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Im E-Commerce ist die ultimative Effizienz dann erreicht, wenn ein 3D-Drucker die Kundenbestellung während der Auslieferung im autonom fliegenden Robo-Transporter ausdruckt. Insbesondere auf der Letzten Meile ist die Experimentierfreude groß. Umgesetzt wird aber bislang wenig.

 

Bestellungen nehmen bei der Sober Care GmbH nur wenig Zeit in Anspruch. Das Berliner Startup produziert Herrenkosmetik und vertreibt sie vornehmlich über die eigene Website. Jeden Morgen loggt sich Geschäftsführer Simon Schier bei Byrd ein und überprüft die Bestellungen, die über eine Schnittstelle bei dem Logistikunternehmen eingehen. Meldet er sie bis 13 Uhr zum Versand, werden sie am selben Tag bearbeitet. Byrd verfügt über ein internationales E-Commerce-Fulfillment-Netzwerk, holt Bestellungen ab oder übernimmt sogar die Lagerhaltung – wie im Fall von Sober. Das sorgt für Tempo.

„Die Kunden sind Amazon-Lieferzeiten gewöhnt“, sagt Sober-Chef Schier. „Niemand mag mehr länger als drei Tage auf eine Bestellung warten. Unsere Pakete sind oft schon am nächsten Tag da.“ Dafür zahlt Schier das Porto und eine Pauschale pro Paket sowie eine monatliche Gebühr für den Lagerplatz.

Neue Logistikkonzepte wie das von Byrd werden dringend benötigt. Experten schätzen, dass die Zahl der Paketlieferungen in Europa bis zum Jahr 2021 um 69 Prozent zunehmen wird. Im Jahr 2025, so die Unternehmensberatung McKinsey, werden rund fünf Milliarden Pakete jährlich in Deutschland verschickt. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kunden. Doch wie bei der Digitalisierung in vielen anderen Wirtschaftsbereichen gibt es auch bei der Digitalisierung der Logistik zwar kein Erkenntnis-, aber ein Umsetzungsproblem.

 

Nicht abwarten, machen!

„Drei Viertel der Unternehmen, die Waren transportieren, sagen, dass Plattformanbieter in zehn Jahren bedeutende Player in der Logistikbranche sein werden. Dennoch sagt jeder Dritte, dass digitale Plattformen für das eigene Unternehmen aktuell kein Thema sind, und jeder Vierte gibt an, dass Plattformen gerade erst diskutiert werden“, weiß Christopher Meinecke, Leiter Digitale Transformation beim Digitalverband Bitkom. Sein Rat an den Einzelhandel lautet deshalb: Nicht abwarten, sondern machen!“ Tatsächlich bietet eine stetig wachsende Zahl von Startups schon heute Lösungsansätze, häufig bereits in Kooperation mit etablierten Händlern. Die Spannbreite reicht von datenbasierten Optimierungsmodellen für den internationalen Frachtverkehr bis hin zu nachhaltigen Lieferkonzepten für die Letzte Meile. Neben Fahrradkurieren werden in ein paar Jahren autonome Lieferboten wie Drohnen und Roboter unsere Städte erobern.

Seit Ende Mai dieses Jahres treiben etwa die Telekom und die Deutsche Flugsicherung mit dem Joint Venture Droniq die Entwicklung des kommerziellen Drohnenmarktes voran, ein Milliardengeschäft. Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan erwartet, dass die Zahl der Lieferdrohnen global bis 2025 auf 2,2 Millionen steigt. In China liefern seit Mitte Mai bereits ganz offiziell die ersten innerstädtischen DHL-Drohnen Waren aus.

Der Automobilhersteller Ford bleibt zwar logistisch auf dem Boden, testet jedoch gemeinsam mit Agility Robotics seit diesem Sommer ziemlich abgehobene autonome Lieferkonzepte: Problemlos über Gras und Treppen stelzend, liefert Agilitys zweibeiniger Robo-Bote Digit Pakete aus dem selbstfahrenden Lieferwagen direkt vor die Haustür. Ebenfalls von sich reden machten Hermes und die Deutsche Post mit Testläufen ihrer gemütlich über den Bürgersteig rollenden Zustellroboter sowie das estnische Startup Starship. So richtig durchgesetzt hat sich bisher jedoch keine Lösung.

 

Logistik von Morgen: Selbstfahrende Transportboxen

Es muss also grundlegend umgedacht werden. Praktische Erkenntnisse erhofft sich die Branche von dem im Juli eröffneten Efeu-Campus auf dem Gelände der ehemaligen Dragoner-Kaserne in Bruchsal nördlich von Karlsruhe. Von der EU mit zehn Millionen Euro gefördert, entsteht dort ein Testgelände mit 240 Einwohnern, inklusive Büros, Schule, Parks – und eines innovativen Logistikkonzepts. Ab 2021 sollen im Schritttempo fahrende Transportboxen, zwischen Sammelstelle und Haustüren pendelnd, das Problem der Letzten Meile lösen.

Bis dahin müssen Händler und Kunden sich wohl mit Paketstationen oder Click&Collect-Konzepten behelfen. Trotzdem bergen Daten und Digitalisierung schon heute Vorteile. „Dank KI haben wir heute besser geplante Routen. Dies hilft, fehlgeschlagene Zustellungen und damit unnötige Wege zu reduzieren oder zu verhindern“, erklärt Bitkom-Experte Meinecke. Außerdem seien Daten nicht nur die Basis, um bestehende Abläufe zu optimieren: „Häufig geht es um völlig neue Geschäftsmodelle, die durch die Digitalisierung erst ermöglicht werden.“

 

Logistik-Preisvergleichsplattform verschafft Orientierung

„Das ist schon ein ziemlich eindeutiges Bild.“

Christopher Meinecke, Bitkom-Experte.

Ein Beispiel ist das Hamburger Startup Carrypicker, das zwischen Fuhrunternehmen und Auftraggebern vermittelt. Dabei wird der Speditionsbetrieb, basierend auf der Auswertung von Millionen historischer Frachtdaten optimiert. Ein Algorithmus plant in Sekundenschnelle die besten Routen, bündelt Aufträge und verteilt Ladungen auf noch teilweise leerstehende Fahrzeuge. Der Preis wird in Echtzeit ausgespielt, wobei die Kosten zu Stoßzeiten steigen. 2.000 Speditionsunternehmen mit insgesamt mehr als 15.000 Lastern nutzen die App von Carrypicker bereits. Konkurrent Instafreight arbeitet aktuell mit rund 6.000 Frachtführern zusammen. Für Mitbewerber Cargonexx fahren derzeit mehr als 120.000 Lkw von insgesamt 8.000 registrierten und geprüften Transportunternehmen.

Auch für kleinere Händler gibt es mehrere Anbieter. Neben dem Berliner Startup Byrd, das sich um die Bestellungen von Kosmetikhersteller Sober kümmert, hat sich auch Coureon auf diesen Kundenkreis spezialisiert. Das junge Logistikunternehmen bündelt auf seiner Plattform zwölf internationale Versanddienstleister – und verschickt weltweit in 190 Länder. Egal, ob global oder regional, ob günstig oder nachhaltig, das größte Problem scheint es heute zu sein, sich für eine der zahlreichen Logistiklösungen zu entscheiden. Mit einem Vergleichsportal für Speditionen hat das Leipziger Start­up Pamyra bereits die Lösung parat. Dort findet sich das beste Angebot per Mausklick.

So sieht auch eine große Mehrheit der Unternehmen Vorteile im Einsatz digitaler Technologien beim Warentransport. Laut dem Bitkom setzen 92 Prozent auf eine Beschleunigung des Transports, 85 Prozent glauben, dass langfristig die Logistikkosten sinken. Nur 14 Prozent sagen, dass sich digitale Technologien allein für größere Unternehmen lohnten, und keines der befragten Unternehmen gibt an, sie seien überflüssig. „Das ist schon ein ziemlich eindeutiges Bild“, sagt Bitkom-Experte Meinecke.

 

Innovative Lösungen für die Frachtauslieferung

Mehr Tempo
Liefery hat eine eigene Softwareplattform zur Optimierung der Letzten Meile entwickelt. Ziel ist es, die Waren schnellstmöglich direkt zum Kunden zu liefern. Dabei experimentiert das Unternehmen auch mit alternativen Zustellmethoden, etwa mit den Smart-Home-Schließsystemen des Berliner Startups Kiwi. Alternativ können die Zusteller Pakete auch im Kofferraum geparkter Autos ablegen.
liefery.com

 

Für kleine Händler
Über Byrd können Onlineshops jeder Größenordnung ihre komplette Logistik mit wenigen Klicks auslagern. Von der Lagerhaltung über die Inventarinformation in Echtzeit bis hin zu Verpackung, Versand und Retourenmanagement übernimmt Byrd alles, was nicht direkt mit dem Verkauf zu tun hat. Dabei ist die Integration aller gängigen Shop­systeme möglich. Die Logistik wird über ein stetig wachsendes Fulfillment-Netzwerk geregelt, wobei ein Algorithmus den jeweils passenden Versandpartner bestimmt.
getbyrd.com

 

Transport weltweit
Freighthub ist die erste volldigitale Fracht­spedition Europas. Der Kunde kann bei der Buchung zwischen rund 150 unterschiedlichen Möglichkeiten wählen. Dazu gehören Basisdaten wie Transportdauer, Datum sowie Ankunfts- und Abfahrtshafen, aber auch spezielle Features, wie der Wunsch nach einem möglichst nachhaltigen Transport, können Berücksichtigung finden. Basierend auf dem bestehenden Datenpool, berechnet das Unternehmen die Frachtkosten in wenigen Sekunden und erstellt ein Angebot. Zusätzlich übernimmt Freighthub die Abwicklung von Zollbescheinigungen und Versicherungspapieren. Nach abgeschlossener Buchung können Kunden ihre Fracht in Echtzeit verfolgen.
freighthub.com

 

 

Besondere Leistungen rund um den Versand

Rytle.de
Der Logistikanbieter und Lastenrad-hersteller aus Bremen bewältigt die Letzte Meile mit dem E-Cargobike.

 

Tiramizoo.com
Die 2010 gegründete Plattform bietet Onlinehändlern an, ihre Waren von lokalen Kurierdiensten liefern zu lassen. Möglich sind Sofortzustellung oder eine Lieferung innerhalb eines festen Zeitfensters.

 

Carrypicker.com
Die Hamburger wollen Lkw besser auslasten und bündeln Aufträge mithilfe eines Algorithmus.

 

Sennder.com
Digitale Spedition, die auch Kühl- und Schwerlasttransporte anbietet.

 

Parcellab.com
Das Startup ermöglicht Onlinehändlern, eigene Statusmeldungen zum Versand zu schicken – damit der Kundenkontakt nicht an DHL, Hermes und Co. verloren geht.

 

Synfioo.com/de
Hilft dabei, die Lieferkette im Blick zu behalten und informiert frühzeitig bei Verzögerungen.