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© LPETTET/iStock

Die Text- und Spracherkennung, basierend auf maschinellem Lernen, hat sich enorm weiterentwickelt. Im Geschäftsalltag hilft sie, die Mailflut zu managen, den richtigen Ton zu treffen und effektiver zu kommunizieren. Nützliche Tools im Überblick.

 

Zwischen dem ersten Computer, der Sprache erkennen konnte, und dessen modernsten Vertretern liegen fast 70 Jahre Entwicklung und ein Größenunterschied von knapp zwei Metern. 1952 stellte ein Forscherteam der amerikanischen Bell Labs im Bundesstaat New Jersey Audrey vor, einen riesigen Schrank voller Relais und Schaltkreisen. Audrey konnte Zahlen verstehen – von null bis neun –, und das auch nur, wenn sie die Stimme des Sprechers kannte, er langsam und mit langen Pausen sprach.

Für moderne Sprachassistenten wie Siri, Alexa, Cortana und Co. ist das heute die leichteste Übung. Smartphones und Tablets werden damit zum idealen Kommunikationshelfer – zumal sich auch das Kommunikationsverhalten mehr und mehr verändert. Laut einer Befragung des Digitalverbands Bitkom nutzte im Jahr 2018 jeder achte Deutsche ab 18 Jahren privat einen digitalen Sprachassistenten. Das entspricht 8,7 Millionen Menschen in Deutschland.

Mit steigenden Nutzerzahlen wird auch die auf maschinellem Lernen und großen Datenmengen basierende Technologie zur Text- und Spracherkennung immer besser und zunehmend nicht nur privat genutzt, sondern auch beruflich. Wer sie clever kombiniert, kann mit vielen Tools und Apps etwa Texte für E-Mails diktieren, sich die Antworten vorlesen lassen, Sprachmemos transkribieren, handschriftliche Notizen digitalisieren und das Ganze auf Stil, Grammatik und Rechtschreibung checken – und das alles mit einem Computer, der in die Hosentasche passt.

Sprache zu Text

Ob für zwei Zeilen im sozialen Netzwerk, eine E-Mail oder einen längeren Bericht: Sprach­erkennung ist inzwischen mehr als eine Notlösung, wenn gerade keine Hand frei ist. Auf vielen Smartphones ist die Diktierfunktion schon integriert. Falls nicht, wandeln Apps wie Gboard oder SpeechTexter Gesprochenes in Maschinenschrift um. Für umfangreichere Dokumente lohnt sich Dragon Anywhere. Mit Sprachbefehlen lassen sich Texte damit sogar präzise formatieren.

 

SpeechTexter: Android, kostenlos

 

Gboard: iOS, Android, kostenlos

 

Dragon Anywhere: iOS, Android, ab 15 Euro/Monat

Audio zu Text

Im Unterschied zu Speech-to-Text-Anwendungen sind Tools wie Auphonic und Trint in der Lage, aufgenommene Audio- und Video­dateien etlicher Formate zu transkribieren. Mitschnitte von Konferenzen, Interviews und Telefonaten werden mit großer Zeitersparnis verschriftlicht und stehen zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung. Einzige Einschränkung: Hat der Sprecher einen starken Dialekt, kommt die KI schnell an ihre Grenzen.

 

Auphonic: iOS, Android, kostenlos mit bis zu zwei Stunden Audioaufnahme pro Monat, Premium-Tarife ab 9 Euro/Monat

 

Trint: iOS, ab 44 Euro/Monat

Besserer Stil

Der Unterschied zwischen Schulenglisch und Business-Englisch besteht darin, die richtigen Zwischentöne zu treffen. Dabei hilft Grammarly. Die App korrigiert Tipp- und Grammatikfehler sowie Stil und Tonalität von englischen Texten. Einen ähnlichen Service auch in anderen Sprachen bietet LanguageTool. Es wird als Add-on für mehrere Browser und die Microsoft-Office-Programme installiert und beinhaltet neben der Rechtschreibprüfung eine große Datenbank an stilistischen Ver­besserungsvorschlägen.

 

Grammarly: iOS, Android, Add-on für sämtliche Webbrowser, kostenlos, Premium-Version ab 11,66 Euro/Monat schaltet weitere Prüfungskategorien frei

 

LanguageTool: Android, kostenlos, Premium-Version ab 4,92 Euro/Monat, größerer Prüfungspool, ermöglicht mehr Zeichen pro Prüfung; Add-on für sämtliche Webbrowser (außer Safari)

Text zu Sprache

Wer viel Auto fährt oder aus anderen Gründen nicht jede Mail direkt lesen kann, der kann sich mit sogenannten Text-to-Speech-Anwendungen behelfen, etwa dem Voice Aloud Reader von Hyperionics Technology. Die App liest neben eBooks und Onlineartikeln auch PDF-Dokumente oder E-Mails vor. Dazu können Geschwindigkeit, Tonlage und sogar Stimme benutzerdefiniert angepasst werden.

 

Voice Aloud Reader: Android, kostenlos, Premium-Lizenz für 9,50 Euro, entfernt Werbung

Handschrift erkennen

Handschriftliche Notizen sind meist schneller gemacht als irgendwo eingetippt – zudem erinnern Menschen Dinge, die sie per Hand geschrieben haben, besser. Die Apps MyScript Nebo und GoodNotes 5 vereinen mittels ausgeklügelter Handschrifterkennung die Vorteile elektronischer und herkömmlicher Aufzeichnungen. Sie können Geschriebenes auf dem Tablet in Maschinenschrift umwandeln und bieten sogar die Möglichkeit, handschriftliche Diagramme zu formatieren.

 

MyScript Nebo: iOS,Android, 9,99 Euro

 

GoodNotes 5: iOS, 8,99 Euro