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Illustration eines ladenden Elektroautos

© Getty Images

Der Pkw-Markt ist im Umbruch. Der Anteil von Autos mit Verbrennungsmotor sinkt, während der von rein elektrischen Fahrzeugen beständig zunimmt. Auch als Firmenwagen kommen immer öfter E-Autos in Betracht. Ein Selbstläufer ist die Umstellung des Fuhrparks allerdings nicht.

 

Bei Natsu Foods rücken in wenigen Wochen die Elektriker an. Dann werden am Firmensitz des Unternehmens in Neuss die ersten drei Ladesäulen für Elektroautos verkabelt. „Das ist für uns der Startschuss in die Elektrifizierung unseres Fuhrparks“, sagt Lars Gormanns, der bei dem Produzenten von frischem Sushi, Salaten, Sandwiches und Wraps eine Flotte von 50 Pkw und 75 Lieferwagen managt.

Noch werden sie alle von Benzin oder Diesel angetrieben. Aber das soll sich ändern. „In drei Jahren sollen mindestens 50 Prozent unserer Pkw elektrisch fahren“, peilt Gormanns an.

 

E-Mobilität: Imagegewinn und mögliche Kostenvorteile

Das passt zum Ziel, das die Bundesregierung ausgegeben hat. Mindestens 15 Millionen vollelektrische Pkw wollen SPD, FDP und Grüne bis zum Jahr 2030 auf die Straße bringen. Firmenflotten sollen Vorreiter der Mobilitätswende sein. Doch viele stehen dabei genau wie Natsu erst ganz am Anfang. Laut einer Handelsblatt-Umfrage vom Dezember 2021 waren die meisten Dienstwagen großer Unternehmen im vergangenen Jahr noch Verbrenner. Ganze 73 Prozent der Neuwagenemissionen gingen von Firmenfahrzeugen aus.

Deren Halter und Fahrer will die Regierung mit Steuervorteilen und Kaufprämien zum Umstieg motivieren. Die Unternehmen wiederum haben bei Elektroautos im Fuhrpark ihre CO2-Bilanz, einen Imagegewinn und mögliche Kostenvorteile im Sinn.

 

Elektrifizierung schrittweise vorantreiben

Umweltfreundlich, sparsam und staatlich gefördert. Klingt nach einer Win-win-Situation. Doch ganz so einfach ist es nicht, wie auch Lars Gormanns gelernt hat. Der Fuhrparkmanager gehört zu den Absolventen von Fleetricity, einem Programm des Bundesverbands Fuhrparkmanagement (BVF). Es formuliert den Anspruch, „alle für Unternehmensfuhrparks relevanten Aspekte der Elektromobilität in einem umfassenden Kurspaket“ zu vermitteln. „Das Thema alternative Antriebe kommt in den Fuhrparks an und wird dort auch ernsthaft verfolgt“, sagt BVF-Geschäftsführer Axel Schäfer. „Aber wir merken, dass vielfach die Grundlagen fehlen.“

Fleetricity soll Verantwortliche in Unternehmen von der Technik über rechtliche Grundlagen und Fördermöglichkeiten bis hin zu Personalfragen und Ladeinfrastruktur auf den neusten Stand bringen. Die wichtigste Lektion: Unternehmen sollten die Elektrifizierung ihrer Flotte als langfristiges Projekt betrachten und auf dem Weg dorthin schrittweise vorgehen.

„Das Thema alternative Antriebe kommt in den Fuhrparks an und wird dort auch ernsthaft verfolgt. Aber wir merken, dass vielfach die Grundlagen fehlen.“

Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement (BVF)

Motive und Möglichkeiten

Gründe für die Umstellung gibt es viele. „Die einen wollen die Klimabilanz verbessern, andere etwas fürs Image tun und wieder andere nutzen E-Mobilität als Instrument der Mitarbeiterbindung“, sagt Schäfer. Je nach Intention beeinflusst sie auch Folgeentscheidungen. Unternehmen, die ökologische Ziele verfolgen, sollten die Fahrzeuge auch mit Strom aus erneuerbaren Quellen laden, etwa aus der firmeneigenen Photovoltaikanlage.

Wer sich wie Natsu Foods – das auch bei seinen Produkten auf Frische, natürliche Zutaten und den Verzicht auf chemische Inhaltsstoffe achtet – gut sichtbar nach außen als nachhaltiges Unternehmen positionieren möchte, tut gut daran, die Fahrzeuge als rollende Aushängeschilder zu elektrifizieren. Zumindest, wo es möglich ist.

 

Den Bedarf analysieren

Die Transporter des Neusser Sushi-Herstellers benötigen beispielsweise eine Kühlung. „Das geht natürlich zulasten der Reichweite und schränkt unsere Möglichkeiten in Sachen E-Mobilität stark ein“, sagt Gormanns. Im ersten Schritt beschränkt sich Natsu deshalb auf die Fahrzeuge von Führungskräften und Vertriebsmitarbeitern, die nach und nach umsteigen können. Auch Mitarbeiterbefragungen und die Analyse von Fahrprofilen helfen dabei, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob E-Mobilität eher für Pool- und Lieferfahrzeuge und für die klassischen Pendler infrage kommt oder ob auch vielfahrende Mitarbeiter im Vertrieb mit elektrischen Reichweiten schon gut aufgestellt sind. „Ob sich Elektroautos im Fuhrpark durchsetzen, ist auch eine Frage der Aufklärung“, sagt Schäfer. „Vorbehalte zu fehlender Alltagstauglichkeit oder zu geringer Reichweite sind inzwischen für die meisten Fahrprofile unbegründet.“

Laut einer Studie der Managementberatung Horváth & Partners fuhr das durchschnittliche Elektroauto in Deutschland mit einer Ladung im vergangenen Jahr bereits 435 Kilometer. Und auch die Modellauswahl ist inzwischen so groß, dass Unternehmen für jedes Fahrprofil ein passendes Elektroauto finden, sowohl für die tägliche Nutzung im Stadtverkehr als auch für lange Distanzen. Von der vermeintlichen Universallösung Plug-in-Hybrid rät Fuhrparkexperte Schäfer allerdings ab. Zwar würden auch sie derzeit noch gefördert, „aber Plug-in-Hybride werden meist falsch genutzt“. Nämlich vor allem im Verbrenner-Modus, was weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll ist.

 

Gesamtkosten betrachten

Doch nicht nur das gestiegene Umweltbewusstsein beschleunigt den Umbau von Fuhrparks. Auch finanziell kann sich der Wechsel von Sprit auf Strom lohnen. Dazu trägt – noch – die staatliche Förderung entscheidend bei. Bis Ende 2022 gibt es beim Kauf eines neuen Elektroautos bis zu 9.000 Euro Innovationsprämie. „Tendenziell wird die Förderung aber abnehmen“, sagt Schäfer. Im Koalitionsvertrag geht die Regierung davon aus, dass die Innovationsprämie über das Jahr 2025 hinaus nicht mehr erforderlich sein wird.

Tatsächlich sind einige Elektroautos dank der Kaufprämie heute schon günstiger als vergleichbare Verbrenner. „Rechnet man alle Kosten eines Autos zusammen, vom Kaufpreis über sämtliche Betriebs- und Wartungsaufwände bis zum Wertverlust, schneiden Elektroautos immer häufiger besser ab als Verbrenner“, analysiert der ADAC in einem Vergleichstest von Oktober 2021. Egal ob Spitzenmodell von Audi, BMW oder Mercedes, sie alle sind mit Elektromotor bei den Kosten pro Kilometer günstiger als mit Benzin- oder Dieselantrieb. Selbst wenn die Tester auch für Verbrenner einen Preisnachlass von 15 Prozent ansetzen, reichen sie vielfach nicht an die Stromer heran.

 

Die Car Policy prüfen

Eine wichtige Steuerungsfunktion, welche Modelle und Fahrzeugtypen Mitarbeiter auswählen können, hat üblicherweise die Car Policy. Somit gehört sie ganz zu Beginn jedes Elektro-Fuhrparks auf den Prüfstand. Neben Formalien wie etwa Anforderungen hinsichtlich der Versteuerung sollten auch Marken und Modelle neu bewertet werden.

Natsu hat beispielsweise die Obergrenzen für Leasingraten angehoben, „weil wir den Mitarbeitern die Möglichkeit geben wollten, ein zu ihrem Verbrenner vergleichbares elektrisches Fahrzeug auszuwählen“, sagt Lars Gormanns. Allerdings musste das Unternehmen feststellen, „dass die Hersteller sich bei Elektroautos auf Kleinwagen und die Oberklasse konzentrieren“. Auch hier wurde das Dokument also angepasst. Bisher waren SUVs kategorisch ausgeschlossen. Vollelektrische Mittelklassemodelle wie der Skoda Enyaq bilden nun eine Ausnahme.

Natsu Foods ist optimistisch, sein persönliches Flottenziel erreichen zu können. Der Anfang ist mit den neuen Ladesäulen gemacht. Parallel fördert das Unternehmen das Laden zu Hause. Gegen eine Einmalzahlung erhalten Mitarbeiter eine Wallbox, die nach drei Jahren in ihren Besitz übergeht. Egal ob sie das Unternehmen verlassen oder den Elektro-Dienstwagen zurückgeben. „Wovon ich aber nicht ausgehe“, sagt Lars Gormanns – und hofft mit seiner Arbeit Natsu noch ein Stück nachhaltiger zu machen.

 

Elektrisierende Rechnung

Der ADAC hat die Gesamtkosten von konventionellen und vollelektrischen Pkw analysiert. Unter Berücksichtigung von Kaufprämie, Steuern, Betriebs- und Wartungskosten bis zum Wertverlust, fahren E-Autos vielfach günstiger. Zwei Beispiele für beliebte Firmenwagen der Mittel- und Oberklasse:

 

Typ // Antriebsart // Grundpreis // Gesamtkosten Cent/km*

 

Mittelklassewagen
VW ID.3 Pro // Elektro, 107 kW // 35.460 € // 44,4
VW Golf 1.5 eTSI Life // Super, 110 kW // 31.480 // 53,4 bzw. 46,6**

 

Oberklassewagen
Mercedes EQA // Elektro, 140 kW // 47.541 € // 60,9
Mercedes GLA 220d // Diesel, 140 kW // 44.697 € // 72,1 bzw. 62,2**

 

* Durchschnittliche Haltedauer: 5 Jahre, Jahresfahrleistung: 15.000 Kilometer. ** Bei 15 Prozent Nachlass auf den Kaufpreis