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Creditreform

„Hey Micha! Hier die Internetseite(,) über die wir gesprochen haben.“ Sehr vertraut klingt die Anrede auf der handgeschriebenen Vorlage, die als Fax dieser Tage nicht nur einen Empfänger erreicht hat. Es folgt eine doppelt unterstrichene Adresse, die auf „.com“ endet, und darunter der Zusatz: „Die verraten wirklich alles! Versuch mal(,) die vom Netz zu nehmen!!“ Das Schreiben schließt lapidar mit „Gruß Martin“.

Das Merkwürdige: Niemand hat vorab mit „Micha“ über eine Internetseite gesprochen, wie behauptet wird. Wer die angeblich so interessante Adresse im Browser eingibt, bekommt jede Menge Videos zu sehen, die dokumentieren sollen, wie erfolgreich Menschen mit „Binären Optionen“, einem derivativen Finanzinstrument, Geld machen.

Unabhängig davon, wie seriös das Angebot auf der Internetseite mit ausländischer Impressumsangabe ist: Das Fax, das – getarnt als Geheimtipp – darauf hinweist, ist unverlangte und damit unzulässige Werbung.

„Uns sind auch noch andere Fälle bekannt, in denen per Fax bestimmte Aktien hoch gelobt wurden“, berichtet auf „Creditreform“-Anfrage Christian Urban aus der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Er empfiehlt die Lektüre eines entsprechenden Presseberichts.

Hinweise der Verbraucherzentrale

• Seien Sie grundsätzlich gegenüber Faxen misstrauisch, zumal wenn Sie unerwartet oder von Fremden kommen. Fax-Spam ist vergleichbar mit Mail-Spam.

• Vertrauen Sie aber auch nicht bei vermeintlich Bekannten darauf, dass Name und Nummer des Absenders stimmen. Denn diese Angaben lassen sich relativ einfach manipulieren.

• Ebenso wie unverlangte telefonische Werbung (Cold Call) sind unverlangte werbliche Faxe rechtlich unzulässig.

• Vermeiden Sie es, unbekannte Internetadressen aufzurufen, weil diese Schadprogramme enthalten können, die versuchen, sich unbemerkt auf Ihrem Computer zu installieren.

• Informieren Sie sich auf dem Portal „Phishing-Radar“ der Verbraucherschützer über aktuelle Phishing-Attacken (derzeit hauptsächlich bezogen auf E-Mails).

Ihre Beschwerdemöglichkeiten

Auf die Manipulierbarkeit der Absenderkennung weist auch René Henn, Pressesprecher der Bundesnetzagentur, hin. Im Übrigen sei es ebenfalls bei Telefonanrufen möglich, dass eine gefälschte Rufnummer angezeigt wird. Bei Zweifeln an der Rechtmäßigkeit eines Faxes sollten Sie die Bundesnetzagentur oder die Verbraucherzentrale und bei offensichtlich strafrechtlich relevanten Verstößen auf jeden Fall die Polizei benachrichtigen.

Die Bundesnetzagentur hat eine eigene Seite für Beschwerdehinweise eingerichtet, die auch weitere Kommunikationskanäle wie Post und SMS berücksichtigt.

Vorsicht auch bei SMS

„Genauso wie bei SMS kann auch bei einem Fax die Absenderkennung grundsätzlich verändert werden, wenn beispielsweise ein Webfrontend für das Fax verwendet wird“, bestätigt Philipp Blank, Sprecher der Deutschen Telekom. „Uns ist allerdings kein erhöhtes Beschwerdeaufkommen über Spam via Fax bekannt.“ (mil)

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