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Das Bild zeigt ein rotes Auto, das im Kreis fährt

© Getty Images

Wer einen Dienstwagen kaufen will, sieht sich einer Fülle an Möglichkeiten und Modellen gegenüber. Vor allem die Entscheidung für die passende Antriebsart und den Kraftstoff des Autos ist eine echte Herausforderung.

 

Einen Dienstwagen kaufen: Das bedeutete früher, unternehmensinterne Hierarchien zu beachten, sprich: Wenn die Chefin oder der Chef einen 5er-BMW steuert, dürfen die Mitarbeiter eine Ebene tiefer höchstens einen 3er fahren, ein VW Passat ist auch noch okay, alle anderen bekamen ein Auto der Golf-Klasse. Blieb noch die Glaubensfrage Schaltgetriebe versus Automatik. Das war’s dann auch mit den Entscheidungspflichten.

So weit das Klischee. Inzwischen betrifft die Qual der Wahl vor allem die verschiedenen möglichen Antriebe, denn neben den schon bald an Bedeutung verlierenden Klassikern Benzin und Diesel stehen Elektro-, Gas-, Wasserstoff- und Hybrid-Fahrzeuge zur Verfügung. Die alternativen Kraftstoffe sind begehrt: Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Dataforce ziehen 59 Prozent der befragten Dienstwagenfahrer für ihr nächstes Auto einen alternativen Antrieb in Betracht. Das hat Auswirkungen auf die Kaufentscheidungen der Flottenmanager der Unternehmen: 53 Prozent statten ihren Fuhrpark wegen der genannten Nachfrage mit alternativ angetriebenen Wagen aus.

 

Wirtschaftlichkeit wichtiger Aspekt

Aber welcher ist der Beste? „Auf diese Frage gibt es keine seriösen Pauschalantworten, sowohl was die ökonomische als auch die ökologische Seite angeht“, sagt Frank Scholwin, Umweltingenieur und Leiter des Instituts für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie in Weimar. Aspekt Wirtschaftlichkeit: Welches das günstigste Modell ist, ist schwer zu bestimmen.

Das hängt unter anderem davon ab, wie es genutzt wird und welcher Art der Antrieb ist. Wenig überraschend bestimmt bei Autos, die weite Strecken fahren – zum Beispiel pro Jahr 15.000 bis 20.000 Kilometer – der Preis des jeweiligen Kraftstoffs die Wirtschaftlichkeit. „Da wir von Benzin und Diesel möglichst bald wegkommen wollen, bleiben als Alternativen Strom, Gas und Wasserstoff. Zumindest sind das die drei in greifbarer Nähe“, sagt Scholwin.

 

Gas ist günstig für die Langstrecke

In wirtschaftlicher Hinsicht lohnt sich bei großen Fahrstrecken in jedem Fall Gas als Kraftstoff – entweder gasförmiges Erdgas, unter dem Namen Compressed Natural Gas (CNG) vertrieben, und flüssiges Autogas, das als Liquefied Petroleum Gas (LPG) in den Tank kommt. CNG als Kraftstoff ist etwa halb so teuer wie Benzin, LPG ist um 40 Prozent günstiger als Benzin.

„Allerdings ist die Reichweite von gasbetriebenen Autos geringer als bei Benzinern oder Dieselfahrzeugen. Und durchschnittlich alle acht Jahre muss der Tank ausgewechselt werden, das kostet für Material und Arbeitszeit insgesamt ungefähr 1.000 Euro – diesen Wartungsmehraufwand holt man aber, wie beschrieben, durch den billigeren Kraftstoff locker wieder rein“, sagt Scholwin.

Eingeschränkt werden kann der wirtschaftliche Vorteil von Gas außerdem durch das schlechter ausgebaute Tankstellennetz, wie Scholwin erläutert. „Für Elektrofahrzeuge gibt es mittlerweile ein flächendeckend ausgebautes Netz an Ladestationen. Wenn aber für ein gasbetriebenes Auto die Tankstelle ausfällt, an der man üblicherweise Gas bekommt, oder es schlichtweg keine vor der Haustür gibt, kann schon mal ein Umweg von 20 Kilometern anfallen. Für Fahr- oder Pflegedienste etwa ergibt das einen Zeitverlust von 40 Minuten am Tag – das ergibt wenig Sinn.“

 

Preisunterschiede bei den Akkus

Sehr gut fällt laut dem Umweltingenieur dagegen die Ökobilanz von Gas aus, wenn es sich um Biogas handelt, das zum Beispiel aus Gülle oder Pflanzen­abfällen hergestellt wird. „Mit Biogas betriebene Pkw können sogar CO2-negativ fahren – das ist beispielsweise bei Elektro-Pkw mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen nicht zu schaffen, denn allein aus der Produktion und dem Betrieb der entsprechenden Anlagen sowie Netzverlusten resultieren schon ­Emissionen.“

Dennoch: Auf Elektroautos als zukunftsträchtigste Alternative zu Benzin und Diesel haben sich alle geeinigt, von den Autoherstellern über die Politik bis hin zu den verschiedensten Akteuren im Bereich Umweltschutz. Frank Scholwin betrachtet die E-Fahrzeuge in ökonomischer Hinsicht als unschlagbar auf kurzen Strecken, etwa wenn Fahrer jeden Tag 50 Kilometer für den Job pendeln. „Das Laden und die Ladungszeit sind gut realisierbar, und wenn der Strombedarf zeitlich bedingt stark sinkt, kommt das sogar dem Stromnetz zugute.“

Auf langen Strecken stellt die Notwendigkeit, regelmäßig zu laden, jedoch eine Herausforderung für Elektrofahrzeuge dar – „dann sind Antriebsarten mit besserer Speichertechnologie sinnvoller, beispielsweise Biomethan, Biogas oder Wasserstoff.“ Zu berücksichtigen sind ebenso die großen Preisunterschiede der verschiedenen Anbieter für das Laden der Akkus, was sich vor allem auf der Langstrecke enorm auswirkt.

 

Elektromotor seltener genutzt

Die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor in Hybridfahrzeugen wiederum ist seit Jahren eine nicht zuletzt von den Autoherstellern forcierte Alternative, aber durchaus ein zweischneidiges Schwert: Der Elektromotor wird deutlich seltener genutzt als der Verbrennungsantrieb.

„Es gibt dazu zwar noch keine belastbaren Zahlen, aber Studien deuten darauf hin, dass der Elektromotor nur während rund zehn Prozent der Fahrzeit genutzt wird, der Benzin- oder Dieselantrieb entsprechend viel häufiger“, sagt Scholwin – was mit daran liege, dass die relativ kleinen Batterien nur für eine Reichweite von etwa 50 Kilometern ausgelegt sind.

Bleibt als alternativer Kraftstoff noch Wasserstoff. Der Wissenschaftler hält sich bei der Bewertung der wirtschaftlichen und umwelttechnischen Aspekte bedeckt, „weil die Technologie noch am wenigsten erforscht und vorangetrieben ist – aus meiner Sicht wird der Wasserstoffantrieb in der politischen und technologischen Diskussion vernachlässigt, weil man sich in Deutschland und auch international auf Elektro-Pkw als Fahrzeug der Zukunft geeinigt hat“.

 

Dienstwagen: Antriebe vergleichen lohnt sich

Welcher alternative Kraftstoff es nun für die Käuferin oder den Käufer eines Dienstwagens sein soll, lässt sich also nur von Fall zu Fall entscheiden. Das Institut für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie hat zu diesem Zweck im Juli einen Online-Vergleichsrechner veröffentlicht, der allen Nutzern kostenlos zur Verfügung steht.

Das Programm berücksichtigt alle wichtigen Variablen für die Wahl eines Pkw. Je nach Nutzungsart, Kraftstoff oder Preis errechnet es einen individuellen Vorschlag zur Entscheidungshilfe.

Die meisten Daten, mit denen die Software arbeitet, stammen vom ADAC, dem Sprachrohr und Serviceanbieter der automobilen Interessengruppe in Deutschland. Der ADAC führt eigene Tests zu einer Palette verschiedener Autos durch, um Fahrzeugkäufern einen Weg durch den Dschungel der Möglichkeiten aufzuzeigen. Ein wichtiges Tool ist dabei der sogenannte Ecotest, der Sparsamkeit und Sauberkeit verschiedener Modelle kombiniert – die Autos können dabei maximal fünf Sterne erreichen.

 

Benzinmodelle mitunter besser

Die Höchstpunktzahl unter den 95 Pkw, die der ADAC im Jahr 2020 nach eigenen Angaben untersucht hat, haben fast ausschließlich kleine Elektrofahrzeuge erreicht, deren Verbrauchsbilanz sehr gut ausfällt, unter anderem Modelle von Hyundai, VW und Seat.

„Grund für die gute Bewertung ist ihr geringer Energieverbrauch und damit niedriger CO2- und Schadstoffausstoß, denn auch E-Fahrzeugen wird dieser Ausstoß bei der Stromerzeugung aus dem deutschen Kraftwerksmix angelastet“, sagt eine Sprecherin des Automobilclubs.

Größere und schwerere Elektrofahrzeuge mit mehr Energiebedarf schneiden im Test entsprechend schlechter ab. Bessere Wertungen erreichen sogar manche Benzinmodelle, zum Beispiel von Honda und Suzuki, die wegen ihres geringen Verbrauchs und guter Abgasreinigung auf vorderen Plätzen landeten.

 

Geteilte Meinung bei Hybriden

Die Klasse der Plug-in-Hybride, deren Zulassungszahlen im vergangenen Jahr um mehr als 300 Prozent gestiegen sind, wird vom ADAC so uneinheitlich bewertet wie von Frank Scholwin: Große und schwere Autos von Premiumherstellern werden trotz ihres Zwittercharakters keine umweltfreundlichen Autos, was sich in der Bewertung mit nur einem Stern zeigt.

Dagegen schneiden Modelle mit niedrigem Strom- und Benzinbedarf ordentlich ab. Aber Vorsicht: Entscheidend ist, wie hoch der tatsächlich gefahrene elektrische Anteil ist und ob der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

So weit die ökologische Seite der Autos – und was ist mit dem ökonomischen Aspekt? Der ADAC hebt hervor, dass Fahrzeuge mit Elektroantrieb insgesamt günstiger werden, wozu sinkende Kaufpreise, höhere Stückzahlen in der Produktion und die bis Ende 2025 verlängerte Umweltprämie beitragen. Hinzu kommt ein immer breiteres Angebot an Elektro- sowie Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen.

Durch verbesserte Batterietechnik sind bereits Reichweiten von mehr als 300 Kilometern möglich. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Vollkosten-Berechnung des ADAC von nahezu allen auf dem deutschen Markt erhältlichen Elektro- und Hybridautos mit Benzinern oder Dieseln mit vergleichbarer Motorleistung und ähnlicher Ausstattung. Fazit: Wer einen Dienstwagen kaufen will, muss selbst vergleichen – die Mühe lohnt sich.

 

 

 

Dienstwagen: Das passende Fahrzeug finden

 

Bei der Suche nach dem passenden Dienstwagen können diese beiden Instrumente hilfreich sein.

 

Der Vergleichsrechner Alternative Antriebe des Instituts für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie unterstützt dabei, herauszufinden, welche Antriebsart die günstigste ist. Er ermöglicht es, anfallende Kosten sowie zu erwartende Emissionen von alternativen und konventionellen Antrieben miteinander zu vergleichen. kraftstoffvergleich.de

 

Wertvolle Informationen bietet auch der Überblick des ADAC über die Vor- und Nachteile verschiedener Kraftstoffe.
Grafisch aufbereitet wurden auch die einzelnen Antriebsarten. Potenzielle Käufer können so die Funktionsweise von Elektro- und Gasantrieben, Wasserstoff und Plug-in-Hybriden detailliert begutachten.
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