Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

© Toyota

Seit mehr als 50 Jahren baut Toyota den Hilux. Auch heute noch glänzt der Pickup mit Größe, Kraft und Robustheit. Er ist gebaut für die Wildnis, nicht als alltagstauglicher SUV. Unser Autor Frank Heide hat ihn getestet.

 

Zur Legende erhoben hat den Toyota Hilux das BBC-Automagazin „Top Gear“. Die britischen Klamauk-Tester sprengten den Pick-up unter anderem mitsamt einem Hochhaus in die Luft, versenkten ihn im Meer, holten ihn wieder an Land – und er lief immer noch.

Ein Blick auf den Gebrauchtwagenmarkt mag den Eindruck bestärken: Ältere Exemplare werden mit 300.000 bis 400.000 Kilometer Laufleistung angeboten – und als kernige Nutzfahrzeuge sind sie in dieser Zeit nicht geschont worden.

Entsprechend robust ausgelegt ist die Basis: klassischer Leiterrahmen, Blattfedern, unverwüstlicher Vierzylinder-Diesel, simple Technik, hohe Nutzlast, zuschaltbarer Allradantrieb, mechanische Differentialsperren, Untersetzungsgetriebe, hohe Bodenfreiheit.

Technische Daten

Antrieb: Vierzylinder-Diesel

Leistung: 110 kW / 150 PS

Max. Drehmoment: 400 Nm

Beschleunigung: 0-100 km/h: 13,2 Sek, max. 175 km/h

CO2-Ausstoß: 185 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Verbrauch: 7,0 l/100 km (ECE-Durchschnittsverbrauch)

Zuladung: max. 1.235 kg, max. Anhängezuglast 3.200 kg

Preis: ab 24.590 Euro, Testwagen als Doppelkabine, mit Extras ca. 34.000 Euro

 

Ein echtes Weltauto

Mit diesem Rezept ist der Toyota Hilux in einigen kargen Regionen der Welt sogar zum meistverkauften Fahrzeug überhaupt aufgestiegen. Er ist ein echtes Weltauto, das seit 1968 in inzwischen 140 Ländern verkauft wird, aktuell zu Preisen ab 24.590 Euro. Wer Allradtechnik haben will, zahlt bei gleicher Motorisierung mindestens 28.020 Euro.

Während Bauleiter, Steinmetze, Landschaftsgärtner und Forstwirte beim Anblick des Fünf-Meter-Kolosses feuchte Augen bekommen, schießen dem klassischen Stadtbewohner andere Gedanken durch den Kopf: Wie passt der in die Parklücke? Ist er zu hoch für die Parkhauseinfahrt? Und wie komme ich überhaupt auf den Sitz?

Mit Schwung. Oben, beziehungsweise innen, im 1,81 Meter hohen Pick-up angekommen, gefallen das Raumgefühl und die Verarbeitung: reichlich Kopf- und Beinfreiheit, angenehmes Nappaleder, ein großes Multimedia-Display und einige moderne Assistenzsysteme. Gleichzeitig wirkt alles angemessen robust, abwaschbar, übersichtlich.

 

Stark statt schnell

Im Alltagsbetrieb präsentierte sich der Toyota Hilux, der stets von einem 150 PS starken Vierzylinder-Diesel angetrieben wird, als gutmütiger Geselle mit gewaltigen 400 Newtonmeter Drehmoment, die schon knapp über Standgas-Niveau zur Verfügung stehen.

Die Angaben zu Beschleunigung (von null auf 100 in 13,2 Sekunden) und Spitzentempo (175 km/h) sind beim Hilux eher von theoretischer Natur. Riesige, grobstollige Reifen, die Höhe des Pick-ups und die Blattfederung unter der Hinterachse bremsen dynamische Fahrversuche früh ein.

Seine Stärke spielt der Wagen anderswo aus – auf der riesigen Ladefläche. Toyota hat sie mit einer augenscheinlich unverwüstlichen Plastikwanne ausgekleidet. Einfach gesagt: Man kann alles draufwerfen, was groß, lang und schmutzig ist und nicht viel mehr als eine Tonne wiegt.

 

Frank Heide schreibt seit 15 Jahren über Autos und Motorräder. Sein Fazit zum Toyota Hilux (© Thomas Luther):

 

Der Auftritt des 5,33 Meter langen und über 1,80 Meter hohen Toyota Hilux ist gewaltig. Dass er trotz aller Lifestyle-Bemühungen des Herstellers mehr Arbeitstier als Pkw bleibt, dürfte vor allem Handwerker freuen. Wenn er keine echte Aufgabe bekommt, zeigt der Pickup mehr Nachteile als Vorteile.

 

Wildnis top, Wellness flop

Wer allerdings nicht gerade im Gartenbau arbeitet oder als Handwerker von Baustelle zu Baustelle fährt, hat möglicherweise ein Problem: keine passende Aufgabe für den großen Truck. Und dann zeigen sich die Nachteile: Wildnis kann der Hilux gut, Wellness kann er gar nicht.

Über die weißen Grenzlinien von Standardparkplätzen ragt mindestens ein Fahrzeugteil immer hinaus, oft sind es zwei. Das ist ebenso gattungstypisch wie der Wendekreis, der deutlich größer ausfällt als bei jedem SUV. Trotz der hohen Sitzposition ist die Übersicht über das Fahrzeug nicht gut.

Und wer das Blattfeder-Fahrgefühl nicht kennt: Stellen Sie sich einfach vor, sie überfahren mit sanft eingestellter Federung Bodenwellen. In kurzer Folge, und zwar unendlich viele. Das Geschaukel muss man mögen. Der einzige Vorteil: Wenn es dann mal ins Gelände geht, muss man sich nicht mehr umgewöhnen.

Räsonabler Restwert

Für Pickups mit einfacher, aber robuster Technik sind 80.000 Kilometer nach 48 Monaten eigentlich nicht der Rede wert. Auch für die Restwertspezialisten von BF Forecasts steht der Hilux nach vier Jahren im Vergleich zur Konkurrenz noch gut da:

 

Toyota Hilux Extra Cab 4×4
Neupreis:
30.809 Euro
Restwert: 16.637 Euro
Wertverlust: 46 Prozent

 

Fiat Fullback Double Cab 2WD
Neupreis: 28.084 Euro
Restwert: 14.042 Euro
Wertverlust: 50 Prozent

 

Renault Alaskan Double Cab 4×4
Neupreis: 37.378 Euro
Restwert: 17.568 Euro
Wertverlust: 53 Prozent

 

Quelle: BF Forecasts