip gleich zwei Modelle offeriert. Technisch unterscheiden sich die Geräte – außer in der Größe und Kameraqualität – nur wenig.

Der Faltvorgang macht dabei den Unterschied. So verläuft die Faltachse beim Motorola Razr 2020 horizontal, ebenso beim Galaxy Flip.

Das Galaxy Fold und das Huawei Mate Xs faltet man wie ein Buch, wobei das Mate Xs mit einem alternativen Faltkonzept überrascht: Es klappt nicht nach innen, sondern nach außen. Dadurch wird das Display an der Faltstelle weniger belastet und es wirkt aufgeklappt optisch und haptisch völlig homogen. Nachteil: Das Display ist damit aber auch weniger gut geschützt.

Aufgeklappt verwandeln sich das Galaxy Fold und das Mate Xs quasi in ein Tablet mit allen Vorteilen: ein großes Format bietet eine hohe Auflösung und viel Platz zum Arbeiten. Beide Smartphones unterstützen die Multi-App-Funktion, wodurch mehrere Anwendungen gleichzeitig geöffnet, Dokumente parallel ­betrachtet und bearbeitet werden können.

Gemein ­haben alle Faltphones das Zusatzdisplay auf der Rückseite. Dadurch lassen sie sich auch im zusammengeklappten Zustand bequem bedienen. Nur das rückseitige Display des Razr 2020 ist so klein, dass es gerade noch für einfache Apps reicht.

 

Nur Samsung Galaxy Fold und Huawei Mate XS sind 5G-tauglich

Das Galaxy Fold und das Mate Xs haben beide ein 5G-Modem, das Razr 2020 hat nur 4G. Wie lange die Faltdisplays und der Faltmechanismus halten und ob die versprochenen Faltvorgänge im Alltag auch tatsächlich erreicht werden, müssen Langzeittests noch zeigen. In einschlägigen Foren wird beispielsweise von knarzenden Scharnieren berichtet.

Stauchungen, Stöße oder Kratzer können der filigranen Mechanik ebenso zusetzen wie Staub und Feuchtigkeit. Deshalb liegen den Geräten entsprechende Benutzungshinweise bei – und die sollten Nutzer tunlichst befolgen. Denn der Faltspaß ist nicht billig.

Die Preise bewegen sich zwischen rund 1.500 Euro für das Galaxy Z Flip und stolzen 2.500 Euro für das Huawei Mate Xs. Dafür aber – so das Versprechen der Hersteller – verbinden sie die Smartphone- mit der Tablet-Welt und vereinen Komfort- und Mobilitätsansprüche in einem Gerät.

Insbesondere Foto- und Videopräsentationen sind beeindruckend und dank Multi-App-Funktion hat man unterwegs fast schon ein PC-Feeling. Das können die größeren Phablets (Smartphone/Tablet-Zwitter) oder Tablets zwar auch, aber die sind eben nicht faltbar.

Fazit: Die aktuellen Faltphones sind momentan noch etwas für Technik-Begeisterte. Wer unbedingt zur Technik-Avantgarde gehören will, sollte deshalb mit seinem digitalen „Falter“ behutsam umgehen, damit er auch morgen noch makellos flattert.

 

Samsung Galaxy Fold

Display (auf-/zugeklappt): 7,3/4,6 Zoll; 2152 x 1.536/1.960 x 840 Pixel

Akku: 4.380 mAh

Speicher: 512 GB, nicht erweiterbar

Besonderheiten: Doppelakku, 5G-tauglich

Preis: 2.100 Euro UVP*

 

Huawei Mate Xs

Display (auf-/zugeklappt): 8,0/6,6 Zoll; 2.480 x 2.200/2.480 x 1.148 Pixel

Akku: 4.500 mAh

Speicher: 512 GB, mit Huaweis NM-SD-Karte erweiterbar

Besonderheiten: Doppelakku, faltet nach außen, 5G-tauglich

Preis: ca. 2.500 Euro UVP*

 

Motorola Razr 2020

Display (auf-/zugeklappt): 6,2/2,7 Zoll; 2.142 x 876/600 x 800 Pixel

Akku: 2.510 mAh

Speicher: 128 GB, nicht erweiterbar

Besonderheiten: Faltachse ist horizontal, nur eSIM

Preis: ca. 1.600 Euro UVP*

 

*Alle Preise inklusive Mehrwertsteuer.