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Bereits seit Ende 2013 kommen jede Woche durchschnittlich zwei neue generische Top-Level-Domains (gTLDs) wie .web, .nike, .sport oder .berlin auf den Markt. Die größte Einführung neuer Endungen aller Zeiten der „Internet Corporation for Assigned Names and Numbers“ (ICANN) ist bereits in vollem Gange. Nach diesem Marathon wird das Domain-Name-System (DNS) um mehr als weltweit 1.400 neue Endungen reicher sein.

„Die neue Vielfalt stellt besonders Markeninhabern und Unternehmen eine große Auswahl von neuen Web-Adressen zur Verfügung. Gleichzeitig müssen sie sich aber auch neuen Herausforderungen beim Schutz ihrer Marken stellen“, erklärt Experte Thomas Rickert. „Neue gTLDs bedeuten auch eine mögliche Bedrohung geistigen Eigentums.“ Schließlich bieten sich für unberechtigte Dritte zahlreiche Gelegenheiten, Domains mit renommierten Markennamen zu besetzten, das sogenannte Cybersquatting. (mil)

Beachten Sie diese Hinweise:

Trademark-Clearinghouse

Um der Besetzung neuer Domain-Endungen durch Dritte Einhalt zu gebieten, hat die ICANN im März 2013 das Trademark Clearinghouse (TMCH) ins Leben gerufen, damit Markeninhaber ihre Rechte während der DNS-Erweiterung schützen und durchsetzen können. „Trotz dieser wichtigen Funktion ist die Nachfrage bislang verhalten. Im Januar 2014 waren in Deutschland lediglich 23.000 Einträge verzeichnet“, warnt Rickert vor dem nachlässigen Umgang mit dem Schutz eingetragener Markenrechte.

„Sunrise-Phase“

Die Einführung jeder neuer gTLD beginnt mit einer vorgeschriebenen „Sunrise-Phase“ von mindestens 30 Tagen. Wer seine Marke im TMCH eingetragen hat, kann während der Sunrise-Phase „seine“ Domain registrieren. Erst im Anschluss daran werden die Domains der Öffentlichkeit angeboten. In Deutschland sind in diesem Jahr mit .ruhr und .berlin zwei regionale Domain-Endungen mit ihren Sunrise-Phasen gestartet.

Unterschiedlich starke Nutzung

Eine Auswertung des Beratungsunternehmens DOTZON GmbH der im Trademark-Clearinghouse eingetragenen Marken offenbart, dass viele deutsche Unternehmen diese wichtige Entwicklung im Internet noch nicht wahrgenommen haben. So zeigen die Daten, dass zwar immerhin 70 Prozent der Dax-Unternehmen, aber bisher nur etwa 26 Prozent der MDax-Unternehmen und nur zehn Prozent der TecDax-Unternehmen dieses Instrument für den Markenschutz im Internet nutzen.

Anmeldung prüfen

Rickert ruft dazu auf, schnell zu handeln: „eco empfiehlt zu prüfen, ob eine Anmeldung der eigenen Marke im Trademark-Clearing-House sinnvoll ist. Markeninhaber sollten ein Interesse daran haben, dass ihre Zeichen durch Fremdregistrierungen nicht verletzt werden. Viele Unternehmen verfügen zudem über Marken, die in anderen Ländern oder anderen Waren- und Dienstleistungsklassen identisch zugunsten Dritter angemeldet sind. Wer hier keine Chancen verspielen will, muss aktiv werden, damit der ‚größte Sunrise aller Zeiten‘ für Markeninhaber nicht zum größten Reinfall aller Zeiten wird.“ Weitere Informationen zum Trademark-Clearinghouse finden Sie hier.