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Creditreform
Honda e

© Honda

Wer 2021 schon einen Blick in ein Auto des Jahres 2030 werfen möchte, setzt sich in einen japanischen Kleinwagen wie den Honda E. Das nur 3,90 Meter lange und rein batterieelektrisch angetriebene Stadtauto ist prall gefüllt mit Innovationen.

 

Fangen wir außen an: Das eigenständige und moderne Design des Honda E begeisterte schon als Showcar auf Messen – und es ist gut, dass die Serienversion ebenso mutig auf die Straße gebracht wurde.

Akzente setzen etwa die kreisrunden LED-Scheinwerfer, die vorne wie hinten als große Kulleraugen das Kindchenschema bedienen. Außenspiegel sucht man vergeblich, sie wurden durch ein kleines Kamerasystem ersetzt, das seine Bilder auf Monitore im Armaturenbrett überträgt.

Die Türgriffe sind bündig versenkt und surren automatisch heraus, wenn sich der Schlüsselbesitzer nähert. Auf der Motorhaube findet sich eine große unübersehbare Klappe, unter der zwei Steckdosen auf Anschluss warten. Die ganze Karosse strahlt Minimalismus aus, aber mit einem Augenzwinkern.

 

Schuko-Steckdose in der Mittelkonsole

Das Interieur wirkt geräumiger und komfortabler, als man es von einem Kleinwagen erwartet. Die Materialien sind hell, modern und dank Holzeinlage wohnlich. Größter Blickfang ist aber das Armaturenbrett als eine quasi nahtlose Ansammlung von riesigen Displays.

Sie vermitteln den Eindruck einer Kinoleinwand, an deren Fülle von Informationen und Animationen man sich kaum sattsehen kann. Es gibt farbenprächtige Herbstwälder, ein belebtes Aquarium, der Beifahrer kann einen Film anschauen, oder man schließt in der Pause eine Playstation an.

Denn der Honda tankt nicht nur Strom, er gibt auch welchen ab – per klassischer Schuko-Steckdose in der Mittelkonsole.

Wer gerne swiped und touched, ist hier im siebten Himmel. Denn man kann die Inhalte der Displays auch individuell konfigurieren und untereinander austauschen. Der Kreativität sind somit fast keine Grenzen gesetzt.

Und wer sich im Dschungel der Apps, Hotspots und Multimediaangebote verirrt, kann dem Auto per Sprachsteuerung frei formulierte Fragen stellen. Man sollte aber keine Wunder erwarten: Mich hat das System oft nicht richtig verstanden.

Lenkt das große Multimediaangebot nicht von der Fahrt ab? Erstaunlicherweise nicht. Man kann zum Glück optisch auch auf Minimalismus umschalten.

 

Der kleine Honda E fällt positiv auf, liefert Gesprächsstoff und macht viel Spaß. Nicht, weil er ein E-Auto ist. Sondern, weil in ihm so viele gute Ideen stecken, dass man dem knuffigen und agilen Cityflitzer einige Kinderkrankheiten lächelnd verzeiht. Preis und Reichweite könnten aber Interessenten abschrecken.

Frank Heide schreibt seit 16 Jahren über Autos. Für das Creditreform Magazin testet einmal im Monat die neuesten Firmenwagen. © Thomas Luther

Ideal für den Stadtverkehr

Niemand wird von einem Kleinwagen Raumwunder erwarten. Deshalb reicht es, sich über das gute Raumgefühl auf den Vordersitzen zu freuen. Dahinter ist wenig Platz. Während die Batterien im Fahrzeugboden sitzen, ruht der 154 PS starke E-Motor unter dem Kofferraumboden und lässt nur Platz für 171 Liter Gepäck.

Mehr Spaß als das Beladen machen Wendemanöver. Mit nur 8,60 Meter Wendekreis dreht der Honda gefühlt auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel.

Ideal für den Stadtverkehr, in dem er sich auf schmaler Serienbereifung agil, sehr übersichtlich und spurtstark präsentiert – und per Parkpilot automatisch in kleine Lücken schlüpft. One-Pedal-Driving ermöglicht es zudem, nur mit dem Gaspedal zu beschleunigen und zu verzögern, was enorm zum entspannten Fahrerlebnis beiträgt.

Beschleunigen kann der kleine Japaner als Advance in 8,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, bei 145 km/h ist Schluss. Dass sich die Beschleunigung meist schneller anfühlt, liegt am für E-Autos typischen sofortigen Abruf der 315 Newtonmeter Leistung per Eingang-Automatik.

Sie treibt beim Honda nur die Hinterräder an. Anders ausgedrückt: Man fühlt sich von sanfter Gewalt angeschoben. Die Reichweite der 35,5-kWh-Akkus soll bis zu 222 Kilometer betragen.

In der Praxis waren für mich eher 160 bis 180 Kilometer drin, bevor der Honda E an die Stromtankstelle musste. Findet man eine Schnelllademöglichkeit mit 100 kW, so sind die Akkus in 30 Minuten zu 80 Prozent gefüllt. An der Wallbox dauert das bis zu vier Stunden, dann ist er aber zu 100 Prozent geladen.

 

Design-Stilbruch Regenhaube

Beim Anschluss des Ladekabels erwartete mich nach all dem Hightech allerdings eine Enttäuschung. Die Ladeanschlüsse sind schön in die Motorhaube integriert, aber hier ging Design vor Funktion.

Regnet es, läuft Wasser auf die Technik. Für Fahrer, die draußen laden, hat Honda deshalb eine faltbare Regenhaube beigelegt, die man wie ein kleines Zelt um die Kabel aufbaut. Das Ganze ist in etwa so modern wie Großmutters Trockenhaube.

Der von Fachjournalisten zum „German Car Of The Year 2021“ gewählte Honda E ist kein billiges Vergnügen. Vor allem nicht als stärkere und besser ausgestattete Advance-Version.

Ohne den Abzug der staatlichen Innovationsprämie (in Höhe von 9.000 Euro für Batterie-E-Autos) kostet die Basisvariante des Honda E zwischen 33.850 und 38.000 Euro.

Technische Daten:

Antrieb: Elektromotor, Einganggetriebe mit Heckantrieb

Leistung: 113 kW/154 PS

Maximales Drehmoment: 315 Nm

Beschleunigung: 0 – 100 km/h: 8,3 Sek., max. 145 km/h

Batterie: Lithium-Ionen-Akku mit 35,5 kWh

Reichweite: bis zu 220 km

Durchschnittsverbrauch: 18 – 20 kWh/100 km (WLTP)

Preis: je nach Ausstattung 33.850 Euro bis 38.000 Euro