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Länder, die in Sachen Globalisierung, Vernetzung und Innovation gut aufgestellt sind, wachsen schneller. Deutschland kann in einigen Bereichen punkten, hat in anderen jedoch noch Nachholbedarf, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt.

Das zentrale Ergebnis der empirischen Untersuchung: Länder, die Handelsbarrieren abbauen, Bildung und Forschung fördern, sich digitalisieren und untereinander vernetzen, können schnelleres Wirtschaftswachstum vorweisen. Die Kölner Forscher haben Deutschland mit 22 anderen Wirtschaftsnationen verglichen.

International punkten, kann Deutschland vor allem mit seiner Offenheit gegenüber dem Welthandel. Diese hat weltweit in den vergangenen 20 Jahren, außer in Japan, nirgends so stark zugenommen, wie in Deutschland (siehe Grafik).

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Deutschland ist in Sachen Globalisierung gut positioniert, wie der Offenheitsgrad seiner Wirtschaft zeigt. Dieser wird gemessen als Anteil der In- und Exporte am Bruttoinlandsprodukt – und die Offenheit hat, außer in Japan, seit 1995 nirgends so stark zugenommen wie in Deutschland.

Anders als in den meisten anderen Staaten hat in Deutschland die Industrie immer noch einen großen Stellenwert. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Wirtschaftsstruktur überlegen ist, sagt die Vera Demary vom IW Köln: „Es kommt nicht darauf an, was man produziert, sondern wie man produziert“, sagt sie. Für das Wachstum und den Wohlstand zähle weniger die Frage, ob eine Volkswirtschaft eher industrielle Produkte oder lieber Dienstleistungen herstellt und anbietet. Entscheidend sei vielmehr, wie sie das macht.

Zugleich hat sich Deutschland laut der Studie auch bei der Vernetzung und im Bereich Bildung seit 1995 verbessert. Ein Vergleich der Forschungsausgaben zeigt, dass Deutschland zu den Top 5 der 23 untersuchten OECD-Länder gehört (siehe Grafik). Besser sind jedoch weiterhin Südkorea, Japan und Finnland.

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Bildung ist das A und O des Fortschritts und Basis aller Innovationen. Die deutschen Unternehmen scheinen das zu wissen: Ihre Forschungsausgaben sind seit 1995 um fast die Hälfte auf 1,9 Prozent des BIP gestiegen.

Nachholbedarf gibt es beim Thema Industrie 4.0: Mehr als vier von fünf Unternehmen haben sich laut der Studie noch nicht ernsthaft damit beschäftigt – auch wegen des in Deutschland stockenden Breitbandausbaus. Um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, insbesondere bei künftig langamer wachsender Weltwirtschaft, sind Politik und Unternehmen gleichermaßen gefragt, mahnt IW-Forscherin Demary: „Die Politik muss die Märkte weiter öffnen und Freihandelsverträge, insbesondere TTIP, vorantreiben.“

Weitere Forderungen der IW-Forscher: Zusätzliche steuerliche Innovationsanreize und ein engagierterer Breitbandausbau, um die Verfügbarkeit von schnellem Internet zu erhöhen.