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Land Rover Defender

© Land Rover

Ein kantiger Typ war er schon immer. Unverwechselbar im Auftritt, scheinbar unverwüstlich. Andere fuhren mit der Zeit, er fuhr mit Leiterrahmen und Allrad einfach überall hin. Bis 2016. Fast 70 Jahre lang wurde der Land Rover Defender gebaut, bevor er als rollendes Fossil Umweltschutz und Sicherheitsdenken zum Opfer fiel. Doch jetzt gibt es ihn wieder. Hat auch der Nachfolger das Zeug zur Ikone?

 

Um es vorwegzunehmen: Der neue Defender ist mehr Range Rover als Land Rover. Immerhin: Die traditionell kantige Design-Silhouette erkennt man wieder. Kurze Karosserieüberhänge vorne und hinten und die bewusst auf das Wesentliche reduzierten Scheinwerfer und Heckleuchten wecken die Erinnerung an den Klassiker. Auch die seitlich angeschlagene Hecktür und der hinten befestigte Reservereifen greifen Eigenschaften des Ur-Defender auf.

Doch wie auch beim Ford Bronco und beim Toyota Land Cruiser bleibt eben kein Stein auf dem anderen, wenn unter dem traditionellen Namen ein modernes, sicheres und komfortables Fahrzeug entwickelt wird.

Das zeigt sich vor allem an der Innenausstattung, der Geländeautomatik samt Antriebsstrang und der komfortabel-geräuschlosen Souveränität, mit der nicht nur Offroadaufgaben, sondern auch längere Autobahnetappen gemeistert werden.

 

Überall hinkommen

Wird der Defender damit zum SUV-Softie für den komfortverliebten Möchtegern-Offroad-Piloten? Ganz klar: Nein. Denn zu den Erwartungen an die Marke zählt nach wie vor, dass man mit einem Defender wirklich überall hinkommt. Ohne Allrad, Untersetzung und sperrbares Mitteldifferenzial gibt es ihn gar nicht erst, je nach Ausstattung ergänzt um eine Hinterachssperre.

Außerdem kommt ein ganzes Arsenal moderner Technologien zum Einsatz, wie etwa das von Land Rover erfundene Allround-Steuerungssystem „Terrain Response“. Das machte Geländeausflüge auch schon früher narrensicher und kinderleicht. Mittlerweile verfügt es über einen konfigurierbaren Modus, mit dem man individuell Fahrzeugeinstellungen für Straße, Gelände, Schnee, Eis und sogar Gewässerdurchfahrten justiert.

Ein ganz besonderes technisches Schmankerl ist die „gläserne Motorhaube“, ein 360-Grad-Kamerasystem, das per Simulation und mit massiver Computerunterstützung sogar während der Fahrt unter das Auto blickt und damit etwa die komplette Kontrolle der Vorderräder im Gelände ermöglicht.

Vom Handling und Komfort des neuen Defender, speziell bei höherem Tempo auf der Autobahn, konnten Piloten des alten Offroaders nur träumen. Lenken und Kurvenfahrten waren harte Arbeit mit teils ungewissem Ausgang. Heutzutage empfiehlt sich der auf knapp über fünf Meter Länge gewachsene Fünftürer aber uneingeschränkt in Sachen Spurhaltung, Balance, Rückmeldung, Dynamik und Sitzkomfort.

Frank Heide schreibt seit 15 Jahren über Autos. Für das Creditreform Magazin testet einmal im Monat die neuesten Firmenwagen. © Thomas Luther

Wer den alten Land Rover Defender liebte, wird nicht viel wiedererkennen. Man kann das auch gut finden. Denn der Neue erweist der Tradition Respekt, lässt sich aber nicht von ihr fesseln. Aus dem Fossil ist ein Beinahe-Range-Rover mit Luftfederung, moderner Vernetzung, viel Komfort und Geländeautomatik geworden.

Ergonomisch sitzen

Der getestete D240 mit seinem 177 kW (240 PS) Vierzylinder-Diesel glänzte durchaus mit Reisequalitäten. Während der Fahrer früher im Defender einfach nur irgendwie hoch saß, eine Lüftungsklappe öffnete und wegen der lauten Fahrgeräusche gleich das Radio aus ließ, nimmt er nun ergonomisch Platz, stellt im digitalisierten Cockpit die Klimaanlage auf Wohlfühltemperatur ein und genießt Konzertatmosphäre, Smartphone-Anbindung und tadellose Navigation.

Natürlich ruhen all diese Annehmlichkeiten nicht mehr auf dem guten alten Leiterrahmen, sondern die Karosserie trägt sich nun selbst. Doch Traditionalisten bietet Land Rover einige kernige Elemente, an denen sie sich festhalten können: sichtbare Verschraubungen in den Türverkleidungen etwa und ein Magnesium-Querträger im Armaturenbrett.

Er ist mehr als nur Zierde und trägt als Stabilisator mit dazu bei, dass der neue Defender extrem verwindungssteif wird. Und natürlich stehen – wie früher – auch Dachzelt und Seilwinde für den vorderen Stoßfänger auf der extralangen Ausstattungsliste.

 

Immer trinkfreudig

Bei den Motoren können Kunden zwischen vier Varianten wählen. Es gibt zwei Diesel und zwei Benziner. Der 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel leistet wahlweise 147 kW/200 PS (P200) oder 177 kW/240 PS (P240), der kleinere Benziner (P300) holt aus vier Zylindern und zwei Litern Hubraum 221 kW/300 PS, der größere (P400) als Mild-Hybrid aus sechs Zylindern und drei Litern 294 kW/400 PS.

Die Achtgangautomatik ist ebenso Standard wie der Allradantrieb. Vergleichsweise trinkfreudig ist der Defender in jeder der Varianten. Der getestete P240 kostet als 110er-Version mindestens 55.600 Euro. Den kürzeren, dreitürigen Defender 90 gibt es ab 49.700 Euro. Nutzfahrzeug-Versionen und eine längere 130er-Version dürften bald folgen.

Technische Daten
  • Antrieb: 2,0-Liter-Diesel, Allradantrieb, Achtgang-Automatik
  • Leistung: 177 kW/240 PS
  • Beschleunigung: 0–100 km/h: 9,0 Sek., max. 188 km/h
  • Kofferraumvolumen: 160–1.946 Liter
  • CO2-Ausstoß: 199 g/km
  • Effizienzklasse: C
  • Abgasnorm: Euro 6d-temp
  • Preis: ab 55.600 Euro